Honda-Versprechen an FIA, McLaren-Vetorecht weg

Von Mathias Brunner
Formel 1
Honda-Rennchef Yusuke Hasegawa

Honda-Rennchef Yusuke Hasegawa

​Zur Saison 2016 hin hatte McLaren-Chef Ron Dennis verhindert, dass Red Bull Zugang zum Honda-V6 erhält. Das neue Motorenreglement hebelt dieses Veto aus.

Im Sommer und Herbst 2015 standen die Red-Bull-Rennställe Red Bull Racing und Toro Rosso monatelang ohne Motoren für die Saison 2016 da. Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone versuchte sogar in letzter Verzweiflung, Weichen zu Honda zu stellen. Ungeachtet dessen, dass Honda für 2015 einen noch schlechteren Motor gebaut hatte als Renault: McLaren-Chef Ron Dennis legte sein Veto ein, damit war dieser Weg verbaut.

Was dann passierte, wissen die Formel-1-Fans: Red Bull Racing und Renault blieben letztlich doch zusammen (selbst wenn der Motor nun TAG-Heuer heisst), die Franzosen machen schöne Fortschritte. Toro Rosso erhielt ein Kontingent 2015er Motoren von Ferrari und geht damit grösseren Teams auf die Nerven.

Aber was ist nun mit Honda? Sie arbeiten noch immer exklusiv mit McLaren zusammen, aber diese Zeiten könnten ab 2017 vorbei sein. Denn das neue Reglement hält fest, dass sich die Motorhersteller zum Ausrüsten von Teams verpflichten, wenn denn Not am Mann sein solle. Damit ist das Veto-Recht von McLaren dahin.

Honda-Rennchef Yusuke Hasegawa hat das in Sotschi bestätigt. Gegenüber ESPN sagt der Japaner: «Noch haben wir keine entsprechenden Pläne, aber wir haben der FIA zugesichert, dass wir bereit sind, ab 2017 ein zweites oder gar drittes Team mit Antriebseinheiten auszurüsten. Wir gleisen das derzeit auf, um für so einen Fall gerüstet zu sein.»

Der Formel-1-Projektleiter von Honda ist froh, dass das ungebliebte Wertmarkensystem verschwindet. Künftig können sich die Techniker des Token-Korsetts entledigen und wieder frei entwickeln. Hasegawa: «Wir begrüssen es, dass wir mehr Freiheiten haben werden. Gleichzeitig sind wir für Bestrebungen, dass auch Schritte eingeleitet sind, um die Kosten im Zaum zu halten.»

Motoren: So wird für 2017 entwickelt

Das Wertmarkensystem war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Zur Erinnerung: Im Formel-1-Reglement wurde verankert, dass bei der Einführung der neuen Turbomotoren ab 2014 mit so genannten Wertmarken («token») der Motor schrittweise modifiziert werden sollen. Hintergrund dieser Entscheidung: Die Kosten sollten Schritt um Schritt herunterkommen. Doch dabei wurden zwei wichtige Punkte ausser Acht gelassen. Erstens – Mercedes-Benz baute eine geniale Antriebseinheit. Nur teilweise Entwicklung zuzulassen, das bedeutete, dass ein überlegener Hersteller seinen Vorsprung auf Jahre konservieren konnte. Aufgrund einer verbalen Ungenauigkeit im Reglement wurde es möglich, innerhalb der Saison 2015 zu entwickeln. Ferrari hatte diese Lücke erspäht, damit war ein Teil des Token-Systems bereits ausgehebelt.
Die vier Motorhersteller Renault, Mercedes, Ferrari und Honda argumentierten bei der FIA: Wenn wir wie früher frei entwickeln können, dann landen wir eher bei vergleichbaren Werten. Das Wertmarkensystem ist Ende 2016 Geschichte.

Aber stimmt das? Werden die Motoren wirklich ungefähr gleich viel leisten? Die FIA glaubt nicht so richtig daran und hat im neuen Abkommen fixiert: Es wird Einschränkungen geben bei Bauteilen, was Gewicht, Masse und Material angeht. Zudem behält sich der Autoverband vor, die Ladedruckgrenze zu regulieren (wie das in der ersten Formel-1-Turboära schon getan wurde).

Die FIA hat definiert: Messlatte in Sachen Leistung wird der Circuit de Barcelona-Catalunya sein – wenn der Power-Anteil der Rennwagen dort nicht innerhalb von drei Zehntelsekunden liegt, kann sich die FIA neue Regelmassnahmen einfallen lassen. Gemessen wird das anhand der Daten aus der Bordelektronik und gestützt auf die Drehmomentwerte. Nach welchem Schlüssel das ausgerechnet wird, verrät die FIA nicht.

Bei der Ausrüstung der Rennställe formuliert die FIA: «Es wird sichergestellt, dass Kundenteams Zugang zu Motoren erhalten. Die Zulassung eines Triebwerks wird eine Klausel zur Zwangsausrüstung beinhalten, diese Klausel wird dann aktiv, wenn ein Team ohne Motoren dazustehen droht.»

Das ist etwas wässrig verfasst. Ein Beispiel: Wenn Red Bull Racing (wie im vergangenen Jahr) mit Partner Renault nicht glücklich ist, reicht das, um diese Klausel zu aktivieren? Ebenso wenig wird erklärt, wer dann einspringen müsste.

Gemäss Informationen aus FIA-Kreisen ist es jener Motorhersteller, der am wenigsten Rennställe ausrüstet. 2015 wäre das Honda gewesen.

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