Valentino Rossi: Warum sollte er jetzt aufhören?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Valentino Rossi: Die mageren Jahre liegen hinter ihm

Valentino Rossi: Die mageren Jahre liegen hinter ihm

Nach dem sauberen fünften Platz beim Sepang-Test deutet alles darauf hin, dass MotoGP-Superstar Valentino Rossi (Yamaha) 2021 weiterfährt.

Die MotoGP-Gemeinde wartet gespannt auf die Entscheidung von Valentino Rossi. Der Italiener wird am 16. Februar 41 Jahre alt. Bis zum Sommer will er entscheiden, ob er seine Karriere um ein Jahr verlängert oder nicht. Die Leidenschaft ist immer noch vorhanden, auch die Risikobereitschaft für eine schnelle Runde, die Popularität hat nicht gelitten, obwohl der Yamaha-Star seit dem 25. Juni 2017 in Assen keinen Grand Prix gewonnen hat. Es ist die längste Durststrecke in Rossis GP-Karriere, die sich inzwischen über unfassbare 402 GP erstreckt. Valentino hat in Shah Alam/Malaysia 1996 in der WM debütiert, auf einer Aprilia 125.

Keiner kann jetzt in den Kopf von Rossi hineinschauen. Er sagt, er wisse nicht, ob er weitermachen will oder soll, er möchte sich das reiflich überlegen.

Eventuell müsste er beim Yamaha-Werksteam seine Technik-Crew für Fabio Quartararo hinterlassen, mit der er seit dem Jahr 2000 zusammenarbeitet. Sie besteht aus Italienern, einem Belgier, Neuseeländern und Australiern, die Gruppe hat schon Mick Doohan zu fünf WM-Titeln getragen, auch wenn sie in den letzten Jahren umgebaut und erweitert wurde. Nach Jeremy Burgess und Silvano Galbusera hat Rossi jetzt in der 21. MotoGP-Saison mit David Munoz den dritten Crew-Chief.

Nach dem fünften Platz beim Sepang-Test ist offenkundig, dass Valentino Rossi immer noch genug Speed hat. Und die Yamaha ist schlagkräftiger geworden, in allen Bereichen.

Doch der 115-fache GP-Sieger verrät momentan nicht, welche Ergebnisse in der ersten Saisonhälfte ihn zum Weitermachen ermuntern würden.

Aber wir erinnern uns an seine Aussagen vom Vorjahr: «Solange ich Motivation und Leidenschaft spüre und solange ich um Podestplätze und Siege fighten kann, fahre ich weiter.»

Papa Graziano, selbst dreifacher 250-ccm-GP-Sieger (auf der Maschine des in dieser Woche verstorbenen Giancarlo Morbidelli), hat seine eigene Vorstellung von den Plänen des Juniors. «Valentino fährt weiter, bis er 46 ist.»

Klar, Rossi stand seit 2017 bei Yamaha teilweise im Schatten von Zarco, Folger, in der zweiten Saisonhälfte 2019 auch von Viñales, der schon 2018 in Australien siegte, während Rossi damals in Sepang und Valencia wegen Stürzen an Siegen scheiterte, und in Texas 2019 schnappte ihm Alex Rins den Sieg weg.

Kein Wunder, wenn Rossi 2019 manchmal mürrisch wirkte, er wollte nicht zum 100. Male erklären, warum die andern Yamaha-Fahrer schneller sind. Er wusste es meistens selber nicht.

Fakt ist: Die Yamaha-Truppe hat unter dem grimmigen japanischen Projektleiter Kouichi Tsuji jahrelang kein Sieger-Motorrad zustande gebracht. Als die Misere losging und dauernd die Hinterreifen zu stark verheizt wurden, wurden im Wochen-Ryhthmus neue Chassis an die Strecke gebracht, jahrelang gab es in Europa kein Testteam, Rossi schimpfte über die zu langsamen Japaner Nakasuga und Nozane, die heute noch 3 bis 4 sec auf die Bestzeit verlieren.

Aber die neuen Chassis brachten keine Besserung, und vor zwei Jahren identifizierte Rossi beim Malaysia-Test im Februar endlich die Einheits-Elektronik von Magneti Marelli als Fehlerquelle. Honda und Ducati hatten diese Motorsteuerung mit den besten Techniklern überlistet, Yamaha hatte diesem System 2016 und 2017 zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Im vergangenen Jahr wurden bei Yamaha Tsuji und sein trauriger Adjutant Kouji Tsuya ihrer Ämter enthoben. Der Tiefpunkt war beim Spielberg-GP 2018 erreicht: Dort entschuldigte sich Tsuya mit weinerlicher Stimme vor den Medien für die miserable Performance der Yamaha YZR-M1.

Ein Trauerspiel sondergleichen für jenen japanischen Giganten, der über alle Klassen hinweg längst 500 GP-Siege erobert hat.

Frischer Wind seit Brünn 2019

Seit Brünn 2019 mischt das Yamaha-Werksteam vorne mit. Wir haben seither sogar schon Trainings-Ergebnislisten gesehen, bei denen vier Yamaha-Fahrer in den Top-5 gelandet waren.

Mit Hiroshi Ito, General Manager der Motorsports Developments Division, und Takahiro Sumi, MotoGP Group Leader, sind zwei moderne junge Manager ans MotoGP-Ruder gekommen, die sich von ihtren Vorgängern wohltuend unterscheiden.

Valentino Rossi hätte jedenfalls nach der Saison 2018 mehr triftige Gründe zum Aufhören gehabt als jetzt.

