Exklusiv: Yamaha will Ventile der M1-Motoren tauschen

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Yamaha hat Kummer mit den schadhaften Ventilen

Yamaha hat Kummer mit den schadhaften Ventilen

Yamaha hat den MotoGP Technical-Director Danny Aldridge gefragt, ob sie an den 2020-MotoGP-Motoren die fehlerhaften Ventile tauschen dürfen. Die gegnerischen Werke stimmen bisher nicht zu. Denn Yamaha dominiert die WM.

Bisher hat niemand in Erfahrung bringen können, welches «Motorteil» Yamaha bei den bisher noch in der Allocation befindlichen YZR-M1-Motoren tauschen will – aus Sicherheitsgründen. SPEEDWEEK.com hat jetzt aus erstklassiger und verlässlicher Quelle erfahren: Es handelt sich um eine Lieferung schadhafter Ventile für den 1000-ccm-Reihenvierzylinder-Motor, die offenbar nach Diagnose der Yamaha-Ingenieure die Motorschäden von Rossi, Viñales und Morbidelli bei den zwei Jerez-GP ausgelöst haben.

Aber mehr als die Häfte der 2020-Motoren von Yamaha sind mit standfesten Ventilen ausgerüstet, diese sind jetzt in Verwendung. Die zur Seite gelegten (aber nicht defekten) Motoren müssen jetzt geöffnet werden, um dort die schadhaften Ventile ersetzen zu können.

In der Motorcycle Sports Manufacturers Association (MSMA) muss Yamaha jetzt nachweisen, dass es sich bei den neuen Ventilen, gegen die die fehlerhaften getauscht werden sollen, um kein Teil zur Leistungssteigerung handelt.

Eine heikle Diskussion. Denn offenbar hat Yamaha zumindest bei den 2020-Werkspiloten Rossi, Viñales und Quartararo seit Brünn die Höchstdrehzahl reduziert und dadurch eine Leistungsminderung in Kauf genommen.

Viñales landete im Rennen in Brünn nur auf Platz 14. Vorher steuerte er die M1 in Jerez zweimal auf Platz 2.

Franco Morbidelli glänzte in Brünn im Rennen als einziger Yamaha-Fahrer – er landete auf Platz 2. Er fährt im Petronas-Kundenteam eine «spec-A»-Maschine, ihr Motor basiert auf dem Stand der Werksmaschinen vom Valencia-GP 2019. Dort könnten noch andere Ventile eingebaut gewesen sein. Oder Franco hatte einfach Glück – und bei den restlichen Motoren keine Ventile aus der fehlerhaften Lieferung erwischt.

Yamaha suchte und fand für 2020 mehr Leistung, das ist kein  Geheimnis.

Die MSMA-Mitglieder von Ducati über Honda bis zu KTM wollen Zeit gewinnen und versichern, Yamaha müsse mehr Transparenz gewährleisten. Handelt es sich wirklich um einen Materialfehler? Das soll bei einer weiteren MSMA-Sitzung nach dem Wochenende erörtert werden.

Oder hat Yamaha bei der «2020 engine spezification» einfach zu «scharfe Ventile» homologieren lassen, die der Belastung eines Grand Prix nicht standhalten?

Immerhin liegen in der WM momentan drei Yamaha-Fahrer an erster Stelle. Die schadhaften Ventile hat entweder Yamaha selbst erzeugt oder ein namhafter Zulieferer.

Die MSMA-Vertreter der gegnerischen Werke sind sich einig, dass man Yamaha nicht ewig zappeln lassen werde. Aber es sieht so aus, als würde erst nach dem zweiten Spielberg-GP eine Entscheidung fallen. Würden Honda, Ducati, KTM und Co. stur bleiben, würde Yamaha erstens dauerhaft an Konkurrenzfähigkeit verlieren und zweitens mit den maximal erlaubten fünf Motoren pro Fahrer nicht durch die Saison kommen. Diesen Imageverlust will diesem renommierten Player niemand zumuten.

Sobald ein zusätzlicher (6. oder 7.) Motor eingesetzt wird, muss der betreffende Fahrer entweder fünf Sekunden nach dem Grünlicht aus der Boxengasse starten. Oder vom Startplatz, aber dann wird ein «ride through penalty» fällig.

Ergebnis Brünn-GP, MotoGP, 9. August:

1. Binder, KTM, 41:38,764 min
2. Morbidelli, Yamaha, + 5,266 sec
3. Zarco, Ducati, + 6,470
4. Rins, Suzuki, + 6,609
5. Rossi, Yamaha, + 7,517
6. Oliveira, KTM, + 7,969
7. Quartararo, Yamaha, + 11,827
8. Nakagami, Honda, + 12,862
9. Miller, Ducati, + 15,013
10. Aleix Espargaró, Aprilia, + 15,087
11. Dovizioso, Ducati, + 16,455
12. Petrucci, Ducati, + 18,506
13. Crutchlow, Honda, + 18,736
14. Viñales, Yamaha, + 19,720
15. Alex Márquez, Honda, + 24,597
16. Rabat, Ducati, + 29,004
17. Smith, Aprilia, + 32,290
18.
Bradl, Honda, + 55,977

WM-Stand nach 3 von 14 Rennen:

1.Quartararo, 59 Punkte. 2. Viñales 42. 3. Morbidelli 31. 4. Dovizioso 31. 5. Binder 28. 6. Zarco 28. 7. Rossi 27. 8. Nakagami 27. 9. Miller 20. 10. Rins 19. 11. Pol Espargaró 19. 12. Oliveira 18. 13. Alex Márquez 13. 14. Mir 11. 15. Petrucci 11. 16. Bagnaia 9. 17. Rabat 7. 18. Aleix Espargaró 6. 19. Crutchlow 6. 20. Smith 5.

Konstrukteurs-WM nach 3 von 14 Rennen:

1. Yamaha 70. 2. KTM 44. 3. Ducati 42. 4. Honda 27. 5. Suzuki 24. 6. Aprilia 11.

Ergebnis Spielberg, MotoGP, kombinierte Zeitenliste, 14.8.

1. Pol Espargaró, KTM, 1:24,193 min
2. Dovizioso, Ducati, + 0,044 sec
3. Nakagami, Honda, + 0,185
4. Rins, Suzuki, + 0,380
5. Morbidelli, Yamaha, + 0,395
6. Zarco, Ducati, + 0,462
7. Oliveira, KTM, + 0,525
8. Miller, Ducati, + 0,531
9. Mir, Suzuki, + 0,550
10. Quartararo, Yamaha, + 0,560
11. Viñales, Yamaha, + 0,586
12. Petrucci, Ducati, + 0,644
13. Rossi, Yamaha, + 0,686
14. Crutchlow, Honda, + 0,751
15. Lecuona, KTM, + 0,798
16. Binder, KTM, + 0,812
17. Pirro, Ducati, + 0,959
18. Aleix Espargaró, Aprilia, + 0,972
19. Alex Márquez, Honda, + 1,056
20. Smith, Aprilia, + 1,104
21. Bradl, Honda, +1,178
22.
Rabat, Ducati, + 1,536

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