Fernando Alonsos Comeback: Triumph oder Drama?

Von Gerhard Kuntschik
Formel 1
Im nächsten Jahr kehrt Fernando Alonso zu jenem Team zurück, mit dem er seine grössten Formel-1-Erfolge feierte. Ob das GP-Comeback mit den Franzosen auch von Erfolg gekrönt sein wird, steht in den Sternen.

Mit einem WM-Titel auf der Langstrecke (WEC) im überlegenen Toyota, zwei Auftritten im Indy 500 – einmal nach Führung ausgeschieden, einmal nicht qualifiziert – sowie einem Abenteuer in der Rallye Dakar (13.) fand Fernando Alonso Abwechslung im Motorsport, nachdem er 2018 die Formel 1 frustriert verlassen hatte. Nun das Comeback 2021 mit Renault: Wie wird es dem zweifachen F1-Champion (2005/06) mit eben diesem Team dabei ergehen, dann als fast 40-Jähriger?

Ein Blick auf frühere F1-Rückkehrer nach Auszeiten aus verschiedenen Gründen ergibt ganz unterschiedliche Erfolge oder Pleiten. Wenn es für Alonso optimal laufen soll, müsste ihm ein Husarenstück wie Alain Prost gelingen: Der gönnte sich nach drei WM-Titeln (alle mit McLaren) nach seinem Ferrari-Frust 1991 eine Saison Auszeit (clever, weil ohne siegfähiges Auto) und kehrte 1993 mit Williams (sehr siegfähig damals) zurück – 16 Rennen, nochmals sieben Siege zu den 44 zuvor und der vierte WM-Titel. Danach reichte es dem Professor – der jetzt eben Berater bei Renault ist... und vermutlich an Alonsos Heimholung mitwirkte.

Oder Niki Lauda. Der hatte 1979 in Montréal nach zwei Titeln und einer Wiederauferstehung bekanntlich genug vom Im-Kreis-Fahren, doch nicht genug Cash für seine erste Lauda Air: Comeback 1982 bei McLaren, angeblich für damals unglaubliche drei Millionen US-Dollar pro Jahr. Die Folge waren acht weitere Siege zu den 17 zuvor (Ferrari, Brabham-Alfa) und der dritte WM-Sieg 1984. Ende 1985 war für Niki Schluss als F1-Fahrer.

Immerhin noch siegfähig war der Löwe: Nigel Mansell trat 1992 als Weltmeister von der F1-Bühne und bei Williams ab, gewann als Rookie 1993 die CART-Meisterschaft, fuhr dort auch 1994 (im damals besten Team Newman-Haas) und kehrte noch 1994 zu Williams zurück: Vier Rennen, ein Sieg im historischen Finale in Adelaide, in dem sich Michael Schumacher gegen Damon Hill zum Titel boxte. Dann der Millionendeal mit Ron Dennis: McLaren-Traumvertrag, doch allein der – hmmm, muskulöse – Mansell passte gar nicht in den superschlanken McLaren – Ausstieg nach zwei Rennen.

Sicher anders hatte sich Michael Schumacher sein F1-Comeback in der Traumehe mit Mercedes vorgestellt: Nach sieben Titeln und 91 Siegen (jeweils Benetton/Ferrari) reichte es 2010 bis 2012 bei den Silbernen zu einem dritten Platz 2012 in Valencia.

Unglücklich wie vieles andere in seinem Leben war auch Alex Zanardis F1-Zeit: Von 1991 bis 1994 in den Nachzüglerteams Jordan, Minardi und Lotus mit einem einzigen WM-Punkt 1993 in Brasilien, dann Wechsel in die CART-Serie – und dort 1997 und 1998 grosser Champion. 1999 der zweite Versuch mit Williams in der Formel 1: 16 Rennen mit zwölf Ausfällen, ein punkteloses Desaster. Danach ging der sympathische Bologneser wieder in die USA, bis zur Tragödie auf dem Lausitzring 2001.

Ein Weltmeister-Comeback, das zum Desaster wurde, erlebte Alan Jones (1980 Champion mit Williams) 1985/86 nach fast vier Jahren Abstinenz mit Lola-Haas: Ein vierter und ein sechster Platz waren die einzigen zählbaren Ränge.

Fast ein Experte für Comebacks wurde Alex Wurz: 1997 bis 2000 bei Benetton (ein Podium), dann McLaren-Tester, 2005 in Imola Ersatzmann für den gehandicapten Montoya und nach Disqualifikation der BAR-Honda Dritter. Und wieder Rückschritt in die zweite Reihe bei Williams, aber Comeback 2007 für seine letzte F1-Saison – Dritter in Montréal, in dem Rennen, in dem Robert Kubica so dramatisch verunfallte.

Doch der Pole versäumte nur wenig, kam zurück und gewann an gleicher Stelle ein Jahr später – fabulös. 2011 im Februar passierte Kubica der verhängnisvolle Rallye-Unfall mit schwerer Handverletzung – neun Jahre später kam er zum F1-Comeback im nicht konkurrenzfähigen Williams-Team, holte einen zehnten Platz (ein Punkt). Freitag darf Kubica im Alfa Romeo-Renner vormittags in Spielberg trainieren.

Der Rekordhalter für die längste Pause zwischen F1-Einsätzen ist der Mann, der hinter dem Holland-GP die Fäden zieht: Jan Lammers, Le-Mans-Sieger 1988. Es dauerte zehn Jahre, bis der heute 64-Jährige nach dem Abgang 1982 wieder ins F1-Cockpit stieg, 1992 für die letzten Saisonrennen in Japan und Australien. Lammers schaffte in 23 Rennen keinen Punkt.

Den grössten Albtraum erlebte wohl Luca Badoer, der «ewige» Ferrari-Tester, als Ersatzmann für den in Ungarn 2009 verunglückten Felipe Massa. Im Ferrari fuhr er in Valencia und Spa am Ende des Feldes, nach zwei Rennen zogen die Italiener die Notbremse und holten Giancarlo Fisichella für den Rest der Saison. Badoer hält den «Rekord» für die meisten F1-Starts ohne Punkte (51).

Im Fall Alonso darf man annehmen: Der Erfolg im Comeback wird davon abhängen, wie gut der Renault sein wird – oder wie gut der Asturier das Auto macht.

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