Moto2

Domi Aegerter: Trennung von Manager Oliver Imfeld

Von - 31.12.2019 09:52

Dominique Aegerter steht vor seiner ersten Saison im MotoE-Weltcup. Gleichzeitig interessiert er sich für den Platz bei Aprilia, falls Iannone gesperrt wird. Und er hat keinen Manager mehr.

Dominique Aegerter hat sich im Frühjahr 2018 zum zweiten Mal von seinem Manager Dr. Robert Siegrist getrennt. Der Schweizer Moto2-Pilot verpatzte dann den Moto2-Deal mit dem niederländischen NTS RW Racing Team und musste sich deshalb für geschätzte 300.000 Euro beim notorisch finanzschwachen Forward-Team einkaufen.

Forward trat 2019 mit dem Fabrikat MV Agusta an. Von einem Werkseinsatz war dieses Projekt aber weit entfernt, die ersten Stahlchassis wurden bei Suter Industries bestellt. Forward musste für das Material 2019 bezahlen.

Ähnliche exklusive «Werkseinsätze» hatte Forward-Teambesitzer Giovanni Cuzari für 2015 schon mit FTR angekündigt, aber dieser Plan löste sich vor dem ersten Test in Luft auf. Für 2018 kündigte Forward einen «Werkseinsatz» mit Suter an. In Wirklichkeit wurden nur die nicht konkurrenzfähigen Maschinen aus der Saison 2017 aufgebraucht.

Forward bekam wegen der tristen Ergebnisse für 2019 und 2020 nur noch einen fixen Moto2-Startplatz, deshalb musste Aegerter als Bezahlfahrer Geld mitbringen. In der Moto2-WM 2019 landeten Manzi und Aegerter mit den MV-Agusta-Geräten auf den Rängen 19 und 22.

Aegerter: «Profunde Kenner sind ein rares Gut»

Aegerter fand für 2019 mit Oliver Imfeld einen neuer Manager, der bis Juli 2019 Manager von Musiker DJ Bobo agierte, aber sich als absoluter Anfänger im Motorsport herausstellte. «Die Suche nach einer geeigneten und schlagkräftigen Manager gestaltete sich schwierig. Profunde Kenner des Motorradrennsports sind in einem Land ohne eigene Rennstrecke ein rares Gut», war sich Aegerter schon im Frühjahr im Klaren. Er meinte aber: «Es ist an der Zeit, dass ich meinen Fokus wieder voll auf die Moto2 und auf das richte, was ich am besten kann – Rennen fahren und um gute Platzierungen fighten.»

Unter der Obhut von Imfeld wurden die Sorgen jedoch nicht geringer und die von Aegerter schon im Sommer 2018 angeprangerte Überbelastung nicht kleiner.

Dabei hatte sich der erfolgreiche Selbstvermarkter Imfeld im Mai 2019 noch als Universalgenie präsentiert. «Nach 30 Jahren als Unternehmer und Geschäftsführer im Showbusiness konnte ich ein nationales und internationales Netzwerk auch im Sport knüpfen. Es erscheint mir reizvoll, mich für Dominique und den Schweizer Motorsport einzusetzen und das Potenzial von Domi für Partner nutzbringend vermarkten zu können», posaunte der SVP-Politiker im Mai.

Doch bei den fünf Übersee-Rennen im Oktober und November war Imfeld nie dabei. Aegerter nahm sein Management wieder selber in die Hand. Bruder Kevin unterstützt ihn dabei. Beim Valencia-GP hoffte Aegerter sogar, statt Alex Márquez als Moto2-Kandidat bei Marc VDS ins Spiel zu kommen. Aber die Belgier nahmen Augusto Fernandez, den dreifachen Saisonsieger.

Imfeld (50) führte ins Feld, er habe sechs Jahre als Privatfahrer in Deutschland auf Porsche in der VLN mitgewirkt. Außerdem habe er als Zuschauer seit 2005 jährlich mindestens ein MotoGP-Rennen besucht und sich so ein gewisses Grundwissen über den Motorradrennsport aneignen können.

Doch die Karriere als gelegentlicher Zuschauer erwies sich als unzureichende Basis für eine Laufbahn als Fahrer-Manager. Imfeld fand trotz seines Netzwerks keine neuen Geldgeber. Es war zu hören, er habe gerne langjährige Sponsoren von Tom Lüthi kontaktiert. Der Schweizer brachte keinen neuen Vertrag mit Forward zustande, und er konnte für Aegerter auch keinen Platz in der Supersport-WM verhandeln, was hingegen die Berater der Moto2-Fahrer Philipp Öttl und Lukas Tulovic für ihre etwas gleich starken Fahrer im Handumdrehen schafften. Auch in der Superbike-WM fand Imfeld keinen Platz, obwohl Aegerter beim 8h-Rennen von Suzuki in fünf Jahren drei Podestplätze vorzuweisen hat.

Aegerter war im Oktober noch der Ansicht, er könne zumindest einen lukrativen Testfahrer-Vertrag in der MotoGP ergattern. Aber auch hier: Fehlanzeige.

Der Sachsenring-Moto2-Sieger von 2014 ist deshalb auf dem Abstellgeleise namens MotoE-Weltcup gestrandet. Dort finden nur sieben Rennen im Jahr bei fünf Events statt.

Deshalb gehen Aegerter und Imfeld jetzt nach einem guten halben Jahr wieder getrennte Wege.

Domi Aegerter kümmert sich wieder selbst um seine Karriere. Er verfolgt zum Beispiel aufmerksam, ob Aprilia Racing bald einen Ersatz für den mutmaßlichen Dopingsünder Andrea Iannone brauchen wird. «Ich möchte dort auf die Liste kommen», sagt der 29-jährige Rohrbacher, der 216 GP-Einsätze (125 und Moto2) absolviert hat.

Ob er beim Dynavolt Intact GP-Team im Falle eines GP-Angebots von seinen MotoE-Verpflichtungen befreit wird, kann Aegerter nicht einschätzen. «Vielleicht kann ich bei Aprilia wenigstens MotoGP-Testfahrer werden», macht sich der Eidgenossse Hoffnungen auf den Job von Bradley Smith.

Umfangreiche MotoGP-Erfahrung hat Aegerter nicht: Er hat 2014 und 2015 zweimal die Claiming-Rule-Maschine von Akira Technology getestet – mit Kawasaki-Superbike-Motor und FTR-Chassis.

MotoE-Kalender 2020:

03. Mai Jerez/E
28. Juni Assen/NL
16. August: Red Bull Ring/A
12./13. September: Misano/I (zwei Rennen)
14./15. November: Valencia/E (zwei Rennen)

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