Jahrelang wurde die Austragung des GP von Tschechien von Dilettantismus geprägt. Kein Wunder, wenn Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta jetzt der Geduldsfaden gerissen ist.
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Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Deshalb gehört der Motorrad-GP von Tschechien in Brünn jetzt endgültig der Vergangenheit an. Und wer die Schuld für die endgültige Streichung dieses traditionellen Events der Dorna in die Schuhe schiebt, macht es sich zu leicht.
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Denn der WM-Promoter aus Spanien hat den Tschechen jahrelang finanzielle Extrawürste zugebilligt (wie nach 1998 auch dem Veranstalter des Sachsenring-GP). Aber als immer mehr neue Rennstrecken entstanden und deren Betreuer in aller Welt um MotoGP-Verträge bettelten, bestand in der Tschechischen Republik nie Vertragssicherheit, die Infrastruktur auf dem Automotodrom Brno verlotterte von Jahr zu Jahr mehr. Streckenbesitzer Karel Abraham senior behauptete immer wieder, er könne selbst bei 150.000 oder 200.000 Zuschauern am GP-Wochenende keinen Gewinn erwirtschaften. Also übernahm vor ca. sechs Jahren ein neu gegründetes Unternehmen mit der Bezeichnung "Spolek pro porádání Grand Prix" die Austragung des Grand Prix und das finanzielle Risiko. Die Teilhaber dieser Firma sind die Stadt Brünn, die Region Südmähren und die Landesregierung in Prag.
Jedes Jahr wurde unter den Aktionären gestritten, denn die wechselnden beteiligten Politiker gehörten unterschiedlichen Parteien an, es kam zu Alleingängen bei den Verhandlungen mit der Dorna, es wurden die GP-Gebühren nie pünktlich bezahlt, jedes Jahr wurde die Unsicherheit über die GP-Zukunft größer.
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Karel Abraham vermietete die Rennstrecke in den letzten Jahren jeweils eine Woche lang an Spolek, für einen Wucherpreis von 1,1 bis 1,3 Millionen Euro pro Event. In die Infrastruktur wie Stromversorgung, Boxenanlage, Start-Ziel-Gebäude, Media Centre, Toilettenanlagen wurde kaum etwas investiert, in die staubigen oder verschlammten Wiesenparkplätze für die Teams auch nicht.
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Zuletzt wollte sich Abraham sogar dem neuen Asphaltbelag (Kosten 1,1 Millionen Euro) offenbar von der öffentlichen Hand finanzieren lassen.
Also zog Spolek einen Strich, der Fünf-Jahres-Vertrag wurde nicht verlängert. 2021 wird kein Brünn-GP stattfinden, auch wenn die Streckenführung unbestritten attraktiv ist und dieser Event seit 1987 ein Fixpunkt im Kalender war. Dieses traurige Szenario hat sich über all die Jahre hinweg abgezeichnet. Die Tschechen bezahlen jetzt für ihre jahrelangen Versäumnisse. Sie vertrauten auf die Tradition und erkannten die Zeichen der Zeit nicht.
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Denn sie bekamen mit Spielberg 2016 einen neuen attraktiven Mitbewerber, dazu kamen seit 2010 in Aragón, Las Termas, Texas, Buriram, KymiRing und Portimão neue Grand Prix auf modernen Rennstrecken ins Programm. Andere Interessenten wie Mandalika (Indonesien), Igora Drive (St. Petersburg), Sokol Circuit (Kasachstan), Rio und so weiter stehen auf der Warteliste. Streckenbetreiber Karel Abraham hat seinen Event nie professionell vermarktet. Bei einem Interview im tschechischen Lokalfernsehern TV Nova stellte er sich als Opfer dar. Als Opfer der Politik, als Opfer der Medien. So kritisierte er die neuen Brünner Bürgermeisterin Vanková von der Partei ODS. Unter ihrem Vorgänger Vokral (ANO) wäre der GP-Vertrag verlängert worden, meint Abraham. Aufmerksam Beobachter hingegen meinen, weil Karel Abraham vor einem Jahr wegen Erfolglosigkeit aus dem Avintia-Team entfernt und durch Zarco ersetzt (Quali-Bestzeit in Brünn und Platz 3 im Rennen 2020), hat der Vater kein Interesse mehr am GP-Sport, ein Brünn-GP ist für ihn nicht mehr attraktiv und nicht mehr notwendig, um landesweit Reklame für den Junior zu machen.
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Auch die Journalisten bekamen ihr Fett weg. Denn sie haben böserweise jahrelang berichtet, dass der jeweilige Brünn-Promoter von der Dorna einen Sonderpreis bekommen habe, während in anderen europäischen Ländern viele höhere Gebühren bezahlt wurden. Deshalb habe die Dorna die Gebühr irgendwann auch für die Tschechen erhöht, meint Abraham. Die Preiserhöhung könnte aber auch mit der zusätzlichen globalen Konkurrenz zu tun haben. Wenn die Nachfrage steigt, steigen die Preise. Eigentlich müsste die Marktwirtschaft nach 30 Jahren auch in Tschechien allmählich angekommen sein.
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Der provisorische Kalender 2021: 28. März: Doha/Q* 11. April: Las Termas/AR 18. April: Austin/USA 02. Mai Jerez/E 16. Mai. Le Mans/F 30. Mai: Mugello/I 06. Juni: Barcelona/E 20. Juni: Sachsenring/D 27. Juni Assen/NL 11. Juli: KymiRing/F** Ohne Datum: kein Schauplatz 15. August: Red Bull Ring/A 29. August: Silverstone/GB 12. September: Aragón/E 19. September: Misano/I 03. Oktober: Motegi/J 10. Oktober: Buriram/TH 24. Oktober: Phillip Island/AUS 31. Oktober: Sepang/MAL 14. November: Valencia/E Ausweich-Strecken: Portimão (Portugal) Mandalika International Street Circuit (Indonesien) Igora Drive Circuit (Russland) *Nachtrennen **Homologation der Strecke steht noch aus *** bisher kein Vertrag unterzeichnet Die geplanten Pre-Season-Tests: MotoGP-Klasse Shakedown-Test in Sepang: 14. bis 16. Februar Sepang-Test: 19. bis 21. Februar Katar-Test: 10. bis 12. März Moto2- und Moto3-Klasse Jerez-Test: 16. bis 18. März
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