BMW-Team: Wurde an der falschen Stelle gespart?

Von Ivo Schützbach
Markus Reiterberger (li.) mit Pete Benson

Markus Reiterberger (li.) mit Pete Benson

Hinter dem BMW-Werksteam in der Superbike-WM steht Shaun Muir Racing, viele Mitarbeiter sind dort unter Vertrag. Das zieht Besonderheiten nach sich, wie Markus Reiterberger in Teil 3 des großen Interviews erklärt.

Alle Werksteams in der Superbike-WM bedienen sich eines Partners: Ducati arbeitet mit Feel Racing, Kawasaki mit Provec, Yamaha mit Crescent, Honda mit einer Firma von Alberto Puig und BMW mit Shaun Muir Racing. Das bringt den Werken neben zusätzlichem Know-how vor allem den Vorteil, dass das Rennteam keinen konzerninternen Zwängen wie etwa Tarifverträgen unterliegt.

Im BMW-Werksteam ist es so geregelt, dass die Verantwortlichen für die Motoren und Elektronik vom bayerischen Hersteller an die Rennstrecke geschickt werden, alles weitere Teampersonal steht bei Shaun Muir Racing (SMR) unter Vertrag – auch die Fahrer.

Markus Reiterberger blieb 2019 als Gesamt-14. unter den Erwartungen, nächste Saison fährt der Nordire Eugene Laverty an der Seite von Tom Sykes. Während der Weltmeister von 2013 dieses Jahr viermal aufs Podest brauste und fast dreimal so viele Punkte wie Reiti sammelte, hat der Bayer zwei sechste Plätze in Assen als beste Resultate vorzuweisen.

2020 bestreitet Reiterberger für das Team Onexox BWM TKKR die Asia Road Racing Championship. Im dritten Teil des großen SPEEDWEEK-Interviews blickt der 25-Jährige auf seine Zusammenarbeit mit Crew-Chief Pete Benson zurück.

Markus, wäre deine Saison mit einem anderen Crew-Chief anders verlaufen?

Ich weiß es nicht. Ich kann bis heute nicht genau sagen, woran es lag. Ich weiß nur, dass wir seit Imola gemeinsam in die falsche Richtung gearbeitet haben. Selbst was früher funktioniert hat, funktionierte nicht mehr – so tief steckten wir in dem Loch. Ich verstand nicht, warum es nicht mehr lief.

Dein Crew-Chief Pete Benson, der mit Nicky Hayden MotoGP-Weltmeister wurde, gilt als schwieriger Charakter und ist sehr dominant. War das ein Problem?

Ich muss ihn in Schutz nehmen. Was ab dem ersten Event gefehlt hat, war ein Data-Recording-Mann. Den gab es in dem Team nicht. Der Crew-Chief ist Crew-Chief und Data-Recording-Mann in einem, das ist bei britischen Teams anscheinend so.

Diese Belastung ist zu groß für einen Mann. Der Crew-Chief muss alles organisieren, das ganze Wochenende, und nebenbei die Daten lesen. Beim Lesen muss er schon entscheiden, was man machen muss.

Man braucht einen Data-Recording-Mann, der den ganzen Tag zusammen mit dem Fahrer die Daten auswertet. Der Crew-Chief ist dann derjenige, der die Entscheidungen trifft.

BMW setzt eine eigene Elektronik ein, sie hätten doch kompetentes Personal.

BMW hatte auch pro Fahrer einen Mann, der ist aber hauptsächlich auf das Motor-Management und die Elektronik spezialisiert und nicht auf das Fahrwerk und das Chassis. Darum kümmerte sich der Crew-Chief.

Wenn du also vom Daten-Mann redest, geht es um die Abstimmung des Fahrwerks?

Genau.

Die Elektronik lief über BMW, das war alles super. Da hatte ich meinen eigenen Mann, der seit 2011 an meiner Seite war, mit dem war ich sehr zufrieden.

Aber von Teamseite fehlte eine Person fürs Fahrwerk. Das sah auch Pete so und auch sein Vorgänger. Pete hatte in der Vergangenheit immer Leute, die sich die Daten anschauten und er musste nur anschließend die Entscheidungen treffen.


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