Italienische Talente: Lange Durststrecke zu Ende

Von Günther Wiesinger
Moto3
Weltmeister Lorenzo Dalla Porta bekam von seinem Vater Massimiliano die italienische Trikolore

Weltmeister Lorenzo Dalla Porta bekam von seinem Vater Massimiliano die italienische Trikolore

Nach einigen mageren Jahren greifen die Italiener wieder auf breiter Front an: Lorenzo Dalla Porta kürte sich 2019 zum ersten Moto3-Weltmeister aus Italien – und trat die Nachfolge von Andrea Dovizioso an.

Es ist noch nicht lange her, da erblickten die Italiener keinen einzigen Fahrer in der Top-Ten der kleinsten WM-Klasse. Nach 2004 (Dovizioso auf Honda) stand Italien in der kleinen Kategorie (125 ccm/Moto3) 15 Jahre lang ohne WM-Titelgewinn da, bis Lorenzo Dalla Porta 2019 die Durststrecke beendete. 2018 hatte Marco «Bezz» Bezzecchi auf der Prüstel-KTM zwar drei Grands Prix gewonnen, in der WM landete er aber nur an dritter Stelle.

Übrigens: 2004 war ein ausgezeichneter 125-ccm-Jahrgang. «Dovi» gewann die WM damals vor Barberá, Roberto Locatelli, Lorenzo und Stoner. Von den Top-5 wurden drei Fahrer später Weltmeister.

In der GP-Weltmeisterschaft greifen die Italiener in jüngster Zeit wieder auf breiter Front an: Fahrer wie Arbolino, Fenati, Antonelli, Migno, Foggia und Vietti zählen in der Moto3-Klasse zu den Top-Piloten. 2019 ging der Sieg in 8 der 19 Grand Prix nach Italien: Weltmeister Dalla Porta gewann vier Mal, auch Arbolino (2 Siege), Antonelli und Fenati (je 1 Sieg) waren erfolgreich.

In der Moto2-Klasse hat Italien 2017 mit Morbidelli und 2018 mit Bagnaia die WM gewonnen. Lorenzo Baldassarri startete 2019 mit drei Siegen in vier Rennen in die Saison, Rossi-Bruder Luca Marini gewann in Buriram und Motegi zwei Grand Prix in Folge. Auch die Rookies Di Giannantonio und Bastianini machten eine gute Figur.

In der MotoGP-Klasse standen mit Rossi, Dovizioso, Petrucci, Iannone, Bagnaia und Morbidelli sechs Italiener in der Startaufstellung.

Lange Durststrecke

Es ist noch nicht lange er, da herrschte in Italien noch Tristesse am GP-Himmel. Wer erinnert sich an 2010 und 2011? Damals kam in der 125-ccm-WM kein Italiener unter die Top-Ten der Gesamtwertung. Noch schlimmer: Simone Grotzkyi beendete diese beiden Jahre in der 125er-WM als bester Italiener auf dem 15. und 16. WM-Rang.

Auch am Saisonende 2013 fiel die Bilanz traurig aus, die italienischen MotoGP-Fans hatten damals schon eine ganze Weile nicht mehr viel zu lachen. Sogar der große Valentino Rossi hatte von Oktober 2010 (Sieg in Sepang auf Yamaha) bis Ende Juni 2013 in Assen kein MotoGP-Rennen gewonnen! Sein und Italiens letzter MotoGP-WM-Titelgewinn liegt sowieso weit zurück – 2009.

In der Moto3-Klasse blieb Italien 2012 nach dem Jerez-Sieg von Romano Fenati am 29. März sieglos. Es siegten Fahrer wie Cortese, Viñales, Salom, Kent – und sogar Louis Rossi.

2013 erlebten wir in der Moto3-Nachwuchsklasse keinen einzigen Italiener-Erfolg. 2014 gewann Fenati in Argentinien, der erste Italo-Triumph nach zwei Jahren! Fenati (KTM) siegte dann auch in Jerez, Mugello, und Aragón, es war der Beginn eines deutlichen Aufschwungs.

Italienische Team wie Gresini, Sky VR46, Ongetta Rivacold, das San Carlo Team Italia, Platinum Bay Real Estate, Leopard Racing und die SIC58 Squadra hielten Ausschau nach Talenten aus Italien, auch Mahindra Racing und Peugeot förderten die Talente in der CIV frühzeitig, Rossi setzte sogar ein Nachwuchsteam in der spanischen CEV Repsol-Meisterschaft ein.

