Motorschäden bei Yamaha: Fehlerhaftes Teil schuld?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Bisher von Motorschäden verschont: WM-Leader Fabio Quartararo

Bisher von Motorschäden verschont: WM-Leader Fabio Quartararo

Bei Yamaha herrscht trotz des Jerez-MotoGP-Hattricks mit Quartararo, Viñales und Rossi keine Euphorie. Denn die drei Motorschäden haben die japanischen Ingenieure ins Grübeln gebracht.

Die Rennabteilung Yamaha Motor Racing hat ihr Europa-Domizil in Gerno di Lesmo, unweit des Autodroms von Monza. Yamaha hat seit 2015 alle MotoGP-WM-Titel dem Spanier Marc Márquez überlassen müssen. Nach zwei der 14 Rennen 2020 sieht es in der WM-Tabelle rosig aus: Fabio Quartararo führt nach zwei Siegen mit dem Maximum von 50 Punkten vor seinem Markenkollegen Maverick Viñales (40). Und beim zweiten Jerez-GP komplettierte Rossi den Yamaha-Hattrick mit einem sauberen dritten Platz.
Yamaha hat jetzt sechs Pole-Positions hintereinander errungen, dazu wurde Weltmeister Márquez bereits um 50 Punkte distanziert.

Und kein Werksteam verfügt über einen so erfolgreichen «back up»-Rider wie Rossi, der jederzeit einspringen kann, wenn die jüngere Generation patzen sollte. «Dazu haben wir noch Franky Morbidelli, das darf man nicht vergessen», hält der 62-jährige Engländer Lin Jarvis fest, der Managing Direktor von Yamaha Motor Racing. «Franky hat bei den ersten zwei Grand Prix starke Zeiten erreicht, leider hatte er einen Defekt im zweiten Rennen, sonst hätte er ebenfalls im Bereich der Podestplätze sein können.»

Schon nach dem Wintertests hat sich abgezeichnet: Yamaha verfügt über das beste Fahreraufgebot seit Beginn der MotoGP-Viertakt-Ära 2002.

Honda hingegen muss sich fast ausschließlich auf die Fähigkeiten von Marc Márquez verlassen, wenn es um den Titelkampf geht.
Aber auch bei Yamaha herrscht nicht nur eitel Wonne. Denn Viñales hat im dritten Training einen Motorschaden beklagt, er hat das besagte Triebwerk nachher nie mehr eingesetzt. Rossi schied im ersten Jerez-Rennen durch einen Motorschaden aus («rotes Warnlicht im Dashboard»), Morbidelli im zweiten. Alle drei Motoren wurden aus der Allocation genommen, sie sind nicht mehr einsatzbereit. Viñales hat jetzt schon den fünften von fünf erlaubten Motoren im Einsatz, die anderen drei Yamaha-Piloten den jeweils vierten. Denn je zwei Triebwerke pro Fahrer aus der ersten Generation wurden zur Überprüfung nach Japan geschickt.

Die Fahrer rätselten in Jerez über die Ursache der Yamaha-Motorschäden. Sie tippten auf Überhitzung, weil sie sich im Rennen womöglich zu lang im Windschatten der Vorderleute aufgehalten haben. Doch bei Viñales passierte es im Training…

Es wurde auch der Verdacht geäußert, Yamaha habe beim Wettmachen der Motorleistung gegenüber Honda, Ducati und KTM die Zuverlässigkeit aufs Spiel gesetzt und die Drehzahlen zu stark erhöht.

«Unsere Defekte haben nicht mit der Hitze und nichts mit der Drehzahl zu tun. Das steht fest», versicherte Lin Jarvis im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Aber es ist noch nicht an der Zeit für mich zu sagen, wir hätten die Ursache des Problems ergründet und verstanden. Wir arbeiten jetzt an der Lösung und sind zuversichtlich, dass wir dieses Problem lösen können.»

Da Yamaha die Motorleistung schon letztes Jahr sichtbar erhöht hat und nie Standfestigkeitsproblem auftraten, scheint sich im YZR-M1-Reihenvierzylinder-Kraftwerk ein fehlerhaftes Teil eingeschlichen zu haben, das dringend identifiziert werden muss.

Vor der Beantwortung dieser Frage ist bei Lin Jarvis ein tiefes Seufzen zu hören. Er wägt jedes Wort sorgfältig ab. «So ein Motor setzt sich aus vielen, vielen Komponenten zusammen. Manche von ihnen werden bei Yamaha In-house produziert, andere werden von Zulieferfirma beigesteuert, also von dritten Parteien. Mehr kann ich dazu nicht sagen.»

Es ist bekannt, dass besonders die Japaner sehr konservativ vorgehen, wenn «engine updates» auf die Strecke gebracht werden, denn kein renommiertes Werk will seinen MotoGP-Motor vor Millionen TV-Zusehern in einer Rauchwolken sterben sehen.
Deshalb ist die Vermutung mit dem fehlerhaften Teil naheliegend.
Lin Jarvis schließt aus, die Yamaha-Stars in Brünn und Spielberg bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts mit weniger Drehzahl auftreten müssen.

«Das sind zwei Power-Strecken. Es würde nicht wirklich gut für uns funktionieren, wenn wir dort die Drehzahl einschränken würden», räumt Lin Jarvis ein.

«Ich denke, wir haben verstanden, woher die Probleme kamen. Wir arbeiten an der Lösung. Und ich bin zuversichtlich, dass wir künftige Problem vermeiden können. Und wir werden dieses Problem nicht lösen, indem wir einfach die Drehzahl reduzieren. Das ist nicht das Problem», betont der erfolgreiche Yamaha-Stratege.

Ergebnisse MotoGP Jerez/E, 26. Juli

1. Fabio Quartararo (F), Yamaha, 41:22,666 min
2. Maverick Vinales (E), Yamaha, +4,495 sec
3. Valentino Rossi (I), Yamaha, +5,546
4. Takaaki Nakagami (J), Honda, +6,113
5. Joan Mir (E), Suzuki, +7,693
6. Andrea Dovizioso (I), Ducati, +12,554
7. Pol Espargaro (E), KTM, +17,488
8. Alex Marquez (E), Honda, +19,357
9. Johann Zarco (F), Ducati, +23,523
10. Alex Rins (E), Suzuki, +27,091
11. Tito Rabat (E), Ducati, +33,628
12. Bradley Smith (GB), Aprilia, +36,306
13. Cal Crutchlow (GB), Honda, +45,683

WM-Stand nach 2 von 14 Rennen:

1. Quartararo, 50 Punkte. 2. Viñales 40. 3. Dovizioso 26. 4. Nakagami 19. 5. Pol Espargaró 19. 6. Rossi 16. 7. Miller 13. 8. Alex Márquez 12. 9. Zarco 12. 10. Morbidelli 11. 11. Mir 11. 12. Bagnaia 9. 13. Oliveira 8. 14. Petrucci 7. 15. Rabat 7. 16. Rins 6. 17. Smith 5. 18. Binder 3. 19. Crutchlow 3.

Konstrukteurs-WM (nach 2 von 14 Rennen)

1. Yamaha 50. 2. Ducati 26. 3. Honda 19. 4. KTM 19. 5. Suzuki 11. 6. Aprilia 5.

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