Nikita Mazepin: Kein leichtes Spiel für Schumacher

Von Mathias Brunner
Mick Schumacher gegen Nikita Mazepin

Mick Schumacher gegen Nikita Mazepin

Wann ist eine Entschuldigung ehrlich gemeint und wann ist sie halbherzig? Nikita Mazepin sieht sich nicht in der Rolle des Bösewichts gegen Mick Schumacher und wiegelt alles ab.

Der sechsfache GP-Sieger Ralf Schumacher weiss: Eine Rad-an-Rad-Berührung bei Tempo 300, das ist im Motorsport potenziell lebensgefährlich. Deshalb reagierte der 180fache GP-Teilnehmer schockiert, als er die Bilder aus Baku sah – wie Haas-Fahrer Nikita Mazepin seinen Haas-Renner nach rechts zucken liess, just als Stallgefährte Mick Schumacher zum Überholmanöver angesetzt hatte. Ralf meinte als TV-Experte der deutschen Sky: «Wenn man Rad an Rad fährt, kann man auch schnell mal fliegen gehen. Man will sich überhaupt nicht vorstellen, was passiert, wenn 750 Kilogramm ins Fliegen kommen.»

Mick Schumacher schimpfte am Funk wie ein Rohrspatz («Will der uns umbringen?»), später äusserte sich der Ferrari-Junior ein wenig gemässigter und sprach von einer Entschuldigung des Russen.

Aber das Verhältnis ist beschädigt, wie Mick Schumacher in Le Castellet betont: «Ein wenig Vertrauen ist schon weg, das ist wahr. Denn ich weiss ehrlich gesagt nicht, was ich das nächste Mal von ihm erwarten soll. Aber ich bin sicher, nach Team-internen Gesprächen wird er sich wohl anders verhalten.»

«Wir hatten jedenfalls gleich nach dem Rennen eine Sitzung und haben die dicke Luft ein wenig geklärt. In jenem Moment fand ich das Manöver sehr verwirrend, denn ich hatte so etwas nicht erwartet, schon gar nicht vom Stallgefährten.»

«Wenn du dort attackierst, ist der Windschatten so stark, da gibt es kein Zurück. Und der Vordermann kann dich eigentlich nur aufhalten, wenn er dich zur Seite drängt, so wie Nikita das versucht hat. Aber ich blieb voll auf dem Gas. Es war eine gefährliche Situation, daher meine heftige Reaktion.»

Der Moskauer Mazepin sagte unmittelbar nach Fallen der Zielflagge am Funk zu seinem Renningenieur nur: «Wir wurden leider geschlagen, das tut weh.»

In Le Castellet spielt Mazepin das Unschuldslamm: «Ich würde nicht mal von einem Zwischenfall reden, beide Fahrzeuge kehrten an die Box zurück, beide Autos waren unbeschädigt, nicht mal die Lackierung war angekratzt. Ich wählte die Innenseite, er die Aussenseite, und als ich sah, dass es aussen versucht, zog ich wieder nach links.»

Mazepin spricht anhaltend von einem Missverständnis und fügt hinzu: «Wir sind zwei junge Fahrer am Limit, da kann es halt zu solchen Situationen kommen. So lange die Autos unbeschädigt sind, ist das für den Teamchef wohl okay.»

Mick Schumacher erwähnt eine Sitzung zwischen Teamchef Günther Steiner, dem leitenden Ingenieur Ayao Komatsu und Nikita Mazepin. Dann wurde Mick dazugerufen. Mick: «Nachdem er das Video gesehen hat, hat er sich bei mir entschuldigt.»

Mazepin zu diesen Momenten: «Diskussionen innerhalb des Teams sollten in den eigenen vier Wänden bleiben. Aber jetzt, wo die Katze aus dem Sack ist, kann ich dazu sagen – Mick war offenbar sehr aufgebracht, also fand ich es angemessen, mich zu entschuldigen. Auch wenn ich mich nicht in einer Schuld sehe.»

«Aber Schumacher muss schon wissen, dass er kein leichtes Spiel hat. Auch wenn ich ihn nie blockieren würde. Nochmals: Ich hatte einfach nicht erwartet, dass er auf der Aussenbahn überholen will.»

Aserbaidschan-GP, Baku

01. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing RB16B-Honda, 1:39:40,034h
02. Sebastian Vettel (D), Aston Martin AMR21-Mercedes, +1,421 sec
03. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT02-Honda, +2,865
04. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF21, +3,995
05. Lando Norris (GB), McLaren MCL35M-Mercedes, +4,918
06. Fernando Alonso (E), Alpine A521-Renault, +6,604
07. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri AT02-Honda, +7,063
08. Carlos Sainz (E), Ferrari SF21, +7,936
09. Daniel Ricciardo (AUS), McLaren MCL35M-Mercedes, +9,132
10. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo C41-Ferrari, +10,021
11. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo C41-Ferrari, +10,727
12. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W12, +11,748
13. Mick Schumacher (D), Haas VF-21-Ferrari, +14,018
14. Nikita Mazepin (RUS), Haas VF-21-Ferrari, +14,615
15. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W12, +17,789
16. Nicholas Latifi* (CDN), Williams FW43B-Mercedes, +13,052
*10-sec-Stop-and-Go-Strafe in 30-Sek-Zeitstrafe umgewandelt (Boxengasse während der Gelbphase nicht genutzt)
Out
George Russell (GB), Williams FW43B-Mercedes, Getriebedefekt
Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB16B-Honda, Reifenschaden, Unfall
Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR21-Mercedes, Reifenschaden, Unfall
Esteban Ocon (F), Alpine A521-Renault, Motordefekt

WM-Stand nach 6 von 22 Rennen

01. Verstappen 105 Punkte
02. Hamilton 101
03. Pérez 69
04. Norris 66
05. Leclerc 52
06. Bottas 47
07. Sainz 42
08. Gasly 31
09. Vettel 28
10. Ricciardo 26
11. Alonso 13
12. Ocon 12
13. Stroll 9
14. Tsunoda 8
15. Räikkönen 1
16. Giovinazzi 1
17. Schumacher 0
18. Russell 0
19. Mazepin 0
20. Latifi 0

Konstrukteurs-Meisterschaft
01. Red Bull Racing 174 Punkte
02. Mercedes 148
03. Ferrari 94
04. McLaren 92
05. AlphaTauri 39
06. Aston Martin 37
07. Alpine 25
08. Alfa Romeo 2
09. Haas 0
10. Williams 0

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