Pit Beirer (KTM): «Wir haben Riesencoup gelandet»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Pol Espargaró auf der KTM: Platz 3 in Spielberg

Pol Espargaró auf der KTM: Platz 3 in Spielberg

KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer beschreibt, wie aus der radikalen KTM RC16 im Winter eine benutzerfreundliche MotoGP-Maschine wurde, mit der auch ein Rookie wie Brad Binder gewinnen kann.

Red Bull KTM hat mit Brad Binder (Brünn) und Miguel Oliveira (Spielberg-2) zwei der letzten drei Grand Prix gewonnen. Und wäre das erste Rennen beim Österreich-GP nicht wegen des grauenhaften Unfalls von Johann Zarco und Franco Morbidelli abgebrochen worden, hätte es sogar ein Hattrick werden können – denn Pol Espargaró hatte sich vom fünften Startplatz weg längst auf Platz 1 vorgekämpft. Nach dem Neustart fehlte ihm der Medium-Hinterreifen, außerdem konnten die durstigen Ducati nachgetankt werden – so konnten Dovizioso und Miller im Quali-Modus mit voller Power auftrumpfen, im ursprünglichen 28-Runden-Event ging das nicht.

Beim Steiermark-GP (70. MotoGP-Einsatz von KTM) stand erstmals eine KTM RC16 auf der Pole-Position, obwohl Pol Espargaró beim Re-Start am 16. August auch schon vom besten Startplatz wegfahren dufte. Und dann gab es beim zweiten Heim-GP noch ein KTM-Glanzlicht zu melden: Alle vier MotoGP-Piloten brausten in die Top-Ten: 1. Oliveira. 3. Espargaró. 8. Binder. 10. Lecuona.

Dabei war KTM noch vor einem Jahr vorgeworfen worden, nur Pol Espargaró könne die RC16 optimal beherrschen, selbst Zarco kam mit der brachialen Leistungsentfaltung nicht zurecht.

Doch in Munderfing wurde für 2020 viel Wert auf eine gesteigerte Benutzerfreundlichkeit gelegt, was am Ende mit einer Senkung des Reifenverschleißes einherging. Nicht zuletzt deshalb konnten Rookie Binder und der erst mit 23 MotoGP-Rennen gesegnete Oliveira bereits auf der MotoGP-KTM GP-Siege feiern – vor Pol Espargaró.

«Ja, bis zum Jahresende 2019 wurde uns immer vorgeworfen, unser Motorrad sei nur durch die radikale Fahrweise von Pol Espargaró erfolgreich, alle anderen Piloten hatten Mühe damit. Es war ja nicht so, dass uns das nicht aufgefallen wäre», sagt Pit Beirer, Motorsport-Direktor von KTM. «Aber die Erkenntnis, dass es so ist, und der Weg, es dann besser zu machen, das ist kein Kinderspiel. Und das ist momentan das Erfreuliche, dass wir jetzt vier Fahrer haben, die starke Leistungen bringen, die unsere Erwartungen übertreffen. Wir fühlen uns jetzt natürlich erleichtert, wenn wir sehen, dass unser Motorrad auf drei Strecken mit komplett unterschiedlichen Streckencharakteristiken konkurrenzfähig war und funktioniert hat – in Jerez, Brünn und Spielberg. Dazu haben wir vier völlig verschiedene Fahrer, aber das Bike funktioniert für alle vier Fahrertypen, was Größe, Gewicht und Fahrstil betrifft. Somit traue ich mich zu behaupten, dass wir jetzt endlich ein starkes Paket haben, dass sich vor keiner Strecke und keinem Fahrer zu verstecken braucht. Das ist total wichtig. 2019 war unser Motorrad kritisch zu fahren. Das ist uns aufgefallen. Deshalb haben wir daran gearbeitet. So etwas kann passieren und kommt auch bei anderen Herstellern vor. Es war im Lauf der Entwicklung total schwierig, den Grundcharakter des Motorrads zu ändern und auf eine breitere Basis zu stellen. Das ist die Kunst der Ingenieure. Ich kann nur meinem ganzen Team dafür danken, dass sie das geschafft haben.»

