Toto Wolff (Mercedes): «Es war herzzerreissend»

Von Otto Zuber
Formel 1
Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff

Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff

Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff und der leitende Ingenieur Andrew Shovlin sprechen über den verpatzten Boxenstopp von Sakhir und erklären, was den schleichenden Plattfuss am Auto von George Russell verursacht hat.

Im Sakhir-GP musste Mercedes gleich mehrere bittere Pillen schlucken. Erst warf die Boxenstopp-Blamage Rennleader George Russell und Polesetter Valtteri Bottas zurück, dann musste der junge Engländer, der für den Covid-19-infizierten Weltmeister Lewis Hamilton einspringen durfte, ein weiteres Mal an die Box, weil er einen schleichenden Plattfuss hatte. Am Ende kam das Duo, das aus der ersten Startreihe losfahren durfte, auf den Positionen 8 und 9 ins Ziel. Russell, der hinter seinem Teamkollegen blieb, drehte noch die schnellste Rennrunde.

Nach dem GP musste sich die Teamführung der Sternmarke vor den Regelhütern erklären und wurde wegen der Panne beim Doppel-Reifenwechsel, bei dem Russell mit den Vorderreifen von Bottas losgeschickt wurde, mit 200.000 Euro gebüsst. Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff gratulierte erst Rennsieger Sergio Pérez und dessen Racing-Point-Stallgefährten Lance Stroll sowie dem zweitplatzierten Esteban Ocon zum Podest-Erfolg.

Mit Blick auf die eigene Leistung sprach der Wiener Klartext: «Wir haben es verbockt. Bis zur Safety-Car-Phase sah es für uns gut aus und wir lagen auf den ersten beiden Plätzen. Die harten Reifen waren gut für uns und hätten bis zum Schluss drauf bleiben können. Aber wir hatten den Vorsprung für einen weiteren Boxenstopp und nutzten die Chance.»

«Ich glaube, dass es die absolut richtige Entscheidung war, aber sie kam spät und wir hatten ein Problem mit dem Funk», seufzte Wolff. «Dadurch hatten wir in der Box nicht die richtigen Reifen parat. Deshalb fuhr George mit den falschen Reifen aus der Box und Valtteri mit den gleichen, mit denen er hereingekommen war. George musste danach noch einmal hereinkommen, damit wir den Fehler korrigieren konnten.»

«Zu diesem Zeitpunkt war das Rennen aber noch nicht verloren und er kämpfte sich auf beeindruckende Weise wieder nach vorne. Dann hatte er jedoch einen schleichenden Plattfuss, der ihn weit zurückwarf. So etwas kann passieren, aber wir müssen diese Probleme natürlich analysieren, daraus lernen und uns verbessern», fuhr der 48-Jährige fort.

«Es war herzzerreißend für George nach einer imposanten Leistung in seinem ersten Rennen mit Mercedes, das er hätte gewinnen können. Es hat nicht sollen sein, aber ich bin mir sicher, dass es nicht seine einzige Chance auf einen Sieg bleiben wird. Auch Valtteri erlebte ein schwieriges Rennen, in dem es eine enorme Herausforderung war, am Ende auf diesen Reifen zu fahren», erklärte Wolff weiter. Und er versprach: «Wir werden sicherstellen, dass wir daraus unsere Lehren ziehen und am nächsten Wochenende in Abu Dhabi gestärkt zurückkommen.»

Der leitende Ingenieur Andrew Shovlin hielt seinerseits fest: «Das ist ein frustrierendes Ergebnis, nachdem es lange Zeit nach einem Sieg für George sowie einem Doppelsieg für das Team ausgesehen hatte. Das Problem beim Boxenstopp war darauf zurückzuführen, wie unser Funksystem die Nachrichten priorisiert und das hat uns eiskalt erwischt. Als das Safety-Car auf die Strecke fuhr, forderten wir die Crew dazu auf, sich vorzubereiten und die Reifen für beide Autos in die Boxengasse zu bringen. Als diese Nachricht gerade gesendet wurde, verhinderte ein weiterer Funkspruch für einen sehr kurzen Moment, dass eine der wichtigen Meldungen bis zu einem Teil der Jungs durchging, die die Reifen holen.»

«Die Gefahr lauerte schon immer im System und es hätte uns jederzeit in den vergangenen Saisons passieren können. Die daraus entstandenen Probleme waren darauf zurückzuführen und definitiv nicht der Fehler eines Mitglieds unserer Boxenmannschaft, die das gesamte Jahr über grossartige Arbeit geleistet hat», betonte der Brite.

«Der Vorfall hat die Chancen unserer beiden Fahrer stark vermindert, beide verloren Positionen und Valtteri hatte noch nicht einmal die frischen Reifen am Auto, die wir für ihn vorgesehen hatten. George kämpfte sich fantastisch durch das Feld zurück, aber dann hatte er erneut Pech, als wir in den Schlussrunden einen schleichenden Plattfuss entdeckten, der durch Teile auf der Strecke hervorgerufen wurde», offenbarte Shovlin daraufhin. «Wir hatten keine andere Wahl, als ihn noch einmal hereinzuholen. Er war jedoch fest entschlossen, nicht aufzugeben und zeigte noch einmal eine klasse Aufholjagd bis in die Punkteränge. Zudem fuhr er die schnellste Rennrunde.»

Sakhir-GP, Bahrain

1. Sergio Pérez (MEX), Racing Point, 1:31:15,114 h
2. Esteban Ocon (F), Renault, +10,518 sec
3. Lance Stroll (CDN), Racing Point, +11,869
4. Carlos Sainz (E), McLaren, +12,580
5. Daniel Ricciardo (AUS), Renault, +13,330
6. Alex Albon (T), Red Bull Racing, +13,842
7. Daniil Kvyat (RUS), AlphaTauri, +14,534
8. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes, +15,389
9. George Russell (GB), Mercedes, +18,556
10. Lando Norris (GB), McLaren, +19,541
11. Pierre Gasly (F), AlphaTauri, +20,527
12. Sebastian Vettel (D), Ferrari, +22,611
13. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo, +24,111
14. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo, +26,153
15. Kevin Magnussen (DK), Haas, +32,370
16. Jack Aitken (GB), Williams, +33,674
17. Pietro Fittipaldi (BR), Haas, +36,858
Out
Nicholas Latifi (CDN), Williams, Ölleck
Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, Crash
Charles Leclerc (MC), Ferrari, Crash

WM-Stand Fahrer nach 16 von 17 Rennen

1. Hamilton 332 Punkte
2. Bottas 205
3. Verstappen 189
4. Pérez 125
5. Ricciardo 112
6. Leclerc 98
7. Sainz 97
8. Albon 93
9. Norris 87
10. Stroll 74
11. Gasly 71
12. Ocon 60
13. Vettel 33
14. Kvyat 32
15. Nico Hülkenberg (D) 10
16. Räikkönen 4
17. Giovinazzi 4
18. Russell 3
19. Grosjean 2
20. Magnussen 1
21. Latifi 0

Marken
1. Mercedes 540
2. Red Bull Racing 282
3. Racing Point 194
4. McLaren 184
5. Renault 172
6. Ferrari 131
7. AlphaTauri 103
8. Alfa Romeo 8
9. Haas 3
10. Williams 0

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