Schlauer Fernando Alonso: Videowand beobachtet

Von Mathias Brunner
Fernando Alonso und Esteban Ocon

Fernando Alonso und Esteban Ocon

Fernando Alonso hielt in Ungarn Weltmeister Lewis Hamilton in Schach und stellte damit die Weiche zum Sieg seines Alpine-Kollegen Esteban Ocon. Eine besondere Anweisung für den Spanier war nicht notwendig.

Was für ein Leckerbissen! Die Fans schwärmen auf den sozialen Netzwerken auch Tage nach dem spektakulären Ungarn-GP noch darüber, wie sich Fernando Alonso gegen Champion Lewis Hamilton verteidigt hat. Der 40-jährige Asturier zeigte fast sein ganzes Repertoire, um den viel schnelleren Mercedes-Piloten elf Runden lang zur Verzweiflung zu bringen.

Noch während des Rennens zeichnete sich ab: Es waren diese elf Runden, die verhinderten, dass Hamilton zu Alonsos Teamgefährten Esteban Ocon an der Spitze und dem dahinterliegenden Sebastian Vettel aufschliessen konnte. Alonso hat Ocon und Alpine mit seiner Fahrt den Sieg gerettet.

Auch Alpine-Sportchef Alan Permane, der schon beim Rennstall aus Enstone arbeitete, als Alonso dort mit Renault 2005 und 2006 Weltmeister wurde, ist voll des Lobes: «Fernando ist unglaublich gefahren, einfach unglaublich. Ich weiss auch, wie zerrissen er sich fühlt. Er ist auf der einen Seite überglücklich für Esteban und das Team, aber er ist andererseits auch leise enttäuscht, denn er weiss – auch er hätte auf dem Siegerpodest stehen können.»

Permane ist überzeugt: «Ja, ohne die brilliante Arbeit von Fernando gegen Hamilton hätten wir nicht gewonnen. Ich glaube nicht, dass Vettel und Ocon gegen Lewis eine Chance gehabt hätten.»

Viele Fans haben sich gefragt: Gab es eigentlich eine Anweisung an den alten Fuchs Alonso, sich gegen Hamilton so breit als möglich zu machen? Antwort: Nein, denn das war überhaupt nicht nötig – Fernando hatte die Situation längst erkannt.

Alonso: «Das Team sagte mir nichts, aber ich verfolgte die ganze Zeit auf den Videowänden, was im Rennen vor sich geht. Ich sah, wie sich Esteban gegen Vettel verteidigt, und ich wusste, dass sie ungefähr zwei Kurven vor uns liegen. Mir war klar, wie lange wir noch fahren, ich kannte den Speed von Lewis, und ich konnte mir leicht ausrechnen – jede Runde, in welcher ich mich vor Hamilton halten kann, wird Esteban helfen.»

Alonsos langjähriger Wegbegleiter, der Techniker Pat Symonds, hat mir über den Astrurier einmal gesagt: «Fernando ist überragend darin, ein Rennen sozusagen zu lesen. Fahrer wir er und Michael Schumacher können sich gewissermassen vom reinen Fahren mental abkoppeln und haben Reserven, um über den Rennverlauf nachzudenken. Ich kann mich an ein Rennen in Kanada erinnern, als Fernando fast eine ganze Runde lang über Funk am Reden war – und das war seine schnellste Rennrunde! Also, wenn ich im Auto bin und einen Anruf erhalte, dann fahre ich als Erstes mal gewiss langsamer. Ihn schien das nicht weiter zu stören. Dieses Plus an geistiger Kapazität hebt Fahrer wie Alonso von den Gegnern ab.»

Ungarn-GP, Budapest

01. Esteban Ocon (F), Alpine A521-Renault, 1:40:00,248h
02. Sebastian Vettel (D), Aston Martin AMR21-Mercedes, +1,859 sec*
03. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W12, +2,736
04. Carlos Sainz (E), Ferrari SF21, +15,018
05. Fernando Alonso (E), Alpine A521-Renault, +15,651
06. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT02-Honda, +1:03,614 min
07. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri AT02-Honda, +1:15,803
08. Nicholas Latifi (CDN), Williams FW43B-Mercedes, +1:17,910
09. George Russell (GB), Williams FW43B-Mercedes, +1:19,094
10. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB16B-Honda, +1:20,244
11. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo C41-Ferrari, +1 Runde
12. Daniel Ricciardo (AUS), McLaren MCL35M-Mercedes, +1 Runde
13. Mick Schumacher (D), Haas VF-21-Ferrari, +1 Runde
14. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo C41-Ferrari, +1 Runde
Out
Nikita Mazepin (RUS), Haas VF-21-Ferrari, Kollision
Lando Norris (GB), McLaren MCL35M-Mercedes, Kollision
Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing RB16B-Honda, Kollision
Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR21-Mercedes, Kollision
Charles Leclerc (MC), Ferrari SF21, Kollision
Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W12, Kollision
*Disqualifikation, zu wenig Sprit

WM-Stand nach 11 von 23 Rennen**

Fahrer
1. Hamilton 192 Punkte
2. Verstappen 186
3. Norris 113
4. Bottas 108
5. Pérez 104
6. Leclerc 80
7. Sainz 80
8. Ricciardo 50
9. Vettel 48
10. Gasly 48
11. Ocon 39
12. Alonso 36
13. Stroll 18
14. Tsunoda 16
15. Latifi 4
16. Russell 2
17. Räikkönen 1
18. Giovinazzi 1
19. Schumacher 0
20. Mazepin 0

Teams
1. Mercedes 300
2. Red Bull Racing 290
3. McLaren 163
4. Ferrari 160
5. Alpine 75
6. Aston Martin 66
7. AlphaTauri 64
8. Williams 6
9. Alfa Romeo 2
10. Haas 0
** WM-Stand noch unkorrigiert nach der Disqualifikation von Vettel. Aston Martin hat das Recht, gegen den Ausschluss in Berufung zu gehen

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