Steiermark-GP: Renault-Protest gegen Racing Point

Von Mathias Brunner
Formel 1
Der 2020er Wagen von Racing Point

Der 2020er Wagen von Racing Point

​Im Anschluss an den Grossen Preis der Steiermark hat Renault einen Protest gegen Racing Point eingelegt (Sergio Pérez Sechster, Lance Stroll Siebter), das Auto sei zu stark an den 2019er Mercedes angelehnt.

Renault protestiert gegen Racing Point: Mehr als zwei Stunden nach der Zielflagge auf dem Red Bull Ring sind die Franzosen vorstellig geworden bei den Rennkommissaren Gerd Ennser, Felix Holter, Walter Jobst und Emanuele Pirro. Die Regelhüter des Autosport-Weltverbands FIA müssen die Frage klären, ob Racing Point mit einer offensichtlichen Kopie des 2019er Mercedes fahren darf.

Ein Teil der Konkurrenz grollt über den Racing Point RP20, seit sie den Wagen bei den Wintertests zu sehen bekommen hat. Für sie wirft die Ähnlichkeit des 2020er Racing Point zum 2019er Mercedes die Frage auf, ob der Rennstall aus Silverstone dem Reglement Genüge getan hat, wonach ein Auto selber gebaut werden muss.

Renault teilt mit: «Wir bestätigen hiermit, dass wir den Rennkommissaren eine Anfrage eingereicht haben, was die Legalität des Racing Point RP20 angeht. Bis die Kommissare dazu Stellung nehmen, werden wir uns zu diesem Fall nicht weiter äussern.»

Es geht um die reglementsgetreue Auslegung des Reglements in Sachen der so genannten «listed parts». Auf dieser Liste stehen Bauteile, die ein Formel-1-Team laut Reglement alleine herstellen muss. Dazu gehören zum Beispiel die Sicherheitszelle, die vordere Crash-Struktur, die Überroll-Struktur und die Karosserie mit einigen Ausnahmen. Listed parts müssen ausschliesslich selber gebaut werden, sie dürfen nicht von einem anderen Rennstall übernommen werden.

An den ersten beiden GP-Wochenenden auf dem Red Bull Ring hat sich der Speed von Racing Point aus den Wintertests bestätigt. Nun sind der Mexikaner Sergio Pérez und der Kanadier Lance Stroll auf den Rängen 6 und 7 ins Ziel gekommen.

Racing Point-Technikchef Andy Green sagte gegenüber SPEEDWEEK.com bei den Wintertests: «Ja, unser Auto ähnelt dem Mercedes in gewissen Bereichen, aber wir finden in der Boxengasse einige Fahrzeuge, welche sich an anderen orientieren. Wir sind da keine Ausnahme. Wir haben im letzten Sommer entschieden – wir müssen etwas radikal Anderes machen. Wir spürten, dass wir mit der Evolution unseres Renners RP19 an Grenzen stossen. Wir stellten uns die Frage: Könnte uns mit einem komplett anderen Konzept vielleicht ein grösserer Schritt nach vorne gelingen?»
«Wir haben nur noch ein Jahr mit diesem Reglement. Also sind wir bewusst das grosse Risiko eingegangen, etwas Neues zu machen. Wir haben nichts zu verlieren. Hätten wir das Konzept des RP19 fortgesetzt, wären wir in der WM-Wertung stehengeblieben.»
«Gleichzeitig wurde es immer schwieriger, eine Route wie Red Bull Racing einzuschlagen, also mit einem an der Hinterachse recht hochbeinigen Auto, gleichzeitig aber Motor, Getriebe und Aufhängung von Mercedes zu übernehmen, deren Auto eine andere Philosophie verfolgt. Wir fragten uns: Wieso nicht den Weg von Mercedes gehen? Wenn du ein 2019er Mercedes-Getriebe und einen Mercedes-Motor verwendest, dazu einige Aufhängungsteile, dann macht es einfach Sinn, hier noch weiter zu gehen.»

«Die Aufregung um unsere Entscheidung kann ich kaum verstehen. Rennställe haben immer schon Konzepte oder Teile von Anderen übernommen – Flügel, Doppel-Diffusor, angeblasener Diffusor, Kopieren gehört zum Geschäft. Wir machen nichts anders, wir machen nichts Neue, wir machen nichts Illegales. Ich frage mich eher, wieso nicht mehr Teams diesen Weg gehen.»

«Ich weiss nicht, worüber sich die Gegner beschweren. Wir sind innerhalb des Erlaubten, und der Sinn der Formel 1 besteht darin, ein so schnelles Auto als möglich im Rahmen des Reglements zu bauen. Das haben wir getan. Und natürlich orientieren wir uns dabei am besten Auto im Feld. Wenn andere diesen Weg nicht beschreiten wollen, dann ist das ihre Sache. Sie hätten die gleiche Chance gehabt, sie haben es nicht getan.»

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