Fabio Quartararo: «Einer der schönsten Augenblicke»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Fabio Quartararo begann die Saison 2020 mit zwei Siegen, fiel aber dann auf den 8. WM-Rang zurück. Deshalb übermannten ihn nach dem Sieg am Sonntag die Emotionen. Und er genoss das Absingen der Hymne mit Landsmann Zarco.

Die Ducati-Übermacht, die beim ersten Katar-GP teilweise vier Fahrer an der Spitze des Feldes hatte und beim Doha-GP gestern vier Fahrer in den ersten drei Startreihen stehen hatte, hat den dritten Katar-Sieg nach 2018 und 2019 (mit Dovizioso) nicht geschafft. Vor acht Tagen siegte Maverick Viñales wie schon 2017 in seinem ersten Rennen bei Yamaha nach zwei Suzuki-Jahren.

Ducati jubelte zwar am 28. März auf dem Losail Circuit über die Plätze 2 und 3 durch Zarco und Miller und gestern über Rang 2 von Zarco und Platz 3 von Jorge Martin. Außerdem reiste Johann Zarco als WM-Spitzenreiter nach Europa zurück. Aber der erhoffte erste GP-Sieg für Pramac gelang wieder nicht. Und das Werksfahrer-Duo Pecco Bagnaia und Jack Miller musste sich am Sonntag dem Pramac-Kundenteam geschlagen geben.

Der Losail Circuit bleibt seinen 16 Kurven trotz der 1068 Meter langen Zielgeraden ein gutes Pflaster für Yamaha.

Yamaha hat in Doha schon 2005 und 2006 mit Valentino Rossi gewonnen, dann 2010, 2012 und 2013 jeweils mit Jorge Lorenzo, später 2015 noch einmal mit Rossi, 2016 mit Lorenzo und 2017 mit Viñales. 2020 fiel das Rennen der Corona-Pandemie zum Opfer, jetzt kassierte Yamaha die Katar-Siege Nummer 9 und 10 ein.
Quartararo selbst, der auch in Runde 5 nur Neunter war, stimmt durchaus zu: «Ich habe ja noch nicht so viel gewonnen. Es war sicher ein besonderer Sieg. Ich bin schließlich von Platz 8 oder 9 nach vorne gekommen.»

«El Diablo» Quartararo wollte nach dem enttäuschenden fünften Platz im ersten Losail-Rennen vom 28. März diesmal unbedingt seine Chance nutzen. Er schildert die Schlussphase: «Ich habe Maverick vor mir gesehen und habe mir gedacht: 'Jetzt ist der Moment gekommen! Diese Woche bin ich an der Reihe!'»

Fabio schilderte, er habe dann die Motorleistung hochgeschraubt. «Und dann bin ich aufs Ganze gegangen.»

«Ich habe den perfekten Moment für den Angriff gewählt. Ich habe mich ausgezeichnet gefühlt. So konnte ich Johann überholen und wenig später auch Jorge Martin schnappen.»

In den letzten vier, fünf Runden fuhr der Monster-Yamaha-Werksfahrer konstant 1:55,1 min. Das war das einzige Rezept, um die Ducati-Torpedos auf den Geraden in Zaum zu halten.

Weil Petrucci im Nahkampf gegen Nakagami ein Winglet verlor, kam Quartararo in Bedrängnis. «Ich wollte sehr sorgfältig schalten, um möglichst wenig Wheelie zu haben. Aber mein Bike wollte nach links biegen. Dort lagen Karbonteile auf der Strecke, denen ich nicht ausweichen konnte. Ich hatte fürchterliche Angst vor einem Plattfuß. ‚Bitte nicht jetzt einen Platten', habe ich gefleht. Ich habe nur den schlimmen Lärm bei Überfahren der Teile gehört. Ich bin dann in der letzten Runde sogar 1:53,1 min gefahren. Aber für mich hat sich das nicht so schnell angefühlt. Ich habe vor der Zielkurve sogar recht sorgfältig und sanft gebremst, ich habe viel früher gebremst als üblich. Rechts habe ich auf den großen TV-Bildschirm geschaut und mich gefragt, ob mich die Ducati beim Beschleunigen bis zum Zielstrich noch einmal übertrumpfen würden. E war großartig, als ich dann an erster Stelle die kariere Flagge passiert habe.»

