Triumph: Warum zu hohe Drehzahlen bestraft werden

Von Günther Wiesinger
Moto2
Jorge Navarro beim Valencia-GP 2019

Jorge Navarro beim Valencia-GP 2019

Seit August wird ein hübsches Sümmchen fällig, wenn ein Moto2-Fahrer seinen Triumph-Motor zu oft überdreht. Techniker Trevor Morris erklärt die Zusammenhänge.

Im August und September beschwerten sich einige Moto2-Fahrer, weil sie von den GP-Funktionären und. von Triumph informiert wurden, dass sie zwischen 51.150 und 9000 Euro Strafe bezahlen müssen, wenn sie die 765-ccm-Dreizylinder-Motoren beim Runterschalten auf mehr als 14.500/min quälen. Zu Beginn der Saison wurde allen Fahrern und Teams mitgeteilt, dass die maximal erlaubte Drehzahl auf 14.000/min begrenzt sei. Das Drehzahllimit ist jedoch später erhöht worden.

Doch manche Übeltäter im Sattel der Moto2-Rennmaschinen kümmerten sich nicht sonderlich um diese Vorschriften, besonders Speed-up-Pilot Jorge Navarro galt als notorischer Überdreh-Sünder.

MotoGP Technical Director Danny Aldridge stellte dann beim Silverstone-GP fest, es handle sich nicht um eine Strafe, sondern um eine Unkostenbeteiligung, weil die zu hoch gedrehten Motoren aus der Allocation genommen, zerlegt, eventuell früher als üblich revidiert und mit neuen Teilen versorgt werden müssten.

Die ca. 140 PS starken Einheitsmotoren von Triumph werden jeweils für drei Grand Prix an die Teams und Fahrer verlost, dann wieder eingesammelt und gegen neue oder frisch revidierte Exemplare getauscht. Die Motoren kosten nur 20.000 Euro für die Teams pro Fahrer, den Rest bezahlen Dorna und Triumph.

«Es gab nur wenige Fahrer, die unsere Triebwerke beim Zurückschalten über Gebühr gequält haben», stellte Trevor Morris gegenüber SPEEDWEEK.com fest. Er funguert als Technical Director von ExternPro, jener Firma, die sich im Technoparc MotorLand Aragón um die Vorbereitung der Motoren kümmert.

«Diese Fahrer schalten zurück, bevor sie das Gas zudrehen», wundert sich Trevor Morris. «Wenn das ein MotoGP-Fahrer machen würde, würde ihn das Team durch den Fleischwolf drehen.»

Morris weiter: «Wir haben den Moto2-Piloten deshalb klar gemacht, dass diese Vorgangsweise beim Runterschalten die falsche Methode ist. Denn darunter leiden die Motoren. Im Gesetzbuch steht ein Drehzahllimit von 14.000/min. Inzwischen gestehen wir den Piloten beim Zurückschalten sogar 14.500/min zu. 500/min zusätzlich, das sind eine Menge Umdrehungen! Wir zeigen uns also wirklich kulant. Denn 50 Prozent jener Runden, in denen ein Fahrer mehr als 14.500/min dreht, zählen wir nicht. Wir können beim besten Willen keine weiteren Zugeständnisse mehr machen, wenn wir die Zuverlässigkeit der Motoren nicht gefährden wollen.»

Morris: «Wir haben zehn Rennen lang zugeschaut und den Fahrern deutlich gemacht, dass das ewige Überdrehen ein Ende haben muss. Doch im August kam ein Punkt, als wir sagen mussten: ‚Genug ist genug.‘ Es stimmt zwar, dass die Zusatzkosten nicht an Triumph bezahlt werden, sondern an ExternPro. Aber wir erwirtschaften damit keinen Zusatzgewinn. Wir verrechnen nur die Arbeitszeit, das Material, die Stunden auf dem Prüfstand, den Strom, den Treibstoff und die ganzen Unannehmlichkeiten, die deswegen bei uns anfallen.»

Die zusätzlichen 500/min werden übrigens nur beim Runterschalten erlaubt, nicht auf den Geraden, es gibt also deswegen keine zusätzliche Power.

Jorge Navarro beschädigte seinen Motor in Spielberg, er bekam deshalb in Silverstone außerplanmäßig ein frisches Aggregat. Und es wurde eine Strafe fällig. Sorry: Eine Unkostenbeteiligung.

«Navarro hat danach eingesehen, dass sich das Motorrad viel besser fahren lässt, wenn man den Motor nicht überdreht», versichert Techniker Trevor Morris. «Wenn du den Motor beim Runterschalten überdrehst, bekommst du beim Bremsen keine Hilfe mehr vom Hinterrad. Darunter leidet die Rundenzeit. Das versuchen wir den Fahren klarzumachen. Außerdem schonst du den Motor, wenn du dich an unsere Vorschriften hältst. Denn der Motor ist nicht dafür gebaut worden, dass mit 15.000/min zurückgeschaltet und gleichzeitig das Gas nicht zugedreht wird.»

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