Dieser Umbau passierte nicht über Nacht und der Erfolg hat viele Väter. Dani Pedrosa hat seinen Anteil daran, natürlich auch Technical Direktor Ing. Kurt Trieb und viele Mitstreiter. KTM hat sich nach jeder Saison mit Fachleuten von Suzuki und anderen Herstellern verstärkt. Es wurde immer mehr Knowhow und Daten gesammelt.

So kam zum Beispiel vor der Saison 2019 der erfahrene Ingenieur und Ex-Rennfahrer Wolfgang «FEWO» Felber beim MotoGP-Projekt an Bord, der vor zehn Jahren schon beim IDM-Superbike-Projekt von KTM verantwortlich war. «Felber kam zum richtigen Zeitpunkt und hat die ganze Chassis-Entwicklung in eine andere Richtung gedrückt und gepusht. Er hat einen Riesencoup gelandet», freut sich Beirer. «Und den unermüdlichen Einsatz von Race Manager Mike Leitner muss man genauso erwähnen. Er hat nie locker gelassen und die aufgehört, unsere Schwachstellen anzusprechen. Man macht sich als Teamchef natürlich bei den Technikern nicht unbedingt beliebt, wenn du nur jeden Tag die Schwachstellen anprangerst. Aber nur wenn man jeden Tag ehrlich in den Spiegel schaut und die Schwachstellen eingesteht, kann man sie beseitigen. Das haben wir gemacht. Deshalb sind wir jetzt alle happy und erleichtert.»

MotoGP-Ergebnisse Steiermark-GP:

1. Miguel Oliveira, KTM, 12 Runden, 16:56,015
2. Jack Miller, Ducati, +0,316
3. Pol Espargaro, KTM, + 0,540
4. Joan Mir, Suzuki, + 0,641
5. Andrea Dovizioso, Ducati, + 1,414
6. Alex Rins, Suzuki, + 1,450
7. Takaaki Nakagami, Honda, + 1,864
8. Brad Binder, KTM, + 4,150
9. Valentino Rossi, Yamaha, + 4,517
10. Iker Lecuona, KTM, + 5,068
11. Danilo Petrucci, Ducati, + 5,918
12. Aleix Espargaró, KTM, + 6,411
13. Fabio Quartararo, Yamaha, + 7,406
14. Johann Zarco, Ducati, 7,454
15. Franco Morbidelli, Yamaha, + 10,191
16. Alex Márquez, Honda, + 10,524
17. Cal Crutchlow, Honda, + 11,447
18. Stefan Bradl, Honda, + 11,943
19. Bradley Smith, Aprilia, + 12,732
20.
Michele Pirro, Ducati, + 14,349
21. Tito Rabat, Ducati, + 14,458

WM-Stand nach 5 von 14 Rennen:

1. Quartararo, 70 Punkte. 2. Dovizioso 67. 3. Miller 56. 4. Binder 49. 5. Vinales 48. 6. Nakagami 46. 7. Rossi 45. 8. Mir 44. 9. Oliveira 43. 10. Pol Espargaró 35. 11. Morbidelli 32. 12. Zarco 30. 13. Rins 29. 14. Petrucci 25. 15. Alex Márquez 15. 16. Aleix Espargaró 15. 17. Lecuona 13. 18. Bagnaia 9. 19. Smith 8. 20. Rabat 7. 21. Crutchlow 7. 22. Pirro 4.

Konstrukteurs-WM nach 5 von 14 Rennen:

1. Yamaha 88. 2. Ducati 87. 3. KTM 82. 4. Suzuki 57. 5. Honda 46. 6. Aprilia 20.

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