Zum ersten Mal seit dem Frankreich-GP in Reims 1954, als Pierre Monneret (Gilera) siegte und Jacques Collot (Norton) nach 249 km und 30 Runden mit zwei Runden Rückstand Platz 3 belegte, standen am Sonntag mit Quartararo und Zarco zwei Franzosen in der Königsklasse auf dem Podest.

Der 21-jährige Sieger hörte zuerst, das sei 1994 gewesen und betonte, damals ei er noch nicht auf der Welt gewesen. Johann Zarco klärte ihn dann über die richtige Jahreszahl auf. Erst da wurde dem letztjährigen WM-Achten (mit drei Saisonsiegen) bewusst, dass er für einen historischen Moment gesorgt hatte.

«Ich wurde von Emotionen übermannt, und als ich hörte, wie Johann auf dem Podest die französische Hymne mitsang, war das ein einmaliges Erlebnis. Er ist ein guter Sänger, er ist sehr musikalisch, er spielt ja auch Klavier. Er kann damit vielleicht seinen Lebensunterhalt bestreiten, wenn er älter wird. Ich möchte Johann ehrlich gratulieren. Denn er hat in den letzten Jahren ein paar harte Rückschläge einstecken müssen. Dass wir zwei Freunde gemeinsam die Nationalhymne singen durften, war einer der schönsten Augenblicke, die ich je erlebt habe.»

Ergebnisse MotoGP-Rennen Katar, 4. April 2021:

1. Fabio Quartararo, Yamaha, 42:23,997 min
2. Johann Zarco, Ducati, +1,457 sec
3. Jorge Martin, Ducati, +1,500
4. Alex Rins, Suzuki, +2,088
5. Maverick Vinales, Yamaha, +2,110
6. Pecco Bagnaia, Ducati, +2,642
7. Joan Mir, Suzuki, +4,868
8. Brad Binder, KTM, +4,979
9. Jack Miller, Ducati, +5,365
10. Aleix Espargaró, Aprilia, +5,382
11. Enea Bastianini, Ducati, +5,550
12. Franco Morbidelli, Yamaha, +5,787
13. Pol Espargaró, Honda, +6,063
14. Stefan Bradl, Honda, +6,453
15. Miguel Oliveira, KTM, +8,928
16. Valentino Rossi, Yamaha, +14,246
17. Takaaki Nakagami, Honda, +16,241
18. Luca Marini, Ducati, +16,472
19. Danilo Petrucci, KTM, +16,779
20. Lorenzo Savadori, Aprilia, +38,775
– Alex Márquez, Honda, 10 Runden zurück
– Iker Lecuona, KTM, 10 Runden zurück

Stand Fahrer-WM nach 2 von 19 Rennen:

1. Zarco, 40 Punkte. 2. Quartararo 36. 3. Vinales 36. 4. Bagnaia 26. 5. Rins 23. 6. Mir 22. 7. Martin 17. 8. Aleix Espargaró 15. 9. Miller 14. 10. Pol Espargaró 11. 11. Bastianini 11. 12. Binder 10. 13. Bradl 7. 14. Rossi 4. 15. Morbidelli 4. 16. Oliveira 4. 17. Marini 0. 18. Lecuona 0. 19. Nakagami 0. 20. Savadori 0. 21. Petrucci 0.

Stand Marken-WM:

1. Yamaha, 50 Punkte. 2. Ducati 40. 3. Suzuki 26. 4. Aprilia 15. 5. KTM 11. 6. Honda 11.

Stand Team-WM:

1. Monster Energy Yamaha, 72 Punkte. 2. Pramac Ducati 57. 3. Suzuki Ecstar 45. 4. Ducati Lenovo 40. 5. Repsol Honda 18. 6. Aprilia Gresini 15. 7. Red Bull KTM 14. 8. Esponsorama Ducati 11. 9. Petronas Yamaha SRT 8.

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