Gigi Dall’Igna (Ducati): «Das ist die Kehrseite»

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Gigi Dall’Igna, General Manager Ducati Corse

Gigi Dall’Igna, General Manager Ducati Corse

«Ich verstehe nicht, weshalb zwischen Ducati und Kawasaki und den anderen Herstellern so eine Lücke klafft», sagt Gigi Dall’Igna, General Manager Ducati Corse. «Je früher die Einheits-ECU kommt, desto besser.»

Die Superbike-WM hat ein Problem: Alle Siege 2017 wurden zwischen den Werksfahrern von Kawasaki und Ducati ausgemacht. Schon im Vorjahr war nur ein Triumph außer dieser Reihe – der von Nicky Hayden in Sepang auf Honda. Hätte es in Malaysia nicht geregnet, wäre auch 2016 eine reine Grün-Rote-Angelegenheit gewesen.

Letztes Jahr sahen wir noch immerhin acht Podestplätze von Honda und je einen von Aprilia und Yamaha. Diese Saison: Von 48 Podestplätzen vor der Sommerpause gingen erdrückende 46 an Kawasaki und Ducati. Zweimal kam Yamaha-Werksfahrer Alex Lowes wegen Stürzen der Stars auf Podium.

Alle Hersteller und WM-Vermarkter Dorna sind sich einig: Die Show muss besser werden, jedes Motorrad sollte gut genug für die Top-3 sein und die Kosten müssen weiter gesenkt werden, um ein volles Startfeld zu haben.

SPEEDWEEK.com setzte sich mit Gigi Dall’Igna, General Manager Ducati Corse, für ein Vier-Augen-Gespräch zusammen.

Gigi, wie stehst du zur Einheits-Elektronik, die 2019 Pflicht wird?

In der MotoGP-Klasse funktioniert das mit der Einheits-ECU sehr gut, ich sehe deshalb nicht, weshalb wir in der Superbike-WM nicht nach der gleichen Philosophie verfahren sollen. Für die Balance zwischen den Herstellern ist das besser. Wenn es für die Meisterschaft besser ist, dann ist es auch für die beteiligten Hersteller besser.

Ich bin nicht dagegen, für uns ist das okay.

Ich verstehe nicht, weshalb zwischen Ducati und Kawasaki und allen anderen Herstellern so eine Lücke klafft. Natürlich, Ducati investiert viel in die MotoGP- und Superbike-WM. Ich sehe aber keinen Grund, weshalb Honda und Yamaha nicht die gleichen Resultate gelingen sollen.

Ducati und Kawasaki geben deutlich mehr Geld aus als Honda und Yamaha.

Das kann sein, ich weiß es aber nicht. Ich glaube, dass Yamaha auch ordentlich investiert, dass sie ähnlich viel machen wie Ducati.

Aber ihr gebt sicher mehr aus als Honda Motor Europe im Red Bull-Team.

Das mit Honda könnte sein. Aber Honda hat jetzt Red Bull als Sponsor, ich weiß es also nicht.

Werden sich die Ergebnisse ändern, wenn alle die gleiche Elektronik verwenden?

In MotoGP hat es funktioniert, dort sind alle Hersteller zusammengerückt. Klar, es gibt Mitbewerber, die nicht auf dem gleichen Level wie die Spitze sind, aber auf einem vernünftigen. Zuvor war das nicht so. Ich schreibe das der Einheits-ECU zu, das ist wichtig für die Show. Die Show ist das Wichtigste überhaupt.

Je früher die Einheits-ECU kommt, desto besser.

Ist es nicht so, dass Kawasaki mit Rea und Sykes sowie Ducati mit Davies und Melandri die besten Fahrer haben und sich alleine deshalb nichts ändern wird?

Laverty gehört sicher zu den Besten, ich kenne ihn sehr gut. Bradl kann auch viel erreichen. Es gibt einige Fahrer – nicht viele, aber genügend – die vorne mitfahren können. Auch Camier und noch wenige andere.

Es gibt auch Überlegungen, ein System zu finden, das alle Hersteller untereinander balanciert. Bislang erlaubt das Reglement nur Ducati zu bestrafen, falls ihr zu erfolgreich seid.

Für einen Hersteller, der in die Entwicklung investiert, ist das keine gute Sache. Warum soll man sein Motorrad dann noch verbessern? Früher oder später sind sowieso alle auf dem gleichen Level.

Wäre dann nicht eine Regel wie in MotoGP sinnvoll mit den «Concession Points»? Ist ein Hersteller erfolglos, darf er mehr entwickeln als jene, die gewinnen oder aufs Podium fahren.

Wichtig ist, dass man Herstellern, die keine guten Ergebnisse haben, dabei hilft ihr Motorrad zu verbessern. So lange die Rahmenbedingungen vernünftig sind, gehen Konzessionspunkte für uns in Ordnung.

Sporting-Director Gregorio Lavilla von WM-Vermarkter Dorna ist der Meinung, dass dieses System bei den Superbikes nicht funktioniert, weil die kleineren Hersteller kein Geld haben, um Zugeständnisse wie mehr Motoren, mehr Entwicklung oder mehr Tests umzusetzen.

Ich halte den Vorschlag für vernünftig.

Wie sehr nützt ihr eure elektronischen Erkenntnisse aus der Superbike-WM für die Entwicklung der Serienmaschinen? In MotoGP und BSB gibt es eine Einheits-Elektronik, warum sollte ein Hersteller in die Superbike-WM kommen, wenn er auch dort nichts mehr entwickeln kann?

Ich stimme dir zu – das ist die Kehrseite.

Steigt damit nicht das Risiko, dass sich Hersteller zurückziehen? BMW droht mit dem Ausstieg, wenn die Einheits-Elektronik kommt.

Die Superbike-WM ist die einzige große Rennserie, an der BMW teilnimmt. Ich glaube nicht, dass sie aussteigen werden.

Technologische Entwicklungen sind für alle Motorradhersteller wichtig. Aus dem Rennsport ergeben sich zwei wichtige Dinge: Werbung und Entwicklungen, die später in die Straßenversionen einfließen.

Werden diese Entwicklungen eingeschränkt, ergeben sich daraus Rechtfertigungsprobleme für den Rennsport. Man muss den Herstellern erlauben, gewisse Sachen zu entwickeln. Gleichzeitig muss aber darauf geachtet werden, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen – die Balance muss stimmen.

In der Supersport-300-WM bringt Pirelli aufgrund der verschiedenen Motor-Konzepte verschiedene Reifen für die Hersteller. Das wurde für die Superbike-WM auch bereits vorgeschlagen. In der Open-Class in MotoGP gab es das auch.

Ich halte das für keine gute Idee. Es braucht klare Balance-Regeln zwischen den Herstellern, dafür müssen alle die gleichen Reifen haben.

Es ist einfach, dem einen mit den Reifen zu helfen und einem anderen damit das Rennen kaputt zu machen. Das ist keine eindeutige Sache. Reifen sind schwarz und rund, Unterschiede lassen sich nicht auf den ersten Blick ausmachen.

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