Gerhard Mitter: Eine Siegesserie mit Gipsfuß

Kolumne von Rainer Braun
Formel 1
Am zweiten Juni-Wochenende 1966 hat Porsche-Werkspilot Gerhard Mitter etwas durchgezogen, das heute in dieser Form undenkbar wäre.

Das gehörte damals zum Tagesgeschäft: Nach einem deftigen Abflug beim 1000-km-Rennen in Spa musste ein gebrochener linker Fuß von Gerhard Mitter für mehrere Wochen in Gips gelegt werden. Das hinderte den um diese Zeit besten deutschen Rennfahrer aber keineswegs daran, die nächsten Rennen am Rossfeld (Europa-Bergmeisterschaft), auf dem Flugplatzrennen Mainz-Finthen eine Woche später und schließlich auch noch das Sportwagenrennen am Norisring in Angriff zu nehmen.

Der skurril anmutende Ablauf war immer der gleiche: Gestützt auf zwei Krücken näherte sich der lädierte Profi den Cockpits seiner Werks-Porsche. Das waren bei der Berg-EM am Rossfeld ein Leichtbau Coupé (Typ 906 «Ollon Villars»), in Finthen und am Norisring jeweils ein Carrera 6. Wenn ich das Geschehen damals nicht als Berichterstatter und Streckensprecher mit eigenen Augen verfolgt hätte, würde ich die Slapstick-Nummer heute selbst nicht glauben.

Mit dem eingegipsten linken Fuß brauchte Mitter lediglich zu kuppeln, was sich aber für die Dauer des Heilungsprozesses nicht gerade als zuträglich erwies.

Ich saß bei allen drei Rennen am Strecken-Mikrofon und konnte jeweils begeistert schildern, wie Mitter trotz des Handicaps seine hochwertigen Gegner der Reihe nach abgefrühstückt hat.

Am Rossfeld nahm er Ferrari-Star Ludovico Scarfiotti (Dino V6) auf der 5,9 km langen Strecke nach Addition beider Läufe mal eben sechs Sekunden ab. Eine Woche später auf dem Flugplatz Mainz-Finthen hatte Hollands Top-Pilot Ben Pon im baugleichen Carrera 6 keine Chance und am Norisring triumphierte Mitter gar über seinen besten Freund Udo Schütz und Porsche-Werksfahrer-Kollegen (beide Carrera 6).

Unter heutigen Sicherheitsaspekten erscheint einem das Geschehen rund um Mitters Renneinsätze mit Gipsfuß als völlig irreal und hochgefährlich. So mussten zwei Mechaniker den fußlahmen Piloten vor jedem Start hinters Lenkrad bugsieren und nach getaner Arbeit wieder aus dem Cockpit hieven. Auch beim Entern der Siegerpodeste waren Helfer vonnöten. Weder die Sportbehörde noch Sportkommissare vor Ort erhoben Einwände.

Heute staunt und schmunzelt man zwar über Mitters riskante Episode. Aber man darf wirklich nicht dran denken, was im Falle eines Unfalls mit eingeklemmtem Fahrer oder gar Feuer passiert wäre …

Drei Jahre später, am 1. August 1969, ist Gerhard Mitter kurz vor seinem 34. Geburtstag in einem BMW Formel 2-Rennwagen am Nürburgring im Streckenabschnitt Schwedenkreuz tödlich verunglückt.

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