Fernando Alonso: Honda öffnet Arme – trotz Toyota

Von Mathias Brunner
Formel 1
Fernando Alonso 2017 beim Indy 500

Fernando Alonso 2017 beim Indy 500

​Fernando Alonso trat 2017 beim Indy 500 mit Honda-Motor an. Die Japaner sagen, dass sie mit dem Spanier zusammenarbeiten wollen – ungeachtet dessen Engagements in der Langstrecken-WM mit Toyota.

Fernando Alonso wird Anfang September in den USA ein IndyCar auf einer klassischen Rennstrecke testen. Das Magazin Racer hat berichtet: Fernando Alonso sitzt in knapp drei Wochen in einem Dallara DW12-Honda aus dem Rennstall von Michael Andretti, nächster Testtermin ist Portland nach dem IndyCar-Rennen, das dort am 2. September stattfindet. An jenem Sonntag ist Fernando Alonso in Monza mit dem Formel-1-McLaren unterwegs und würde danach in die USA jetten. Auch vom Barber Motorsports Park in Birmingham/Alabama ist die Rede. Portland wie Birmingham werden von den IndyCar-Machern als mögliche Teststrecken abgenickt, weil dort 2018 keine Rennen mehr stattfinden. Auf diese Weise wollen die Regelhüter verhindern, dass Andretti Autosport Daten vom Test für das folgende Rennen nutzen kann.

Gerüchten zufolge will Michael Andretti mit McLaren in der IndyCar-Saison 2019 ein separat geführtes Team einsetzen, das mit Chevy-Power fährt, nicht mit Honda-Motoren. Das wäre ein eleganter Weg vorbei am Toyota-Engagement von Fernando Alonso in der Langstrecken-WM, das bis in die Saison 2019 hineinreicht. Die Rivalität von Honda und Toyota ist legendär. Ich kann mich an ein Abendessen mit einem Honda-Technikchef erinnern, wir plauderten über das GP-Engagement der beiden japanischen Firmen. Der Asiate sagte, ohne mit der Wimper zu zucken: «Wo wir ins Ziel kommen, spielt eine untergeordnete Rolle. Hauptsache, es ist vor Toyota.»

Die meisten Insider sind bislang davon ausgegangen: Sportwagen-WM mit Toyota und IndyCar mit Honda, das geht nicht. Aber diese Ansicht ist vielleicht nicht korrekt, wenn wir hören, was Art St. Cyr zu sagen hat, Präsident von Honda Power Development (HPD). Der Kalifornier ist für die Entwicklung und den Einsatz der Honda-IndyCar-Triebwerke verantwortlich.

Bislang sind wir davon ausgegangen, dass einem Indy-Abkommen zwischen McLaren und Honda zwei Hürden im Weg stehen: Erstens die vorzeitige Scheidung zwischen den Engländern und den Japanern in der Formel 1 – nach drei Jahren ohne Podestplatz zog McLaren-Direktor Zak Brown die Reissleine und verbündete sich mit Renault. Zweitens das Engagement von Fernando Alonso mit Toyota im Langstreckensport.

Doch Art St. Cyr sagt: «Fernando Alonso ist einer der herausragenden Fahrer seiner Generation. Wir haben es wirklich genossen, 2017 beim Indy 500 mit ihm zu arbeiten. Er hat bewiesen, dass er aus dem Stand konkurrenzfähig ist, und es wäre fabelhaft für den ganzen IndyCar-Sport, wenn es sich dazu entschliessen würde, vollzeit hier zu fahren. Alonso als Fahrer zu haben, ist für jeden Hersteller und jeden Rennstall erstrebenswert.»

Mit Honda-Motoren treten 2018 in der IndyCar-Serie an: Chip Ganassi Racing, Rahal Letterman, Andretti Autosport, Schmidt Peterson, SPM/AFS, Michael Shank Racing und Dale Coyne. Ganassi-Fahrer Dixon führt die Meisterschaft an, Honda hat von den bisherigen 13 Läufen 8 gewonnen.

Formel 1, IndyCar, Langstrecke – die Unterschiede

Wie unterschiedlich sind eigentlich die drei Autos von Formel 1, IndyCar-Serie und Langstrecken-WM, die Alonso 2017 bewegt hat?

Hier ein kleiner Vergleich:

Masse (Länge/Breite/Höhe in Zentimetern)
Formel 1: 515/200/95
Langstrecken-WM: 465/190/105
IndyCar: 518/199/101

Gewicht (in Kilogramm)
Formel 1: 728
Langstrecken-WM: 875
IndyCar: 730

Überlebenszelle
Formel 1: Kohlefaser, offen
Langstrecken-WM: Kohlefaser, geschlossen
IndyCar: Kohlefaser, offen

Motor
Formel 1: 1,6-Liter-V6-Turbomotor mit Energierückgewinnung
Langstrecken-WM: 2,4-Liter-V6-Doppelturbomotor mit Energierückgewinnung
IndyCar: 2,2-LiterV6-Doppelturbomotor

Leistung (in PS)
Formel 1: 1000 (160 davon durch Energierückgewinnung)
Langstrecken-WM: 1000 (500 Verbrennungsmotor, 500 durch Elektromotor)
IndyCar: rund 750 PS (je nach Ladedruck)

Antrieb
Formel 1: Hinterradantrieb
Langstrecken-WM: Heckantrieb, Allradantrieb mittels KERS an der Vorderachse
IndyCar: Hinterradantrieb

Getriebe
Formel 1: Acht Gänge
Langstrecken-WM: Sieben Gänge
IndyCar: Sechs Gänge

Tankinhalt (in Litern)
Formel 1: 140 (Benzin)
Langstrecken-WM: 62,3 (Benzin)
IndyCar: 70 (85% Ethanol, 15% Benzin)

Reifen und Felgen
Formel 1: Pirelli, Enkei (13 Zoll)
Langstrecken-WM: Michelin, Rays (18 Zoll)
IndyCar: Firestone, OZ (15 Zoll)

Vergleichszeit Silverstone 2017
Formel 1: 1:26,600 min (Pole-Position von Lewis Hamilton)
Langstrecken-WM: 1:36,793 min (Pole-Position von Kamui Kobayashi)
IndyCar: keine Zeit aus Silverstone
(Der letzte Vergleich zwischen einem Formel 1 und einem IndyCar auf der gleichen Bahn fand 2006 auf dem Circuit Gilles Villeneuve statt, doch damals waren die Autos anders. Sébastien Bourdais fuhr im Indy-Lola-Cosworth eine Pole von 1:20,005 min, Fernando Alonso erreichte im Renault eine Zeit von 1:14,726 min.)

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