Bottas von Russell gebrochen? Ratlosigkeit bei Wolff

Von Andreas Reiners
Toto Wolff mit Valtteri Bottas

Toto Wolff mit Valtteri Bottas

George Russell war beim GP in Bahrain die positive Überraschung bei Mercedes, er hat bewiesen, warum er als Toptalent gilt. Wer plötzlich im Abseits steht, ist Valtteri Bottas.

George Russell sank nach dem für ihn so emotionalen GP in Bahrain ins Gras und verstand die Welt nicht mehr. Der Brite hatte in einem Rennen komprimiert das ganze Pech, das Champion Lewis Hamilton 2020 auf der Strecke verschont hatte.

Doch Russell konnte seinen Marktwert fraglos steigern. Ganz im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Valtteri Bottas, dessen Aktien im Tiefflug sind.

Kritiker haben ihn sowieso immer nur als Beiwerk zu Hamilton gesehen, als Nummer zwei, als «Wing Man», wie es Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff einmal selbst sagte.

«Bottas kann froh sein, dass er einen Vertrag hat», stellte Ralf Schumacher in seiner Sky-Presserunde klar: «Das ist nicht mehr der Bottas, den ich Anfang des Jahres gesehen habe, er ist nicht mehr so aggressiv.»

Bottas wurde am Ende Achter und landete damit einen Platz vor Russell, doch der 22-Jährige hatte den Finnen das ganze Rennwochenende über abgekocht, auch im Rennen, das Russell möglicherweise gewonnen hätte, wenn er kurz vor Schluss nicht noch einmal an die Box gemusst hätte.

«Jetzt muss er Gas geben, das ist ein schwerer Schlag», so Schumacher: «Ein Vertrag bedeutet nicht, dass man den Sitz so sicher hat in der Formel 1. Vielleicht erleben wir da noch eine Überraschung.»

Auch der neue Sky-Experte Timo Glock hält die Situation von Bottas für «schwierig». Bottas hat ja nicht nur in Bahrain gegen Russell auf die Mütze bekommen, sondern ist seit seinem Wechsel zur Saison 2017 chancenlos gegen Hamilton. «Er verschiedene Wege versucht, wie er noch mehr aus sich herausholen kann. Es tut dann weh, wenn man merkt, dass man es nicht hinbekommt. Das Wochenende jetzt war noch einmal on Top, ein Wochenende, das ihn eventuell gebrochen hat. Er hat wirklich alles versucht. Das im Kopf zu verarbeiten ist schwierig, das wird an ihm nagen», sagte Glock.

Deshalb sagt Schumacher: «Mercedes muss sich Gedanken machen, Russell verdient die Chance. Und vielleicht ist jetzt auch ein anderes Team an ihm dran.»

Und was sagt Toto Wolff? Er wurde in die Runde zugeschaltet und natürlich nach Russell und Bottas gefragt.

«Es ist alles andere als einfach, er gerät damit immens unter Druck», so Wolff über Bottas. Man wisse, was man an ihm habe, so Wolff, der Vorzüge des Finnen betonte, dass er Hamilton zum Beispiel auf einer schnellen Runde in nichts nachstehe. Doch die Veränderung über die Saison ist auch Wolff aufgefallen.

Was ist passiert? «Wenn ich das wüsste», ist auch der Sportchef ratlos: «Ich habe den Eindruck, dass die Luft raus ist, wenn die Meisterschaft verloren ist, in die er alles reingesetzt hat. Das müssen wir besprechen. Er muss es auf den Punkt bringen, und das über eine ganze Saison hin.»

Was Toptalent Russell betrifft, mahnt Wolff zur Geduld. Bottas hat noch einen Vertrag für 2021, Hamilton hat seinen noch nicht unterschrieben, das gilt aber eigentlich als Formsache. «Jetzt müssen wir den Ball flachhalten», sagte Wolff.

Wolff schließt nicht aus, dass es vielleicht doch zu einer Überraschung kommen könnte: «Man weiß nie. Ein schwarzer Schwan schwimmt immer dann vorbei, wenn man es am wenigsten glaubt. Aber über kurz oder lang wird George in diesem Auto sitzen.»


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