Luca Marini: Avintia-Ducati-Deal ist so gut wie fix

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Luca Marini

Luca Marini

In wenigen Tagen soll Moto2-WM-Leader Luca Marini als neuer Fahrer von Esponsorama Avintia präsentiert werden. Rossis VR46-Team könnte den Rennstall für 2022 ganz übernehmen.

Nicht nur Valentino Rossi und Sky-VR46-Teammanager Pablo Nieto sind überzeugt, dass der 184 Zentimeter große und 23 Jahre alte Moto2-WM-Leader Luca Marini 2021 in die MotoGP-Weltmeisterschaft gehört. Auch Ducati ist sich bewusst, dass der Bruder des Superstars weltweite mediale Aufmerksamkeit garantiert und sicher eine bessere Perspektive ist Tito Rabat ist. Und Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta hat schon genug spanische Fahrer in der Königsklasse. Außerdem will er die betagten Bezahlfahrer loswerden; Karel Abraham musste vor einem Jahr seinen Platz bei Avintia räumen.

Aber inzwischen deutet alles darauf hin, dass die vor drei Wochen von SPEEDWEEK.com exklusiv berichtete Neuigkeit bezüglich des Transfers von Marini zu Esponsorama Avintia-Ducati Tatsache werden wird. Der Deal soll spätestens in einer Woche beim Aragón-GP verlautbart werden. Bis dahin soll Rabat ein Umstieg in die Superbike-WM (eventuell bei Barni-Ducati) schmackhaft gemacht werden – obwohl er einen Vertrag bei Avintia für 2021 hat und vor einem Jahr noch davon träumte, 2021 endlich eine Werks-Ducati des neuesten Jahrgangs fahren zu dürfen.

Esponsorama-Sportdirektor Ruben Xaus schloss den Deal mit Marini schon vor zwei Wochen nicht aus. Er machte aber auch darauf aufmerksam, dass Rabat Geld mitbringt. Er fordert also, dass auch Rossi, SKY oder Ducati für Marini einen Teil des Budgets übernimmt.

Unter Geheimhaltung wurde zwischen Rossi und Pablo Nieto auch darüber diskutiert, ob das Rossi-VR46-Team Anteile am Esponsorama-Team von Raúl Romero übernehmen kann. Nieto stellte diese Absicht heute beim GP de France nicht in Abrede.

Avintia-Ducati: Mit Xaus gesteigert

«Als ich vor zwei Jahren zu Avintia gekommen bin, um Raúl Romero zu unterstützen, habe ich viele Dinge gesehen, die mir nicht gefallen haben», sagt Sportdirektor Ruben Xaus, der 2019 auch den Zarco-Deal einfädelte. «Ich habe Raúl gesagt: 'Wenn du meine Hilfe willst, musst du in der Box rigoros durchgreifen, um eine bessere Situation zu gewährleisten.' Wir haben seither viele Dinge verändert und das Team verstärkt, aber wir haben immer noch kein wirklich großes Budget. Deshalb ist es Zeit, die Hände davon zu lassen und die Schlüssel jemand anderem zu übergeben.»

Vor drei Wochen hatte Xaus bereits betont: «Alles steht zum Verkauf, wenn der Preis stimmt. Sogar ich.»

Rossi könnte also die beiden Avintia-Plätze irgendwann ganz übernehmen und dann dort künftig seine Talent aus der Riders Academy platzieren. Der Vertrag mit Ducati läuft noch ein Jahr, nachher könnte er sich einen neuen Partner suchen. In der Moto3 arbeitet Rossi zum Beispiel mit KTM zusammen.

Xaus ergänzt: «Raúl Romero hat erkannt, dass die anderen Kundenteams besser finanziert sind und hat die zwei Teamplätze der Dorna angeboten. Und es sieht so aus, als habe sich ein Interessent gemeldet. Es könnte ein Investor einsteigen, diese Möglichkeit besteht. Wir prüfen jetzt, um wen es sich handelt und wann das stattfinden soll. Klar, es besteht großer Druck. Und wir wollen die beste Lösung suchen.»

Tatsache ist: Der Vertrag von Avintia mit der Dorna läuft Ende 2021 aus. Dann könnte die Dorna die Plätze zurücknehmen – und sie einem neuen Interessenten geben. Auch Leopard Racing ist interessiert; das ist kein Geheimnis.

Aber es zeichnet sich ab: Ducati, Rossi und Dorna könnten Avintia für 2021 finanziell aus der Patsche helfen. Natürlich unter der Voraussetzung, dass neben Enea Bastianini dort im neuen Junior-Team auch Luca Marini mit einer GP19 fahren kann.

Danach werde in Ruhe über einen Deal für 2022 verhandelt, ist aus Dorna-Kreisen zu hören.

Romero könnte also jetzt durch ein Joint Venture für 2021 noch etwas Geld für sich herausschlagen. Er hat vor drei Jahren die Immobilienfirma Avintia als Hauptsponsor verloren; sie hat dann das Budget von 3 Millionen auf 600.000 Euro reduziert. Seither kämpft Romero ums Überleben. Seinem Landsmann Jorge Martinez ging es nicht anders, er übergab seine Plätze für 2019 an Petronas-Yamaha. Er ließ sich dafür mit einem gut dotierten Beratervertrag belohnen. Die beiden Marc VDS-Honda-Plätze fielen nach 2018 an die Dorna zurück. Sie sind vorläufig für 2022 für das Aprilia-Werk reserviert.

Pablo Nieto, Sky-VR46-Teammanager in den Klassen Moto3 und Moto2, macht sich Sorgen um Schützling Luca Marini, der am Freitag im Moto2-Training per Highsider heftig gestürzt ist. Der befürchtete Knöchelbruch links hat sich zum Glück nicht bestätigt. «Aber nach so einem Crash ist der nächste Tag meistens übel», meinte Pablo. «Der Freitag war kein guter Tag für uns. Aber wichtig ist, dass Luca keinen Knochenbruch erlitten hat.»

Pablo Nieto macht kein Geheimnis daraus, dass er Luca Marini (er liegt nach dem FP3 an neunter Stelle, und zwar 0,806 sec hinter dem Leader) 2021 gerne bei Esponsorama Ducati sehen möchte.

«Wir arbeiten daran. Das wäre wirklich wichtig für uns. Denn es ist die richtige Zeit für Luca, in die MotoGP zu gehen. Wir sprechen mit Ducati und Avintia, denn dort gibt es im Moment den letzten freien MotoGP-Platz. In den nächsten Tagen, spätestens beim Aragón-GP, wird alles entschieden und fixiert sein», sagt Pablo.

Was sagt Pablo zur erwarteten Übernahme des ganzen Teams? «Daran arbeiten wir. Wir reden im Moment über alles. Jedenfalls ist es unsere Priorität, dass wir Luca in die MotoGP-Klasse bringen», erzählte Nieto, dessen Vater Angel 90 GP-Siege und 13 WM-Titel errungen hat.

Moto2-WM-Stand nach 9 von 15 Rennen:

1. Marini, 150 Punkte. 2. Bastianini 130. 3. Bezzecchi 114. 4. Lowes 103. 5. Martin 79. 6. Nagashima 72. 7. Canet 61. 8. Vierge 59. 9. Lüthi 57. 10. Roberts 56. 11. Schrötter 54.

Konstrukteurs-WM:

1. Kalex 225 Punkte. 2. Speed-up 82. 3. MV Agusta 22. 4. NTS 9.

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