Den idealen Zeitpunkt für den Rücktritt hat er ohnehin verpasst. Den All-time-Rekord mit 122 GP-Siegen von Giacomo Agostini wird er voraussichtlich auch nicht mehr erreichen.

Aber Valentino hat Stars und Gegner wie Biaggi, Gibernau, Lorenzo, Stoner und Pedrosa überdauert. 2015 hat er sogar Marc Márquez in der WM hinter sich gelassen.

Er hat Rennen mit 125 ccm, 250 ccm, 500 ccm, 990 ccm, 800 ccm und 1000 ccm gewonnen, mit Viertakten und Zweitaktern, auf Dunlop, Michelin und Bridgestone, auf Aprilia, Honda und Yamaha. Er war in all den Jahren nie länger als vier Wochen außer Gefecht.

Die 115 GP-Siege und neun WM-Titel nimmt ihm keiner mehr.
Alles was jetzt noch kommt, ist ein Bonus.

Im Automobilrennsport wird Vale nie jene Erfüllung finden, die er auf zwei Rädern genießt.

Rossi wurde fürs Motorradfahren geboren. Und er sagte in Malaysia klipp und klar: «Der Plan ist, dass ich weiterfahre.»

Deshalb vermute ich stark, dass «The Doctor» auch 2021 in der MotoGP-WM um die Wette fahren wird. Und wenn’s im Petronas-Yamaha-Kundenteam ist.

Yamaha hat ihm längst Werksmaterial und einen Werksvertrag garantiert. Auch alle andern Partner wie Dainese und AGV Helmets machen dem Superstar eine weitere Saison schmackhaft.

Forza Valentino.

MotoGP-IRTA-Test Sepang, Sonntag, 9. Februar:

1. Fabio Quartararo, Yamaha, 1:58,349 min
2.
Cal Crutchlow, Honda, 1:58,431 min, + 0,082 sec
3. Alex Rins, Suzuki, 1:58,450, + 0,101
4. Francesco Bagnaia, Ducati, 1:58,502, + 0,153
5. Valentino Rossi, Yamaha, 1:58,541, + 0,192
6. Danilo Petrucci, Ducati, 1:58,606, + 0,257
7. Pol Espargaró, KTM, 1:58,610, + 0,261
8. Jack Miller, Ducati, 1:58,616, + 0,267
9. Aleix Espargaró, Aprilia, 1:58,694, + 0,345
10. Joan Mir, Suzuki, 1:58,736, + 0,387
11. Miguel Oliveira, KTM, 1:58,764, + 0,415
12. Marc Márquez, Honda, 1:58,772, + 0,423
13. Franco Morbidelli, Yamaha, 1:58,838, + 0,489
14. Andrea Dovizioso, Ducati, 1:58,859, + 0,510
15. Johann Zarco, Ducati, 1:58,951, + 0,602
16. Alex Márquez, Honda, 1:59,042, + 0,693
17. Brad Binder, KTM, 1:59,104, + 0,755
18. Maverick Viñales, Yamaha, 1:59,169, + 0,820
19. Tito Rabat, Ducati, 1:59,549, + 1,200
20. Jorge Lorenzo, Yamaha, 1:59,697, + 1,348
21. Bradley Smith, Aprilia, 1:59,841, + 1,492
22. Takaaki Nakagami, Honda, 1:59,860, + 1,511
23.
Iker Lecuona, KTM, 1:59,898, + 1,549
24. Sylvain Guintoli, Suzuki, 2:00,100, + 1,751
25. Mika Kallio, KTM, 2:00,148, + 1,799

MotoGP-IRTA-Test Sepang, kombinierte Zeitenliste:

1. Fabio Quartararo, Yamaha, 1:58,349 min
2. Cal Crutchlow, Honda, 1:58,431 min, + 0,082 sec
3. Alex Rins, Suzuki, 1:58,450, + 0,101
4. Francesco Bagnaia, Ducati, 1:58,502, + 0,153
5. Valentino Rossi, Yamaha, 1:58,541, + 0,192
6. Danilo Petrucci, Ducati, 1:58,606, + 0,257
7. Pol Espargaró, KTM, 1:58,610, + 0,261
8. Jack Miller, Ducati, 1:58,616, + 0,267
9. Dani Pedrosa, KTM, 1:58,662, + 0,313
10. Aleix Espargaró, Aprilia, 1:58,694, + 0,345
11. Joan Mir, Suzuki, 1:58,731, + 0,382
12. Miguel Oliveira, KTM, 1:58,764, + 0,415
13. Marc Márquez, Honda, 1:58,772, + 0,423
14. Franco Morbidelli, Yamaha, 1:58,831, + 0,482
15. Andrea Dovizioso, Ducati, 1:58,859, + 0,510
16. Maverick Viñales, Yamaha, 1:58,893, + 0,544
17. Johann Zarco, Ducati, 1:58,951, + 0,602
18. Alex Márquez, Honda, 1:59,042, + 0,693
19. Brad Binder, KTM, 1:59,104, + 0,755
20. Tito Rabat, Ducati, 1:59,549, + 1,200
21. Jorge Lorenzo, Yamaha, 1:59,697, + 1,348
22. Bradley Smith, Aprilia, 1:59,841, + 1,492
23. Takaaki Nakagami, Honda, 1:59,860, + 1,511
24. Iker Lecuona, KTM, 1:59,898, + 1,549
25. Sylvain Guintoli, Suzuki, 2:00,100, + 1,751
26. Mika Kallio, KTM, 2:00,148, + 1,799
27. Lorenzo Savadori, Aprilia, 2:03,150, + 4,801
28. Takuya Tsuda, Suzuki, 2:03,674, + 5,325

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