Freddie Spencer: «Jorge Lorenzo hat damit angefangen»

Von Gerraint Thompson
MotoGP

Anfang und Mitte der 1980er-Jahre war Freddie Spencer einer der Stars in der 500er-Klasse und wurde zweimal Weltmeister. Der Amerikaner erzählt, welche Revolutionen Valentino Rossi und Jorge Lorenzo anstießen.

Als Vorsitzender der FIM-Stewards ist Freddie Spencer heute für Sanktionen gegen die aktuellen MotoGP-Stars verantwortlich. In der ersten Hälfte der 1980er-Jahre gehörte er mit drei WM-Titeln, zwei in der 500er- und einem in der 250er-Klasse, selbst zu diesen.

Wie kaum ein anderer kann der heute 57-Jährige analysieren, was Rennfahrer auf ihren Motorrädern machen und welche Auswirkungen das hat. Spencer ist deswegen immer ein begehrter Gesprächspartner.

«Die Fahrer heute müssen sich an die Elektronik anpassen», erzählte Spencer. «Sie müssen ihr vollkommen vertrauen, weil die Funktionsweise nicht in ihren Händen liegt. Valentino Rossi musste sich vor Jahren umstellen, Marc Marquez kennt es nicht anders. Valentino, der von der 500er kam, hat gut beschrieben, wie die Elektronik sich zu etwas Aktivem entwickelt hat – früher hat sie nur reagiert. Es ist auch nicht so, dass die Elektronik alles einfacher macht. Nein – aber du musst ihr vertrauen.»

Der Amerikaner weiter: «Ich habe nie mit dem Fahren aufgehört und selbst erlebt, wie sich die Elektronik über die Jahre verändert hat. Vor Jahren war ich in Portimao bei der Vorstellung einer Honda Fireblade. Ich fuhr mit Leuten wie Nicky Hayden und Tito Rabat um die Strecke und sofort Vollgas. Das ging nur, weil die Elektronik alles geregelt hat, früher wäre das unmöglich gewesen. Das hätten schon alleine die Reifen nicht mitgemacht. Heute kannst du mit den Motorrädern unglaublich spät und tief in die Kurven hinein bremsen und du musst beim Runterschalten keine Kupplung mehr ziehen. Ich habe am gleichen Punkt wie Rabat gebremst und die Kurve trotzdem gekriegt.»

Die heutigen Reifen bieten ein Vielfaches an Grip wie zu Spencers Zeiten, wobei die Auflagefläche des Reifens nur ungefähr die Größe einer Kreditkarte hat. Durch den vielen Grip haben sich die Fliehkräfte in den Kurven deutlich erhöht.

«Um die perfekte Balance zu finden, strecken heute viele Fahrer am Kurveneingang das Bein hinaus, Rossi hat dies vorgemacht», weiß Fast Freddie. «Und vieles, was heute als Topspeedvorteil bezeichnet wird, geht in Wirklichkeit darauf zurück, wer im Kurvenscheitel das Motorrad früher aufrichten und dadurch eher ans Gas gehen kann. Aus diesem Grund legen die Fahrer heute sehr viel Wert auf Ergonomie – wie sie auf dem Motorrad sitzen. Wenn die Position des Oberkörpers stimmt, dann kannst du das Bike besser dirigieren. Der Unterkörper muss stabil und der Oberkörper entspannt sein. Lorenzo hat damit angefangen, für ihn dreht sich alles darum, wie schnell er Kurvenmitte ist.»

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