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MotoGPKolumne

Licht und Schatten: Ist Ducati die neue Honda?

Zum Start in die zweite Hälfte der MotoGP-Saison 2022 beleuchtet SPEEDWEEK.com-Kolumnist Michael Scott – im wahrsten Sinne des Wortes – die Herangehensweisen einiger Hersteller.

Im Artikel erwähnt







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Start zum Deutschland-GP 2022: Quartararo vor fünf Ducati und Aleix Espargaró
Start zum Deutschland-GP 2022: Quartararo vor fünf Ducati und Aleix Espargaró
Foto: F.Glänzel
Start zum Deutschland-GP 2022: Quartararo vor fünf Ducati und Aleix Espargaró
© F.Glänzel

Ist Ducati die neue Honda? Die jüngsten Geschehnisse in der MotoGP zeigen eine Seelenverwandtschaft, die gleichzeitig beeindruckend und leicht allarmierend ist.

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Ein gemeinsamer Nenner ist das klare und recht herzerwärmende Bekenntnis zu jeder Menge PS und allen guten Dingen, die das mit sich bringt.

Ein anderer ist eine gewisse Arroganz – eine Einstellung. Es ist das Credo, dass die Ingenieure der wichtigste Part sind. Die Fahrer sind zweitrangig. Unter der autokratischen Kontrolle des einfallsreichen Ducati-Rennchefs Gigi Dall’Igna wurde diese Haltung deutlich verstärkt.

Bei Honda ist das tief verwurzelt, schon seit vielen Jahren. Rossis langjähriger Crew-Chief Jeremy Burgess, mit Gardner, Doohan und Rossi lange eine feste Größe bei Honda, fasste es treffend zusammen: "Für Honda sind Fahrer wie Glühbirnen. Wenn eine nicht mehr brennt, schmeißt man sie raus und schraubt eine neue hinein."

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Diese Haltung stieß Valentinos Abgang zu Yamaha am Ende der Saison 2003 an, Burgess und seine Antipoden-Gang nahm der Abtrünnige mit. "Vale" war entschlossen zu beweisen, dass der Fahrer den Unterschied machte, nicht das Motorrad. Vier weitere WM-Titel bestätigen ihn in seiner Sichtweise.

Wenn er nur dort aufgehört hätte, denn das genaue Gegenteil passierte, als er für zwei Jahre zu Ducati wechselte. Das Motorrad bestimmte über die Ergebnisse – und das auf keine gute Art und Weise.

Diese dunklen Tage ließen die Roten aus Borgo Panigale hinter sich, sie lebten wieder auf. Die Desmosedici ist nicht nur das aus technischer Sicht ausgereizteste MotoGP-Bike im Feld, sondern mit Sicherheit aus das leistungsstärkste. Die desmodromische Ventilsteuerung ist schließlich nicht nur Prahlerei. Sie verringert das Schleppmoment und sorgt für sehr präzises und sehr schnelles Öffnen und Schließen der Ventile, vor allem bei hohen Drehzahlen. Das kommt zu den PS noch dazu.

Dall’Igna hörte dort aber noch längst nicht auf. Bei Ducati wird der beneidenswerte Motor mit einer ganzen Reihe an Innovationen am Motorrad kombiniert. Die Italiener waren der erste Hersteller, der die Flügel ins Spiel brachte, und sie setzen im Bereich Aerodynamik auch weiterhin die Pace. Sie sorgten mit dem "Spoon", dem Hinterradflügel, für große Diskussionen – denn offiziell diente er ausschließlich dazu, den Reifen zu kühlen, die aerodynamischen Vorteile waren aber nicht von der Hand zu weisen. Sie erfanden das "Ride Height Device" und verfügten zu Beginn dieses Jahres auch erstmals über so eine Vorrichtung, die nicht nur am Start, sondern während der Fahrt zum Einsatz kommt, an der Front.

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In jedem dieser Fälle versuchten die Rivalen, diese Entwicklungen zu vereiteln – um sie dann schließlich zu kopieren. Zumindest bis zu diesem Jahr, als die Proteste zu einem ab 2023 gültigen Verbot für "jedes Device, welches die Fahrhöhe der Front des Motorrads verändert oder anpasst, während sich das Motorrad bewegt" führten.

Ducati-Sportdirektor Paolo Ciabatti machte daraufhin keinen Hehl aus der Enttäuschung des Herstellers. Die Investitionen – Zeit und Geld – waren "voll kompatibel mit unserem Budget. Einige Hersteller geben hohe Beträge für ihre Fahrer aus. Es liegt an ihnen. Aber sie sollten nicht kritisieren, wenn wir Geld für Entwicklung ausgeben."

Das alles unterstreicht sehr klar: Ducatis Hauptaugenmerk liegt auf dem ingenieurstechnischen Aspekt.

