Mike Leitner (KTM): «Wir wollten schneller sein»

Von Günther Wiesinger
Das KTM Factory Team brachte beim Losail-Test in Doha keinen der vier Fahrer unter die Top-15. Race Manager Mike Leitner sucht nicht nach Ausreden, liefert aber interessante Erklärungen.

Die vier Piloten der beiden KTM-Factory Teams blieben beim IRTA-MotoGP-Test (6./7. März und 10./11. März) auf dem Losail International Circuit samt und sonders hinter den Erwartungen. Im Red Bull KTM Factory Team wird bekanntlich der bisherige Teamleader Pol Espargaró durch den Portugiesen Miguel Oliveira ersetzt; Brünn-Sieger und «Rookie of the Year» Brad Binder ist sein Teamkollege – wie schon in der Moto3- und Moto2-WM. Bei KTM Tech3 Factory Racing treten Danilo Petrucci (zuletzt sechs Jahre bei Ducati) und Iker Lecuona an.

Kein KTM-Pilot schaffte in der Gesamtwertung den Sprung in die Top 15. Oliveira, Binder, Petrucci und Lecuona landeten auf den Rängen 16, 17, 19 und 23. Das hört sich enttäuschend an, zumal KTM-Firmenchef Stefan Pierer und Vorstand Hubert Trunkenpolz 2021 mit ihren Piloten um den WM-Titel fighten wollen. Das hört sich nicht Illusion an, nachdem Pol Espargaró 2020 den dritten WM-Rang von Alex Rins nur um 4 und den zweiten von Franco Morbidelli um 23 Punkte verpasst hat.

Aber ein Blick auf die Ergebnisliste des Katar-Tests im Februar 2020 zeigt, dass KTM auch im Vorjahr in Losail nicht überragend abgeschlossen hat und dann in Europa auf allen Strecken konkurrenzfähig war. Binder fuhr damals auf Platz 9 (+ 0,425 sec).  Pol Espargaró verlor damals mit 1:54,623 auch 0,765 sec auf die Bestzeit von Maverick Viñales. Oliveira beendete den Test im Vorjahr auf Platz 9 mit 1,150 sec Rückstand, Lecuona als 20. mit einem Zeitverlust von 1,443 sec.

Mike Leitner, Race Manager von KTM Factory Racing, hat die Testfahrten aufmerksam überwacht. Im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com analysiert der ehemalige 125-ccm-GP-Pilot die Geschehnisse im Mittleren Osten. «Wir wollten schneller sein», räumt der Oberösterreicher ein.

Mike, nach den drei GP-Siegen, fünf dritten Plätzen und drei Pole-Positions im Vorjahr sind die Ansprüche gestiegen. Deshalb wird dich dieses Testergebnis nicht zufriedenstellen. Richtig?

Der Losail Circuit war für uns immer ein schwieriges Pflaster. Im Vorjahr haben wir dort 2020 beim Test auch nicht überragend abgeschnitten. Pol Espargaró hat damals zum Beispiel 1,1 Sekunden verloren. Aber das Rennen hat dann wegen Corona nicht stattgefunden.

Man kann unsere Performance momentan schwer einschätzen. Warum wir die Rundenzeit über eine einzelne Runde jetzt nicht zustande gebracht haben, darüber können wir lange diskutieren. Du musst bei so einem Test, der von 14 bis 21 Uhr dauert, genau den richtigen Moment für die Zeitenjagd erwischen. Man ist nicht immer im richtigen Augenblick auf der Piste, wenn die besten Verhältnisse herrschen, mit optimaler Streckentemperatur, Luftfeuchtigkeit und so weiter.

An den vier Testtagen hat jedes Team eine andere Strategie gehabt. Dem einem Team gingen die Topzeiten leichter von der Hand, dem anderen weniger leicht. Wir haben zur zweiten Abteilung gehört.

Miguel Oliveira, der immer recht ehrlich analysiert, hat festgestellt: Mit der KTM war es schwierig, die Reifen ordentlich auf Temperatur zu bringen. 2021 sind ja in Doha die Medium vom Vorjahr die weichsten Compounds. Diese neue Allocation haben einige Fahrer kritisiert.

Ja, an den ersten Tagen haben wir mit der Temperatur gekämpft. Das ist aber bis zum Schluss besser geworden.

Wenn man die Zeiten mit gebrauchten Reifen anschaut, waren wir nicht komplett weg von der Spitze.

Trotzdem wollen wir nichts schönreden. Wir waren mit diesem Test nicht zufrieden. Wir wollten ein wenig schneller sein.

Der Losail Circuit ist von der Streckenbeschaffenheit oft unberechenbar. Stefan Bradl sagte, Honda sei am ersten Wochenende konkurrenzfähiger gewesen als an den letzten zwei Tagen, weil sich der Grip verändert hatte.

Dass sich diese Strecke in der Wüste durch den Sand und den Wind konstant ändert, ist eine Tatsache.

Wenn dann ein Topfahrer zum richtigen Zeitpunkt den neuen Hinterreifen drin hat, kann er einiges herausholen im Vergleich zu Fahrern, die eine Stunde vorher oder nachher ihre «time attack» gemacht haben.

Ein richtiges GP-Training liefert ein unverfälschtes Bild. Denn dort ist jeder zur gleichen Zeit bei identischen Bedingungen auf der Piste, und zwar jeweils 45 Minuten lang, nicht während sieben Stunden.

Trotzdem gibt es nichts zu beschönigen. Wir haben in Doha Probleme. Jetzt werden wir sehen, ob wir für die beiden Grand Prix bessere Lösungen finden.

Wir haben auch ein umfangreiches Testprogramm abspulen müssen.

