Niki Lauda zu Sicherheit: «DNA der Formel 1 verloren»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Niki Lauda

Niki Lauda

​Die Formel 1 gibt viel zu reden: Wir fahren auf dem brandgefährlichen Kurs von Baku, wir fahren seit Jahren in Monaco, und gleichzeitig wird der Kopfschutz Halo eingeführt. Ein Widerspruch.

Die Formel 1 gibt oft Rätsel auf. Die Grand-Prix-Stars fahren seit Jahren im Leitschienenkanal von Monte Carlo. Nicht auszudenken, wenn sich mal zwei Autos verhaken und eines davon in Richtung einer Tribüne abhebt. Wir sind vor wenigen Wochen erstmals in Baku gefahren, mit fast 380 km/h in einer Stadt. Gleichzeitig haben wir auf gewissen Strecken aber auch gefühlte Quadratkilometer Auslauf, und der Autoverband FIA will den Kopfschutz Halo (Heiligenschein) einführten. GP-Sieger Johnny Herbert: «Das ist für mich nur der erste Schritt. In ein paar Jahren werden die Autos ganz geschlossen sein, mit einer Art Kanzel wie bei einem Kampfjet, dessen bin ich mir ganz sicher.»

In der Sendung «Sport und Talk aus dem Hangar-7» hat Formel-1-Legende Niki Lauda angetönt, dass sich hier vielleicht ein Grund finden lässt, warum viele Fans sich vom Sport abwenden: «Passieren kann heute wenig bis gar nichts. Durch den dauernden Sicherheitsgedanken ist die DNA der Formel 1 verloren gegangen. Wir sind jetzt wieder auf dem Weg in die richtige Richtung. Aber es wird eine Weile dauern, bis die Leute uns das wieder glauben. Wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht zu einer Formel 1 kommen, die nur noch wie unter Glas wirkt.»

«Dieses komische Halo-System, das derzeit diskutiert wird, gehört weg, weil die Entwicklung für mich nicht abgeschlossen ist. Man muss die FIA wieder einfangen, damit sie nur Dinge beschliessen, die auch Sinn machen.»

Red-Bull-Motorsportchef Dr. Helmut Marko ist der Ansicht: «Ein Skirennfahrer lebt erheblich gefährlicher als ein Autorennfahrer. Die Gefahr war immer ein Teil der Faszination für den Motorsport. Der Sport ist sicherer geworden, und das ist richtig. Aber wenn es übertrieben wird, geht die Magnetkraft verloren. Du kannst nicht jedes Restrisiko ausschliessen. Ich verstehe auch nicht, wieso man riesige Auslaufzonen macht und dann Randsteine, welche die Autos beschädigen. Die FIA sollte sich da viel besser mit den Piloten kurzschliessen.»

Aber Le-Mans-Sieger Marko erkennt noch einen anderen Grund dafür, dass sich viele Rennveranstalter schwer tun, wieder mehr Fans zur Piste zu locken: «Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone dürfte eben gar nicht an Orte gehen, wo es keine Motorsportbegeisterung gibt. Ich sehe auch Probleme bei der neuen Rennwagengeneration, zunächst einmal war der bestialische Lärm der Formel 1 weg. Die Überlegenheit von Mercedes hat auch nicht geholfen. Es entstand eine Negativspirale, aus der wir uns aber wieder herausarbeiten. Wir sind für 2017 auf einem guten Weg, mit spektakuläreren Autos.

Niki Lauda: «Die erhöhte Sicherheit hat alles verändert. Dadurch haben die heutigen Fahrer nicht mehr den Biss, den Piloten wie Helmut Marko und ich früher haben mussten, um sich durchzusetzen. Wir waren ganz alleine, ungeachtet aller Gefahren. Die Freude am Fahren hat die Angst vor einem möglicherweise tödlichen Unfall überwogen. Heute ist das alles verschwommen. Klar ist es besser geworden, weil wir weniger Unfälle erleben. Aber dadurch haben wir eine ganz andere Generation von Piloten, mit wenigen echten Typen. Diese Entwicklung wird sich jedoch so weiterentwickeln.»

«Wir müssen wieder in eine Position kommen, dass die Autos sichtlich schwer zu bändigen sind, die Piloten sollen auf dem Siegerpodest wieder als Helden wahrgenommen werden, verschwitzt und geschafft, nachdem sie diese Monster beherrscht haben.»

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