Aber zurück zu den Glühbirnen: Das Unternehmen aus Bologna verfügt über eine schillernde Auswahl – acht Fahrer sind mindestens doppelt so viele, wie jeder andere Hersteller im aktuellen Feld stellt, und im Falle von Suzuki und Aprilia sogar viermal so viel.

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Das Problem ist, dass fast alle 200 Watt stark leuchten. Jeder Ducati-Pilot ist ein GP-Sieger und die Hälfte von ihnen gewann auch schon in der Königsklasse. Vier – Bagnaia, Bastianini, Martin und Zarco – waren zudem bereits Weltmeister in den kleineren Klassen.

Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass sie sich in jedem Rennen gegenseitig Punkte klauen. Honda scheint die Glühbirnen-Strategie besser umgesetzt zu haben. Zumindest seit den weit zurückliegenden Tagen, in denen Wayne Gardner und Eddie Lawson sich 1989 auf Rothmans-NSR500 um den Titel stritten, konzentrierten sie sich im Großen und Ganzen auf eine, besonders helle Glühbirne. Sie gewannen den Großteil der Fahrertitel in der vergangenen vier Jahrzehnten mit aufeinanderfolgenden Stars auf höchstem Level: Spencer, Doohan, Rossi, Márquez – eine strahlende Lichterkette.

Diese Strategie birgt aber ihre eigenen Risiken und sie bezahlten in den vergangenen zwei Jahren teuer dafür. Die Abwesenheit von Marc Márquez bedeutete eine historische Saison 2020 ohne Sieg, nur drei Erfolge 2021 und ein 2022, in der die Aussicht auf eine erneut sieglose Saison mit einer denkwürdigen Nullnummer auf dem Sachsenring bekräftigt wurden. Erstmals seit 1982 holte kein Honda-Pilot auch nur einen Punkt.

Honda steht damit aber nicht alleine da. Schon im darauffolgenden Rennen in Assen ereilte Yamaha dasselbe Schicksal: Fabio Quartararo stürzte gleich zweimal und keiner seiner drei Markenkollegen punktete. Dovizioso fehlten als bester Yamaha-Pilot ganze drei Sekunden auf Platz 15. Ein weiterer Meilenstein im negativen Sinne, denn erstmals seit 1985 gab es keinen Punkt für Yamaha.

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Sollte Quartararo einmal ausfallen, würde Yamaha in ein sehr tiefes Loch fallen.

Sieben Reserve-Glühbirnen mögen zu viele sein, aber es ist sicherlich eine Hilfe, mindestens eine im Schrank zu haben.

Ducatis Leuchten untergraben sich ihre Titelchancen gegenseitig, aber wenigstens können sich die Ingenieure in Borgo Panigale über eine nahezu sichere dritte Konstrukteurs-Krone in Folge freuen.

MotoGP-Fahrer-WM nach 11 von 20 Grand Prix:

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1. Quartararo 172 Punkte. 2. Aleix Espargaró 151. 3. Zarco 114. 4. Bagnaia 106. 5. Bastianini 105. 6. Brad Binder 93. 7. Miller 91. 8. Mir 77. 9. Rins 75. 10. Oliveira 71. 11. Martin 70. 12. Viñales 62. 13. Marc Márquez 60. 14. Bezzecchi 55. 15. Marini 52. 16. Nakagami 42. 17. Pol Espargaró 40. 18. Alex Márquez 27. 19. Morbidelli 25. 20. Di Giannantonio 18. 21. Darryn Binder 10. 22. Dovizioso 10. 23. Gardner 9. 24. Raúl Fernández 5.

Konstrukteurs-WM:

1. Ducati 246 Punkte. 2. Yamaha 172. 3. Aprilia 155. 4. KTM 121. 5. Suzuki 101. 6. Honda 85.

Team-WM:

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1. Aprilia Racing 213 Punkte. 2. Monster Energy Yamaha 197. 3. Ducati Lenovo Team 197. 4. Prima Pramac Racing 184. 5. Red Bull KTM Factory 164. 6. Suzuki Ecstar 152. 7. Gresini Racing 123. 8. Mooney VR46 Racing 107. 9 Repsol Honda 100. 10. LCR Honda 69. 11. WithU Yamaha RNF 20. 12. Tech3 KTM Factory 14.

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1

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101

2

Jorge Martin

Aprilia Racing

90

3

Fabio Di Giannantonio

Pertamina Enduro VR46 Racing Team

71

4

Pedro Acosta

Red Bull KTM Factory Racing

66

5

Marc Márquez

Ducati Lenovo Team

57

6

Raúl Fernández

Trackhouse MotoGP Team

54

7

Alex Márquez

BK8 Gresini Racing MotoGP

53

8

Ai Ogura

Trackhouse MotoGP Team

48

9

Francesco Bagnaia

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34

10

Enea Bastianini

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