Da wir den Malaysia-Test im Februar verloren haben, sind wir beim Set-up noch nicht dort, wo wir sein müssen. Das gilt zwar für alle Hersteller. Aber einige sind halt jetzt schon besser aufgestellt gewesen als wir.

Trotzdem, Doha ist kein Pflaster, von dem wir jetzt sagen können: «Hurra, wir sind vorne dabei.»

Woran liegt das? Loail gilt als flüssige Piste, auf der die KTM-Fahrer die Bremsstabilität der Bikes nicht so gut ausspielen können wie auf anderen Pisten?

Ja, das spielt sicher mit. Wir haben schon letztes Jahr gesehen, wir haben auf gewissen Strecken noch Probleme, und das sind die flüssigen Strecken. Dazu gehören auch Catalunya und Aragón. Das sind Pisten, auf denen wir bisher immer unsere Probleme gehabt haben. In Aragón ist es aber 2020 beim zweiten Event besser gelaufen. Auf den anderen Rennstrecken waren wir letztes Jahr sehr gut dabei. Oft waren wir dann im zweiten Event auf den Flüssen Strecken auch konkurrenzfähig.

Es gab 2020 auch andere Hersteller wie Yamaha und Ducati, die von einer Woche zur anderen unterschiedliche Leistungen gebracht haben. Honda ist erst im Oktober wieder stark geworden. Nur Suzuki hatte meist ein schlagkräftiges Package.

Ja, das wäre ja die Absicht, dass man ein Motorrad baut, das überall funktioniert. Suzuki ist breit aufgestelt. Aber sie hatten auf gewissen Strecken auch ihre Probleme.

Drei von vier KTM-Piloten – Ausnahme Lecuona – haben neue Crew-Chiefs. Bringt das auch Anpassungsprobleme mit sich?

Ja, deshalb hat uns die Absage des Sepang-Tests besonders schlimm getroffen. Wir hätten in Malaysia die Basisarbeit erledigen können. Es dauert bei neuen Rennmaschinen immer zwei Tage, bis der Fahrer richtig oben sitzt und alles funktioniert.

Das Unangenehme in Doha ist: Du hast um 15 Uhr total andere Bedingungen wie um 20 Uhr. Man hat keine konstante Streckenbeschaffenheit, auf der man ein Set-up aufbauen kann. Das erschwert die Aufgabe beim Losail-Test erheblich.

Das soll keine Ausrede sien, denn diese Schwierigkeiten hatte jedes Team. Da müssen wir durch.

MotoGP-Test Katar, 10. bis 12. März, kombinierte Zeitenliste:

1. Jack Miller, Ducati, 1:53,183 min
2. Maverick Viñales, Yamaha, + 0,061 sec
3. Fabio Quartararo, Yamaha, + 0,080
4. Franco Morbidelli, Yamaha, + 0,140
5. Francesco Bagnaia, Ducati, + 0,261
6. Aleix Espargaró, Aprilia, + 0,457
7. Joan Mir, Suzuki, + 0,644
8. Alex Rins, Suzuki, + 0,677
9. Johann Zarco, Ducati, + 0,716
10. Pol Espargaró, Honda, + 0,716
11. Valentino Rossi, Yamaha, + 0,810
12. Takaaki Nakagami, Honda, + 1,079
13. Stefan Bradl, Honda, + 1,244
14. Jorge Martin, Ducati, + 1,300
15. Enea Bastianini, Ducati, + 1,322
16. Miguel Oliveira, KTM, + 1,343
17. Brad Binder, KTM, + 1,508
18. Alex Márquez, Honda, + 1,509
19. Danilo Petrucci, KTM, + 1,712
20. Cal Crutchlow, Yamaha, + 1,815
21. Luca Marini, Ducati, + 1,839
22. Yamaha Test2, + 1,897
23. Iker Lecuona, KTM, + 2,012
24. Dani Pedrosa, KTM, + 2,457
25. Sylvain Guintoli, Suzuki, + 2,459
26. Lorenzo Savadori, Aprilia, + 2,571
27. Yamaha Test3, + 2,648
28. Michele Pirro, Ducati, + 3,549
29. Takuya Tsuda, Suzuki, + 4,612

MotoGP-Test, Katar, kombinierte Zeitenliste 6./7. März

1. Fabio Quartararo, Yamaha, 1:53,940 min
2. Jack Miller, Ducati, + 0,077 sec
3. Aleix Espargaró, Aprilia, + 0,212
4. Franco Morbidelli, Yamaha, + 0,213
5. Stefan Bradl, Honda, + 0,270
6. Johann Zarco, Ducati, + 0,416
7. Maverick Vinales, Yamaha + 0,455
8. Joan Mir, Suzuki, + 0,575
9. Francesco Bagnaia, Ducati, + 0,711
10. Alex Rins, Suzuki, + 0,718
11. Miguel Oliveira, KTM, + 0,726
12. Pol Espargaró, Honda, + 0,733
13. Takaaki Nakagami, Honda, + 0,750
14. Alex Márquez, Honda, + 1,012
15. Test 1, Yamaha, + 1,366
16. Enea Bastianini, Ducati, + 1,546
17. Brad Binder, KTM, + 1,595
18. Lorenzo Savadori, Aprilia, + 1,630
19. Valentino Rossi, Yamaha, + 1,644
20. Luca Marini, Ducati, + 1,665
21. Jorge Martin, Ducati, + 1,692
22. Danilo Petrucci, KTM, + 1,855
23. Test 2, Yamaha, + 1,867
24. Iker Lecuona, KTM, + 1,933
25. Dani Pedrosa, KTM, + 2,512
26. Sylvain Guintoli, Suzuki, + 2,822
27. Michele Pirro, + 3,955
28. Test 3, Yamaha, + 4,756
29. Takuya Tsuda, + 4,970

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