Fabio Quartararo: «In der MotoGP anfangs überfordert»

Von Günther Wiesinger
«In der Moto3 konnte ich nicht einmal einen Grand Prix gewinnen, in der Moto2 war der Titel weit weg», sagte Fabio Quartararo. «Also blieb mir nur die MotoGP, wenn ich Weltmeister werden wollte.»

Fabio Quartararo betonte nach seinem Titelgewinn am Sonntag mehrmals, wie wichtig ihm die Anwesenheit seiner Familie mit Mutter Martine und Vater Etienne war. Denn die Familie ist den ganzen langen Weg bis zur Weltspitze mitmarschiert, durch Höhen und Tiefen. Mit 14 und 15 Jahren hat «Fabio Fantastique» oder «Fabio Fantastic» zwar 2013 und 2014 die Internationale Spanische CEV-Repsol-Moto3-Meisterschaft auf Honda gewonnen, aber in der Moto3- und auch Moto2-WM ließen die Ergebnisse meist zu wünschen übrig.

«Nach den zwei Titelgewinnen in der CEV war natürlich das nächste Ziel, die Moto3-WM zu gewinnen», erzählte der am 20. April 1999 in Nizza geborene Yamaha-Werksfahrer. «Aber mir ist 2015 und 2016 nicht einmal ein GP-Sieg gelungen. Dann bin ich in die Moto2 aufgestiegen. In dieser Klasse wollte ich mein Selbstvertrauen zurückgewinnen. Im ersten Jahr hat das nicht geklappt, im zweiten hat es besser funktioniert. Ich habe auf der Speed Up zwei WM-Läufe gewonnen. Einen Sieg hat man mir aberkannt, aber für mich bleibt das ein Sieg. Ich habe 2018 nicht mit einem Wechsel in die MotoGP gerechnet. In der Moto2 war der Titelgewinn nicht möglich, ich war weit davon entfernt. Also blieb nur die Möglichkeit, in der MotoGP-Weltmeister zu werden...»

Tatsächlich beendete Fabio die zwei Moto2-WM-Jahre auf den Gesamträngen 13 (mit 64 Punkten auf Kalex) und 10 (mit 138 Punkten auf der Speed Up).

Neben dem Moto2-GP-Sieg in Catalunya 2018 schaffte der Franzose nur einen weiteren Podestplatz – Rang 2 in Assen. Der Sieg in Motegi 2018 wurde ihm aberkannt – weil der Hinterreifen nach dem Rennen 0,05 bar zu wenig Luftdruck aufwies.

In der Moto3-WM kletterte Quartararo auf der 250-ccm-Honda in den Jahren 2015 und 2016 nur zweimal aufs Podest: Als Zweiter in Texas und Assen 2015.

«Dafür ist uns jetzt der MotoGP-Titelgewinn gelungen. Das habe ich nie erwartet. Als ich im November 2018 in Valencia die M1-Yamaha erstmals getestet habe, habe ich mich gefragt: ‚Was zum Teufel mache ich auf diesem Motorrad?‘ Ich war beim Fahren überfordert. So viel Power… Aber inzwischen wünsche ich mir dauernd noch mehr!»

Quartararo, inzwischen achtfacher MotoGP-Sieger, steigerte sich aber als Rookie im privaten Petronas-Yamaha-Team erstaunlich schnell. «Zuerst war ich 3 sec zu langsam, dann 2 sec. Nachher sind wir im November noch in Jerez gefahren, dort lag ich nach dem letzten Tag nur noch 0,8 sec hinten. Im Februar in Doha haben wir dann massive Fortschritte gemacht. Ich bin auf Platz 2 gelandet und hatte dadurch viel Mumm für den GP-Start. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass ich in dieser Kategorie gut zurechtkommen würde. 2019 ist dann gut gelaufen, 2020 anfangs auch. Jetzt sind wir Weltmeister geworden! Es wird einige Zeit dauern, bis das in mein Bewusstsein eingesickert ist.»

«Normalerweise bin ich ein Mensch, der bei einem Grand Prix nicht viele Menschen um sich haben will. Aber in Misano wollte ich diesmal die Familie unbedingt dabei haben», schilderte Fabio. «Es war wichtig, diesen Support zu fühlen. Denn ich war wirklich nervös, ich konnte zu Mittag fast nichts essen. Wenn ich einen Bissen schlucken wollte, blieb er mir fast im Hals stecken. Wenn du so nervös bist, fließt auch viel Adrenalin. Ich bin froh, dass ich im Rennen trotzdem die Übersicht bewahrt habe. Und ich bin wirklich froh, dass meine Familie diesen Tag in der Box miterleben durfte. Meine Eltern und mein Bruder mit seiner Frau haben tüchtig mitgefiebert.»

MotoGP-Ergebnis, Misano (24. Oktober):

1. Marc Márquez, Honda, 27 Runden in 41:52,830 min
2. Pol Espargaró, Honda, + 4,859 sec
3. Bastianini, Ducati, + 12,013
4. Quartararo, Yamaha, + 12,775
5. Zarco, Ducati, + 16,458
6. Rins, Suzuki, + 17,669
7. Aleix Espargaró, Aprilia, + 18,468
8. Viñales, Aprilia, + 18,607
9. Marini, Ducati, + 25,417
10. Rossi, Yamaha, + 27,735
11. Binder, KTM, + 27,879
12. Pirro, Ducati, + 28,137
13. Dovizioso, Yamaha, + 41,413
14. Morbidelli, Yamaha, + 42,830
15. Nakagami, Honda, + 1:22,462

Stand Fahrer-WM nach 16 von 18 Rennen:

1. Quartararo 267 Punkte (Weltmeister). 2. Bagnaia 202. 3. Mir 175. 4. Zarco 152. 5. Miller 149. 6. Marc Márquez 142. 7. Binder 136. 8. Aleix Espargaró 113. 9. Viñales 106. 10. Oliveira 92. 11. Rins 91. 12. Pol Espargaró 90. 13. Bastianini 87. 14. Martin 82. 15. Nakagami 71. 16. Alex Márquez 54. 17. Morbidelli 42. 18. Lecuona 38. 19. Petrucci 37. 20. Marini 37. 21. Rossi 35. 22. Bradl 13. 23. Pirro 12. 24. Pedrosa 6. 25. Dovizioso 6. 26. Savadori 4. 27. Rabat 1.

Konstrukteurs-WM:
1. Ducati 307 Punkte 2. Yamaha 295. 3. Suzuki 207. 4. Honda 198. 5. KTM 190. 6. Aprilia 114.

Team-WM:
1. Ducati Lenovo 364. 2. Monster Energy Yamaha 351 Punkte. 3. Suzuki Ecstar 266. 4. Repsol-Honda 239. 5. Pramac Racing 238. 6. Red Bull KTM Factory Racing 228. 7. Aprilia Racing Team Gresini 128. 8. LCR Honda 125. 9. Esponsorama Racing 124. 10. Petronas Yamaha SRT 81. 11. Tech3 KTM Factory Racing 75.


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