Pandemie in Ungarn: Hoffnung namens Ausgangssperre

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Die Anzahl Covid-19-Erkrankungen ist in Ungarn verhältnismässig gering. Der ungarische Formel-1-Berichterstatter und Buchautor Károly Méhes sagt, wie er die Situation in seiner Heimat sieht.

Seit 1986 ist der Grosse Preis von Ungarn unweit der Stadt Budapest fester Bestandteil des Formel-1-Programms. Der Termin Ende Juli, Anfang August garantiert in der Regel Postkartenwetter und spannende Rennen – weil sich die Fahrer bei oft sehr hohen Temperaturen schwertun, ihre Reifen am Leben zu erhalten.

Seit den 80er Jahren ist auch Károly Méhes fester Bestandteil der Formel 1. Seine Liebe zum Sport begann mit der Begeisterung für das kanadische Idol Gilles Villeneuve. Méhes hat sogar ein hervorragendes Buch geschrieben über den früheren Ferrari-Star, «Gilles Villeneuve – His untold life from Berthierville to Zolder».

Heute sitzt Károly zuhause und macht sich wie Millionen seiner Mitmenschen grosse Sorgen. Gemessen an anderen europäischen Ländern ist Ungarn in der Coronakrise bislang verhältnismässig glimpflich davongekommen. Ungarn hat knapp 10 Millionen Einwohner. Am Virus SARS-CoV-2 erkrankt sind nach jüngsten Zahlen 447, verstorben sind 15 Menschen.

Károly Méhes sagt: «Die Zahlen steigen auch bei uns, aber viel weniger dramatisch als in anderen Ländern. Die Behörden haben daraus gelernt, was anderswo passiert ist. Aber wir sind uns noch immer nicht im Klaren darüber, ob der grosse Knall vielleicht erst noch kommt, wie sich also die Situation bei uns entwickelt.»

«Bislang haben wir den Eindruck, dass die Regierung generell auf die Krise gut reagiert hat. Aber es gibt auch Kritik, dass wir Massnahmen zu spät ergriffen haben und die Lage nicht ernst genug genommen worden ist.»

«Wir mussten Masken und anderes medizinisches Material aus dem Ausland kommen lassen, weil unser Gesundheitssystem auf so etwas wie die Coronakrise nicht vorbereitet war. Ich glaube, wir können uns glücklich schätzen, derzeit nicht mehr Kranke zu haben. Daher hält das Gesundheitswesen derzeit der Belastung stand.»

«Ich arbeite ohnehin von zuhause aus, also hat sich für mich nicht viel geändert. Auf der anderen Seite mache ich mir Sorgen um ältere Verwandte, für die ich regelmässig einkaufe. Positiv ist, dass ich viel Zeit habe, mich um Dinge zu kümmern, die früher ein wenig liegen geblieben sind.»

«Wir sind in der privilegierten Situation, dass all unsere Familienmitglieder und Freunde derzeit gesund sind. Ich hoffe inständig, dass das auch so bleibt.»

«Am meisten zu schaffen macht mir die Tatsache, dass kein Mensch derzeit sagen kann, wann wir so etwas wie Licht am Ende des Tunnels erkennen werden. Am vergangenen Freitag erst hat Premierminister Orbán eine Ausgangssperre verhängt, um die weitere Verbreitung des Virus zu hemmen, sie gilt vorderhand bis 11. April. Wir dürfen die Häuser nur noch verlassen, um wichtige Besorgungen zu machen oder um zur Arbeit zu gehen. Erlaubt sind auch Spaziergänge im Freien – aber unter Einhaltung des Sicherheitsabstands. Von 9.00 bis 12.00 Uhr früh dürfen in Lebensmittelgeschäften, Apotheken und Drogerien nur Menschen über 65 Jahre einkaufen. Verstösse werden mit Geldbussen bestraft.»

«Selbst wenn unsere Zahlen gemessen an jenen in anderen Ländern niedrig sind – ich fürchte, es wird zuerst übler, bevor es besser wird. Mit etwas Glück haben wir bis im Sommer das Schlimmste hinter uns.»

«Was unseren Grand Prix angeht, so wird alles davon abhängen, wie sich die Lage nicht nur bei uns entwickelt, sondern auch in den anderen Ländern. Die geplanten Anlässe auf dem Hungaroring im April und Mai sind alle abgesagt.»

«Das ganze Land wird wirtschaftlich leiden. Unsere Rennszene ist sehr klein, also werden auch die Auswirkungen auf den nationalen Rennsport klein sein.»

«Mir war immer klar, dass der Formel-1-Termin von Baku Anfang Juni nicht zu halten sein würde. Vor wenigen Tagen dachte ich noch, vielleicht schaffen wir einen Saisonbeginn Ende Juni in Frankreich oder Anfang Juli in Österreich. Aber das war, bevor die Zahlen förmlich explodiert sind. Heute kann ich mir schwer vorstellen, dass besonders Corona-betroffene Länder wie Frankreich, Spanien oder Italien überhaupt einen Grand Prix austragen werden.»

«Formel-1-CEO Chase Carey spricht von einem WM-Programm aus 15 bis 18 Rennen. Ich glaube, realistischer sind zehn bis zwölf. Ob das noch eine richtige Weltmeisterschaft ist? In den 50er und 60er Jahren hatten wir auch nicht mehr Saisonrennen, und das war auch okay.»

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