Jolyon Palmer über Ferrari: «Katastrophaler Fehler»

Von Vanessa Georgoulas
Die falsche Reifenstrategie kostete Leclerc im Ungarn-GP die Sieg-Chance

Die falsche Reifenstrategie kostete Leclerc im Ungarn-GP die Sieg-Chance

Die Ferrari-Strategen ernteten nach dem Formel-1-Rennen auf dem Hungaroring viel Kritik. Auch der frühere GP-Pilot Jolyon Palmer geht mit den Entscheidungsträgern der Scuderia hart ins Gericht.

Dass Ferrari-Star Charles Leclerc im Ungarn-GP hinter Max Verstappen und Sergio Pérez als Sechster ins Ziel kommen würde, hätte vor dem Rennen kaum einer gedacht. Denn der Monegasse nahm den 13. WM-Lauf des Jahres von Startplatz 3 in Angriff, während die beiden Red Bull Racing-Piloten von den Plätzen 10 und 11 losfahren mussten.

Doch im Rennen traf Ferrari nach 39 Runden auf den Medium-Reifen die falsche Strategie-Entscheidung, den 24-Jährigen auf der harten Mischung auf die Strecke zu schicken. Und weil diese nicht wie gewünscht funktionierte – was absehbar war – wechselte der Rennfahrer aus Monte Carlo nach nur 15 Umläufen auf die weiche Mischung, auf der er den letzten Stint absolvierte.

Das warf Leclerc so weit zurück, dass er sich schliesslich mit dem sechsten Platz begnügen musste. Verstappen gewann das Rennen vor Lewis Hamilton und George Russell. Leclercs Teamkollege Carlos Sainz kam als Vierter vor Pérez ins Ziel. Kein Wunder, musste sich der Rennstall aus Maranello hinterher viel Kritik anhören.

Auch der frühere GP-Pilot Jolyon Palmer erklärt in seiner Analyse auf «Formula1.com»: «Ferrari kann seiner Strategie die Schuld dafür geben, dass es in Budapest nicht zu besseren Ergebnissen als einem vierten und einem sechsten Platz gereicht hat. Es war klar, dass die harten Reifen von allen, die nicht auf einer 1-Stopp-Strategie unterwegs waren, vermieden werden sollten – und selbst dann war es nicht die optimale Wahl.»

«Es war logisch, dass Ferrari dieses Mal Leclerc an die Box holte. Sie wollten die Führung im Rennen vor Verstappens Undercut-Versuch schützen und mussten den Regeln entsprechend entweder den weichen oder den harten Reifen verwenden. Zu diesem Zeitpunkt an die Box zu fahren, bedeutete, den harten Reifen zu montieren, was letztlich ein katastrophaler Fehler war», fügt der Brite an.

«Hätte Leclerc seine Position aufgegeben und sich für die Strategie von Sainz oder Hamilton entschieden, die spät auf die weichen Reifen wechselten, hätte er das Rennen wahrscheinlich gewonnen oder zumindest um den Sieg gekämpft», ist sich Palmer sicher. Er betont: «Es war eine weitere Chance auf den Rennsieg, die dem Monegassen entgangen ist, und ich bin sicher, dass er vor der Sommerpause nach einer Erklärung gesucht hat.»

«Wenn die Strategie einfach ist, kann Ferrari damit umgehen, aber in einer dynamischen Rennsituation wie im Ungarn-GP war, scheinen sie Probleme zu haben und Punkte an Red Bull Racing und Mercedes zu verlieren», kommt der ehemalige GP-Pilot zum Schluss.

Ungarn-GP, Hungaroring

01. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, 1:39:36,533 h
02. Lewis Hamilton (GB), Mercedes, +7,834 sec
03. George Russell (GB), Mercedes, +12,337
04. Carlos Sainz (E), Ferrari, +14,579
05. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing, +15,688
06. Charles Leclerc (MC), Ferrari, +16,047
07. Lando Norris (GB), McLaren, +1:18,300 min
08. Fernando Alonso (E), Alpine, +1 Runde
09. Esteban Ocon (F), Alpine, +1 Runde
10. Sebastian Vettel (D), Aston Martin, +1 Runde
11. Lance Stroll (CDN), Aston Martin, +1 Runde
12. Pierre Gasly (F), AlphaTauri, +1 Runde
13. Guanyu Zhou (RC), Alfa Romeo, +1 Runde
14. Mick Schumacher (D), Haas, +1 Runde
15. Daniel Ricciardo (AUS), McLaren, +1 Runde
16. Kevin Magnussen (DK), Haas, +1 Runde
17. Alexander Albon (T), Williams, +1 Runde
18. Nicholas Latifi (CDN), Williams, +1 Runde
19. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri, +2 Runden
Out
Valtteri Bottas (FIN), Alfa Romeo, Motor

WM-Stand (nach 13 von 22 Rennen)

Fahrer
01. Verstappen 258 Punkte
02. Leclerc 178
03. Pérez 173
04. Russell 158
05. Sainz 156
06. Hamilton 146
07. Norris 76
08. Ocon 58
09. Bottas 46
10. Alonso 41
11. Magnussen 22
12. Ricciardo 19
13. Gasly 16
14. Vettel 16
15. Schumacher 12
16. Tsunoda 11
17. Zhou 5
18. Stroll 4
19. Albon 3
20. Latifi 0
21. Nico Hülkenberg (D) 0

Konstrukteurspokal
01. Red Bull Racing 431 Punkte
02. Ferrari 334
03. Mercedes 304
04. Alpine 99
05. McLaren 95
06. Alfa Romeo 51
07. Haas 34
08. AlphaTauri 27
09. Aston Martin 20
10. Williams 3

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