Dänemark in der Coronakrise: Silberstreif am Horizont

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Der dänische Journalist Jonas Hüttel begleitet seit einigen Jahren den Formel-1-Zirkus, die Königsklasse ist wegen Kevin Magnussen sehr beliebt. Hüttel beleuchtet die Corona-Situation in seinem Land.

Vor wenigen Tagen hat Formel-1-Journalist und Buchautor Heikki Kulta erzählt, wie sich die Lage in Sachen SARS-CoV-2 in Finnland präsentiert. Wir bleiben im Norden und lassen den Dänen Jonas Hüttel zu Wort kommen. Er begleitet den Grand-Prix-Tross seit einigen Jahren für Ekstra Bladet, das Interesse an der Königsklasse ist in Dänemark wegen Kevin Magnussen gross.

Aber an Formel-1-Rennen ist derzeit nicht zu denken, auch wenn die Zahlen aus Dänemark gemessen an anderen europäischen Ländern niedrig sind: derzeit 2577 Erkrankte, 77 Todesfälle.

Jonas Hüttel erzählt: «Wir haben hier ab 11. März das ganze Land heruntergefahren – Schulen, Restaurants, Bars, Geschäfte, alles zu. Eine Nation arbeitet von zuhause aus. Knapp zwei Wochen später wurde der Lockdown verlängert bis Ostermontag, also 13. April. Mehr als zehn Menschen dürfen nicht zusammenstehen. Die Leute sind aufgefordert, auf Abstand zu gehen.»

«Die ersten Fälle traten bei Menschen auf, die sich in Italien aufgehalten hatten, aber zu jenem Zeitpunkt dachte kein Däne, dass Österreich ein Problem sei. Die Ursache bei einem Grossteil der danach Erkrankten konnte zu einer Après-Ski-Bar in Ischgl zurückverfolgt werden. Dann sind die Zahlen sprunghaft gestiegen, und unsere Regierung hat gehandelt. Seither haben wir mehr und mehr Kranke, aber nicht explosionsartig wie in anderen Ländern.»

«Ich bin der Ansicht, dass die Regierung schnell und richtig vorgegangen ist. Einige muckten auf, die Vorschriften sind ihnen zu drastisch, das schade der Wirtschaft. Aber wir werden ohnehin wegen der Krise in eine weltweite Rezession rutschen.»

«Das Gesundheitswesen hält der Belastung stand, auch wenn Schutzmasken und Tests knapp wurden. Der Hauptgrund für die Einschränkungen ist bei uns der gleiche wie in anderen Ländern: Sie sollen verhindern, dass viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken und die Krankenhäuser überlasten.»

«Die sozialen Netzwerke zeigen sich in dieser Pandemie von ihrer schlechtesten Seite. Da werden Informationen verbreitet von Menschen, die nicht wissen, wovon sie sprechen, aber so tun, als seien sie Virologen. Ich traue meinem eigenen Einschätzungsvermögen in der Regel mehr als einem Politiker. Aber wenn sich weltweit Wissenschafter einig sind, dann glaube ich eher ihnen als an etwas, das auf Twitter verbreitet wird.»

«Nach meiner Reise zum vermeintlichen Saisonstart in Australien bin ich erst am 23. März nach Hause gekommen, dann habe ich mich selber in Quarantäne gesteckt. Meine pensionierten Eltern befanden sich in Südafrika, als das alles anfing, zum Glück konnten sie nach Hause zurückreisen. Es geht ihnen gut. Ich kenne niemanden persönlich, der an Covid-19 erkrankt ist.»

«Der Virus selber macht mir keine Angst. Früher oder später werden sich die meisten Menschen damit anstecken. Ich mache mir mehr Sorgen um mich als Verbreiter. Daher habe ich die Anweisungen der Regierung überaus ernst genommen. Ich frage mich auch, was Regierungen und Konzerne machen, wenn wir das mal hinter uns gelassen haben – ob sie dann noch an Klimawandel oder den Verlust an Biodiversität denken, wenn es gilt, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen?»

«Die heutige Situation in Dänemark sieht so aus: Die ganzen Beschränkungen gelten bis nach Ostern. Ministerpräsidenten Mette Frederiksen hat am 30. März gesagt, wenn sich die Menschen weiterhin so diszipliniert an die Vorgaben halten und gegen die Ausbreitung des Virus vorgehen, dann könnten die Massnahmen nach Ostern schrittweise gelockert werden.»

«Wie es mit der Formel 1 weitergeht? Als ich Melbourne verliess, sagte ich zu einigen Kollegen: ‘Wir sehen uns Anfang Juni in Baku.’ Inzwischen wissen wir – das wird nicht passieren. Montreal wäre als Saisonbeginn grandios, aber das wird wohl auch nicht geschehen. Wenn ich mir die Situation in Grossbritannien und in Italien ansehe, wo neun von zehn Teams zuhause sind, dann könnte das alles noch eine Weile dauern. Ich würde mich nicht wundern, wenn die ersten Rennen im August begännen. Wenn die Zahlen in Grossbritannien durch die Decke gehen, ist sogar die Saison als Ganzes in Gefahr.»

Der gegenwärtige Formel-1-Kalender 2020

14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
05. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
02. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
06. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

Ohne neuen Termin
Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ

Abgesagt
Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC

Das ursprüngliche WM-Programm

15. März: Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
22. März: Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
5. April: Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
19. April: Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
3. Mai: Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
10. Mai: Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
24. Mai: Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC
7. Juni Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
5. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
2. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
6. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

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