Überraschung: Wird Danilo Petrucci ein KTM-Kandidat?

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Ducati hofft auf einen neuen Vertrag mit Andrea Dovizioso. Wer ersetzt dann Pol Espargaró bei KTM? Lässt sich Testfahrer Dani Pedrosa überreden? Oder kommt Danilo Petrucci von Ducati?

Nach der Trennung von Red Bull KTM und Pol Espargaró per Jahresende brauchen die Österreicher einen neuen Teamleader für das ca. 30 Millionen teure MotoGP-Projekt. In Italien wird heftig mit einem Wechsel von Andrea Dovizioso zu KTM spekuliert. Aber nach weitreichenden Recherchen von SPEEDWEEK.com zeichnet sich kein Transfer des 14-fachen MotoGP-Siegers und dreifachen Vizeweltmeisters nach Mattighofen oder Munderfing ab.

Doviziosos persönlicher Manager Simone Battistella hat sich zwar bei Aprilia und KTM nach den Plänen für 2021 erkundigt, aber es kam nicht zu konkreten Verhandlungen. Es liegt bisher auch kein Angebot dieser beiden Werksteams vor.

«Es ist meine Aufgabe als Fahrer-Manager, alle Möglichkeiten zu prüfen», lautet die Devise von Battistella, der vor zwei Jahren ernsthaft mit Repsol-Honda verhandelt hat, bevor dort Jorge Lorenzo engagiert wurde.

«Dovi» hat immer erklärt, er werde auf keinen Fall so lange fahren wie beispielsweise Rossi. Außerdem meinte er, in seinem Alter würde ein Teamwechsel und Markenwechsel nur Sinn machen, wenn es ein Projekt für mehrere Jahre sei.

Wenn man einen Blick auf die verfügbaren starken MotoGP-Fahrer wirft, muss man Rossi (bleibt bei Yamaha) und Zarco (bei KTM nicht mehr erwünscht) außen vor lassen.

Dann kommen theoretisch noch die Testfahrer Jorge Lorenzo (er will aber keine komplette Saison mehr fahren) und Dani Pedrosa in Betracht. Pedrosa wurde von KTM schon im August 2019 angefragt, als es um die Johann-Zarco-Nachfolge ging. Der dreimalige Weltmeister (1x 125 ccm, 2x 250 ccm) und 31-fache MotoGP-Sieger winkte jedoch damals ab. Er wollte bisher bei KTM nicht einmal einen Wildcard-Einsatz bestreiten, obwohl er beim Sepang-Test im Februar am zweiten Tag die drittbeste Zeit vorgelegt hat.

Paolo Ciabatti, Ducati-Sportdirektor für MotoGP und Superbike, würde sich über eine Rückkehr von Pedrosa nicht wundern. «Dani hatte bei Honda nach 13 Jahren genug. Aber jetzt steht er vor einer veränderten Situation.»

Fakt ist: KTM braucht einen neuen Teamleader, da von den vorhandenen Piloten selbst Miguel Oliveira nur ein MotoGP-Jahr hinter sich hat. Die andern zwei sind Rookies, Binder und Lecuona, sie haben bisher keine GP-Erfahrung in der Königsklasse und nicht viel zur Bike-Entwicklung beitragen können.

Dass Jorge Lorenzo zu KTM geht, kann sich momentan niemand wahrhaftig vorstellen. Denn der Mallorquiner geniesst seinen Teilzeit-Job als Testfahrer bei Yamaha und wollte 2020 nur einen Wildcard-Einsatz in Barcelona absolvieren. Eine Verpflichtung von Jorge Lorenzo würde für KTM wenig Sinn machen, denn er hatte schon bei Honda genug Probleme mit dem aggressiven V4-Konzept.

Und KTM-Firmenchef Stefan Pierer sagte vor eineinhalb Jahren: «An einem Marc Márquez bin ich nicht interessiert. Wenn er gewinnt, ist es Márquez, und wenn er verliert, ist es mein Motorrad. Fahrer wie Lorenzo, die nur wegen der Fahrergage wechseln, interessieren mich auch nicht.»

Ducati hat bei Ducati Corse und bei Pramac-Ducati für die kommende Saison bisher erst einen Fahrer unter Vertrag: Jack Miller übernimmt nach 2020 einen Platz im Ducati-Werksteam.

Selbst der Deal zwischen Jorge Martin und Ducati ist bisher nicht unterschrieben. Pecco Bagnaia (bisher Pramac Ducati) wartet ebenfalls noch auf ein Angebot.

Obwohl Jorge Martin bei Pramac-Ducati noch nicht ganz fix ist, besteht bei den Roten keine Absicht, Petrucci nach zwei Jahren zu Pramac zurückzuholen. Ciabatti: «Das macht überhaupt keinen Sinn. Das wäre auch für Danilo nicht gut. Pramac ist unser Junior-Team. Wir haben Danilo vorläufig frei gegeben, um zu sehen, ob sich irgendeine interessante MotoGP-Option für ihn ergibt.»

Ciabatti will sich aus der Fahrerwahl bei KTM heraushalten. Aber er hätte nichts dagegen, wenn sich die Österreicher für Petrucci entscheiden würden. «Danilo ist ein sehr guter Fahrer, ein super netter Typ und ein unermüdlich harter Arbeiter. Vielleicht ist er kein zukünftiger Weltmeister. Aber er ist seit vielen Jahren an das V4-Konzept gewöhnt», hält Ciabatti fest.

KTM hat bisher meist MotoGP-Fahrer von Yamaha engagiert (Pol Espargaró, Smith, Syahrin, Zarco). «Ich nehme künftig keinen Yamaha-Piloten mehr», meinte KTM-Rennchef Pit Beirer nach dem Desaster mit Johann Zarco.

Ein ehemaliger Ducati-Werkspilot wie Petrucci könnte in Munderfing bei KTM Factory Racing wertvolle technische Vorschläge und Input für die Ingenieure einbringen. Ciabatti: «Vielleicht findet Danilo eine Chance bei KTM. Vielleicht ergibt sich eine Option mit Aprilia, wenn Iannone wegen der Sperre nicht zur Verfügung steht.»

Ducati steht nach wie vor hinter dem WM-Sechsten und famosen Mugello-Sieger Petrucci. «Wir haben ihm angeboten, 2021 bei uns im Superbike-Werksteam zu fahren», bestätigte Ciabatti. «Er kann das berücksichtigen, wenn er in der MotoGP-Klasse keinen Platz findet. Wir möchten ihn in der Familie behalten. Aber mehr können wir leider nicht für ihn tun, denn wir haben in der MotoGP keinen Platz für ihn. Er war zwei Jahre MotoGP-Werksfahrer, und Pramac dient uns für den Aufbau junger Fahrer. Danilo ist 29 Jahre. Es war nie unsere Absicht, einen Fahrer nach zwei Jahren im Werksteam wieder zurück zu Pramac zu verfrachten.»

Die Familie Petrucci hat enge Bande zu KTM. Der gleichnamige Papa Danilo Petrucci hat in der Zweitakt-Ära (125 und 250 ccm) bei Red Bull-KTM als Lkw-Chauffeur, Koch und Mädchen für alles gearbeitet. Er grüßt heute noch heute jeden Österreicher mit «Servas». Und Junior «Petrux» bemüht sich gern um das Vortragen einzelner zusammenhängender deutscher Sätze. 

Ducati hat für das Fahreraufgebot bei Pramac bereits konkrete Vorstellungen – mit Pecco Bagnaia und Jorge Martin. «Das wäre ein sehr gutes Team mit jüngeren Talenten», bestätigt Ciabatti heute im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.

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