Inzwischen sind die mageren Moto3-Jahre für Italien vorbei. In der WM 2016 landeten Bastianini, Bagnaia, Di Giannantonio, Bulega, Locatelli und Fenati auf den Rängen 2, 4, 6, 7, 9 und 10. Also sechs Italiener in den Top-10! Bagnaia gewann zwei WM-Rennen, Bastianini eines, Fenati auch eines.

In der Moto2-WM war in Italien eine Weile lang auch nicht viel los. Andrea «The Maniac» Iannone gewann zwar in den Jahren 2010 bis 2012 acht Moto2-WM-Läufe, für den Gesamtsieg kam er jedoch nie in Betracht. In der MotoGP-WM war damals aus italienischer Sicht mit Ausnahme von Rossi und Dovizioso auch nicht viel zu sehen.

Die MotoGP-Stars versetzten die Tifosi früher oft in Ekstase. Rossi gewann zum Beispiel in Mugello von 2002 bis 2008 sieben Mal hintereinander; 2003 erkämpften Biaggi und Capirossi hinter ihm die Plätze 2 und 3, 2005 war es genau so – mit Melandri an vierter Position!

Dann kamen ein paar dürre Jahre, denn Rossi fuhr 2011 und 2012 auf Ducati. Bei den Roten gelangen ihm 2012 insgesamt nur drei Podestplätze. 2013 bei der Rückkehr zu Yamaha hat er bei 18 Rennen immerhin sechs Top-3-Ergebnisse geschafft.

125 ccm/Moto3: Erster Titelgewinn nach 15 Jahren

Die Nachwuchssorgen der Italiener manifestierten sich in erster Linie in den WM-Kategorien Moto3 und Moto2. Die jungen Fenati, Antonelli, Tonucci und Co. standen 2013 mit ihren Honda gegen die übermächtigen KTM auf verlorenem Posten. Das zeigte sich an den WM-Positionen: 10. Fenati. 16. Antonelli. 26. Tonucci.

Früher gewannen die Italiener (und Sanmarinesen) in der 125-ccm-Klasse einen Titel nach dem andern. Gresini (1985 und 1987), Cadalora (1986), Capirossi (1990 und 1991), Gramigni (1992), Rossi (1979), Locatelli (2000), Poggiali (2001), Dovizioso (2004) – Lorenzo Dalla Porta trat erst 2019 die Nachfolge an.

Mittelgewichtsklasse: Acht Jahre herrschte Funkstille

Auch in der Moto2-WM sah es 2013 nicht viel besser aus. Simone Corsi feierte mit Rang 2 auf dem Sachsenring das beste italienische Ergebnis in der ganzen Saison 2013. In der WM kam kein Italiener in der Gesamtwertung in die Top-Ten, dafür brausten vier Spanier und zwei Schweizer in die Top-Ten!

Die triste Azzurri-Moto2-Bilanz im Jahr 2013: 11. Corsi. 14. De Angelis. 16. Pasini, wobei wir den aus San Marino kommenden De Angelis ausnahmsweise als Italiener durchgehen lassen.

Schwer zu glauben: In der Moto2-WM fuhren damals nur zwei echte Italiener mit! In der Moto2-Klasse traten in Mugello und Misano nicht einmal italienische Wildcard-Fahrer an.

In der mittleren Klasse räumten die Italiener früher serienweise Weltmeistertitel ab. Cadalora (1991 und 1992), Biaggi (1994, 1995, 1996 und 1997), Capirossi (1998), Rossi (1999), Melandri (2002), Poggiali (2003) und Simoncelli (2009) hießen die letzten Triumphatoren.

Nach 2009 gingen die italienischen GP-Fahrer in der Mittelgewichtsklasse jahrelang leer aus – Franco Morbidelli und Pecco Bagnaia räumten aber inzwischen die Moto2-WM-Titel 2017 und 2018 ab.

Kein Rückenwind durch Aprilia

Eines ist klar: Die Italiener profitierten in ihrer glorreichsten Phase zur Zweitakt-Zeit (125 und 250 ccm) von der Dominanz von Aprilia. Die Italiener wurde von vielen Teams und Fahrern aus Italien bevorzugt, später betrieb die Piaggio Group auch mit Gilera ein siegreiches 250-ccm-Werksteam, dadurch wurden weitere italienische Piloten begünstigt – wie Marco Simoncelli. Und Piaggio übernahm dann auch noch die Marke Derbi.

So kamen bereits Nachwuchsfahrer zu erstklassigem Material. Roberto Locatelli gelang zum Beispiel gleich bei seinem WM-Debüt als Wildcard-Fahrer die Pole-Position. Marcellino Lucchi gewann als Aprilia-Testfahrer mit 42 Jahren noch seinen ersten Grand Prix (250 ccm).

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