Exklusiv: Marcel Schrötter (32) über seinen BMW-Test

Marcel Schrötter hatte während des Superbike-Tests ein Dauergrinsen
BMW bezeichnete den Einsatz von Marcel Schrötter bei den Superbike-Tests am 26. August in Aragon als «Freundschaftsdienst», weil sich die Stammtestfahrer in der Vorbereitung auf das Finale der Langstrecken-WM in Le Castellet befanden.
«Ich habe dieses Jahr Chris Gonschor besser kennengelernt und wir haben uns ab und zu ausgetauscht», sagt Schrötter über den Technischen Direktor von BMW. «Es gibt nicht so viele Deutsche im Motorsport, wir haben nette Gespräche. Und klar wäre es mein Traum, in die Superbike-WM zu wechseln, wer hat den nicht. Bei BMW gibt es für die Zukunft aber auch andere Möglichkeiten. Dass ist einer der Gründe, weshalb ich mich umschaue und auch mit ihnen spreche.»
Marcel hat nach elf Jahren in der Moto2-WM auf die Saison 2023 hin in die Supersport-WM gewechselt. In dieser hatte er mit MV Agusta auf Anhieb seine erfolgreichste WM-Saison, brauste siebenmal aufs Podium und wurde Gesamtdritter. 2024 folgte WM-Rang 5, derzeit liegt der Fahrer aus dem Team WRP Ducati auf Platz 9.
«Viele wissen, dass ich mehr kann, als ich aktuell zeige», hielt Marcel im Gespräch mit SPEEDWEEK.com fest. «Dass ich mich so nicht für einen Werksplatz empfehlen kann, ist normal. Aber BMW fand es interessant, mich mal auf dem Motorrad zu sehen. Wegen des Endurance-Tests fehlten ihnen Fahrer und Chris Gonschor fragte mich.»
Schrötter wiederum fragte seinen Teamchef Ludek Weag, ob er diesen Test bestreiten darf, und ist dem WRP-Eigentümer dankbar, dass er ihm die Freigabe erteilte. Denn er weiß: Selbstverständlich ist das nicht.
«Für mich war das eine Chance, mich mal auf dem größeren Bike zu zeigen. Ob sich daraus etwas ergibt, kann ich nicht sagen», so Schrötter. «Vielleicht erhöht es meine Chancen auf irgendwas in der Zukunft, vielleicht auch nicht. Für mich war es das erste Mal, dass ich ein volles Superbike fuhr. Die Endurance-Maschine ist nahe dran, aber die Bremsen oder auch die Motorleistung sind halt doch nicht gleich.»
Für die Testbestzeit sorgte Weltmeister Toprak Razgatlioglu mit 1:48,598 min, der Türke setzte ebenso einen Qualifyer-Hinterreifen ein wie die Ducati-Piloten Nicolo Bulega und Sam Lowes auf den Plätzen 2 und 3.
Schrötter fuhr 1:52,0 min, der Vergleich hinkt aber: Der Bayer kam nur einen halben Tag zum Fahren, weil Michael van der Mark einen Sturz mit dem Testmotorrad hatte und die Reparatur viel Zeit in Anspruch nahm. In der Hitze des Nachmittags war Schrötter hauptsächlich mit gebrauchten und harten Reifen unterwegs.
«Für mich ging es darum, mich an das Bike zu gewöhnen und zu versuchen zu verstehen, was es macht», schilderte der 32-Jährige. «Zum Schluss bekam ich dann den etwas weicheren Entwicklungsreifen SC0, den die anderen während des Tages fuhren. Ich glaube, mit 1:52,0 min waren alle zufrieden. Ich bin bereits beim ersten Mal raus 1:52,5 min gefahren – nach acht Runden. Abgesehen von den Top-3 fuhr der Rest 1:50 hoch oder 1:51 min, wenn sie nicht auf Zeitenjagd waren.»
Schrötter geht davon aus, dass er mit den richtigen Reifen und zur richtigen Uhrzeit bereits an seinem ersten Tag auf dem Superbike 1:50 min hoch hätte fahren können. Entsprechend könnte er sich seine Zukunft auf dem Big-Bike gut vorstellen: «Ich hatte die ganze Zeit ein Grinsen im Gesicht, so viel Spaß hat es gemacht. Man muss auf einem Superbike viel mehr machen, vor allem, wenn sich der Grip verändert. Ein Supersport-Motorrad vermittelt wenig Emotionen, was die Leistung betrifft. Du reißt das Gas auf und fährst halt die Gerade runter. Ein Superbike bewegt sich, macht Wheelies, du musst dagegen ankämpfen. Ich habe relativ zügig ein gutes Gefühl aufgebaut, sie konnten ein paar Sachen mit mir testen und ich konnte ein paar Aussagen treffen, die ganz gut gepasst haben. Ich würde mich freuen, wenn ich zukünftig öfter so ein Motorrad fahren könnte, definitiv.»
BMW hat seine Fahrerpaarung für die Superbike-WM 2026 noch nicht beisammen. Der aktuelle WM-Dritte Danilo Petrucci kommt als Nachfolger von Seriensieger Razgatlioglu, der in die MotoGP und zu Yamaha wechseln wird. Ein heißer Kandidat für den Platz neben dem Italiener ist Miguel Oliveira. Der Portugiese verhandelt aber auch für Jobs als MotoGP-Testfahrer, denn er muss seinen Stammplatz bei Pramac Yamaha an Toprak abtreten.
Macht sich Schrötter ebenfalls Hoffnungen? «Wir haben über diesen Platz nicht geredet», versicherte er. «Ich kann nicht sagen, ob ich vielleicht die Nummer 5 auf der Liste bin. Für mich geht es darum, mir Türen offen zu halten. Dass die Endurance-WM auch eine Option wird, ist klar. Ich schaue mir alles an, irgendetwas muss ich finden für nächstes Jahr.»
Fixe Fahrer in der Superbike-WM 2026:
Bimota: Alex Lowes (GB), Axel Bassani (I)
Kawasaki: Garrett Gerloff (USA)
Honda: Jake Dixon (GB)
ROKiT BMW: Danilo Petrucci (I)
Pata Yamaha: Andrea Locatelli (I)
GRT Yamaha: Remy Gardner (AUS), Stefano Manzi (I)
Aruba.it Ducati: Nicolo Bulega (I), Iker Lecuona (E)
Barni Spark Ducati: Yari Montella (I), Alvaro Bautista (E)
Motocorsa Ducati: Ryan Vickers (GB)
Elf Marc VDS Ducati: Sam Lowes (GB)