Das war für Sébastien Ogier und für sein neues Team von M-Sport ein Auftakt nach Maß in die Rallye-Weltmeisterschaft 2017 mit der neuen Fahrzeug-Generation. Der 33-Jähige aus der französischen Alpenstadt Gap, dem zentralen Serviceplatz der 85. Rallye Monte Carlo, gewann zum vierten Mal en suite im mondänen Fürstentum an der Côte d'Azur. Beim teils sehr turbulenten Saisonauftakt auf den ziemlich verschneiten und vereisten Pisten in den französischen Alpen gab es an der Spitze nach einigen Dramen das fast schon gewohnte Bild auf den ersten beiden Plätzen.

Ogier siegte 2:15,0 Minuten vor Jari-Matti Latvala. Doch es gab einen ganz großen Unterschied zu den Vorjahren. Denn ihre Fahrzeuge waren diesmal kein VW Polo, weil die Meistermacher aus Wolfsburg zum WM-Ausstieg von oben gezwungen wurden. Ogier sass bei seinem 39. Gesamtsieg erstmals im Ford Fiesta WRC von M-Sport, und Latvala steuerte den Yaris WRC, mit dem Toyota nach 17 Jahren wieder in die Königsklasse zurückkehrte, mit dem zweiten Rang zu eher unerwarteten Ehren. Latvala profitierte aber vom Pech des Ogiers Teamkollegen Ott Tänak, der nach Motorenproblemen beim «Monte»-Finale den dritten Platz (Rückstand: 2:57.8 Minuten) erreichte. Mit dem sechsten Platz komplettierte Elyfn Evans im Dmack-Ford Fiesta den großen Erfolg von M-Sport.

Ogier wie gewohnt vorne

Ogier beendete mit seinem Auftaksieg, mit dem er mit 25 Punkten wie gewohnt die Tabellenspitze vor Latvala (18 Zähler) übernahm, für M-Sport und auch für Ford eine längere Durststrecke in der Weltmeisterschaft. Ford kam auf 40 Punkte. Erstmals seit der Rallye Wales im September 2012 mit Latvala steuerte der Sieger einen Ford. Für Ford war es der 83. Gesamtsieg. Der letzte Sieger bei einem WM-Lauf in Monaco war 2006 Marcus Grönholm im Ford Focus WRC. Allerdings siegte 2010 Mikko Hirvonen im neuen Ford Fiesta S2000, doch damals zählte die Rallye nur zur Intercontinental Rally Challenge.

«Um ehrlich zu sein, ich habe diesen Sieg eines Tages erwartet. Ich hatte auf ihn gehofft, aber gleich bei der ersten Rallye zu siegen, nachdem ich erst Monat im Team bin, ist schon fantastisch», jubelte Ogier. «Ich bin sehr glücklich. Die Bedingungen haben uns das Leben nicht leicht gemacht. Wir sind im Schnee gestartet und wir haben die Rallye in noch mehr Schnee beendet.» Womit Ogier den sehr starken Schneefall am Col de Turini meinte.

«Es ist schon etwas verrückt. Erstmals in einer Rallye mit einem anderem Auto und gleich Zweiter. Gratulation an das Team. Das hat fantastisch gearbeitet, und das ist nun der Lohn. Und ich bin einem Auto 'made in Finland'» freute sich Latvala.

«Wir haben sehr hart gearbeitet. Bis heute Morgen gaben wir unser Bestes», mehr sagte der streckenweise auf Rang zwei liegende Tänak nicht, an dessen Ford Fiesta zwei Zylinder ausfielen.

Sieg mit Trauerflor

Der Sieg von Ogier wird aber überschattet vom Tod eines Zuschauers. Als Hayden Paddon auf der ersten Prüfung in der Donnerstagnacht die Kontrolle über seinen Hyundai i20 Coupé WRC nach einem Felsenkontakt verlor und sich überschlug, traf er einen Zuschauer, der später im Krankenhaus im Nizza seinen schweren Verletzungen erlag.

Neuville-Drama

Neben dieser Tragik gab es am Samstagnachmittag ein weiteres Drama für den Hersteller-Vizeweltmeister Hyundai. Der Vizechampion Thierry Neuville übernahm vom Start weg die Führung und baute diese mit fünf Bestzeiten zu einem Vorsprung von 51 Sekunden auf Ogier aus. In der letzten Samstag-Entscheidung beschädigte er die Aufhängung am linken Hinterrad. Nach einer selbst durchgeführten Notreparatur verlor er mehr als 32 Minuten und fiel von P1 auf P15 zurück, hinter den vierfachen Schweizer Meister Olivier Burri im Ford Fiesta R5 bei seiner 16. Rallye Monte mit zweimal Rang sieben als beste Ergebnisse. Neuville fand auch etwas Trost für sich: «Ich denke, wir waren die, die in dieser Woche zu schlagen waren. Das Team hat ein unglaubliches Auto gebaut.»

Citroën patzt

Citroën enttäuschte bei seinem WM-Comeback nach einer einjährigen Pause mit dem neuen C3 WRC trotz einer sehr intensiven Entwicklungs- und Testphase. Das Zwei-Zacken-Team musste mit dem neuen C3 WRC einige Dämpfer, teils durch Fahrfehler, teils wegen der Technik, einstecken. Stammfahrer Kris Meeke scheiterte am sich an selbst sowie an der Technik und schied nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall ganz aus. Stéphane Lefebvre sorgte immerhin am «Col de Turini» für die erste WM-Bestzeit des C3 WRC und erreichte abgeschlagen um 14:43,8 Minuten den neunten Rang. Die Citroën-Ehre rettete Craig Breen, allerdings im «alten» DS3 WRC mit dem fünften Gesamtplatz (Rücktand: 3:47,3 Minuten).

Ein WRC-Ccokpit blieb nach dem VW-Ausstieg dem Australien-Sieger Andreas Mikkelsen vorerst versagt. Dafür dominierte er im offiziellen Skoda Fabia R5 als Gesamtsiegter die WRC2 eindeutig mit 3:25,4 Minuten vor seinem Teamkollegen Jan Kopecky und 6:36,7 Minuten vor Bryan Bouffier im Ford Fiesta R5.

Endstand nach 17 Prüfungen:

1. Ogier/Ingrassia (F), Ford Fiesta WRC, 3:26:10,7 h.
2. Latvala/Anttila (FIN), Toyota Yaris WRC, + 2:20,6 min.
3. Tänak/Javeoja (EE), Ford Fiesta WRC, + 47,1 sec.
4. Sordo/Marti (E), Hyundai i20 Coupé WRC, + 4:03,2
5. Breen/Martin (IRL/GB), Citroën DS3, WRC, + 3:47,3
6. Evans/Barritt (GB), Ford Fiesta WRC, + 7:27,2
7. Mikkelsen/Jaeger (N), Skoda Fabia R5, + 9:15,2
8. Kopecky/Dresler (CZ), Skoda Fabia R5, + 12:34,4
9. Lefebvre/Moreau (F), Citroën C3 WRC, + 14:43,8
10. Bouffier/Giraudet (F), Ford Fiesta R5, + 16:09,4

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