Faenza: Unruhe wegen falsch positiver Corona-Tests

Von Günther Wiesinger
Motocross-WM MXGP
Motocross-WM in Faenza: Ein Fahrer wurde für Lauf 1 gesperrt

Motocross-WM in Faenza: Ein Fahrer wurde für Lauf 1 gesperrt

In der Motocross-WM wird das Gesundheitskonzept offenbar nicht so strikt kontrolliert, wie sich die Teams und Fahrer das wünschen. Das führte in Faenza zu Irritationen.

Auch in Italien grassiert zwar die Angst vor einer zweiten Welle an Coronavirus-Erkrankungen, obwohl die Anzahl der Neuinfektionen zum Beispiel gestern mit 1108 im Vergleich zu Frankreich und Spanien überschaubar blieb. Deutschland verzeichnete bei ca. 30 Millionen Einwohnern mehr am Montag 1396 neue Fälle.

Jedenfalls bleibt Italien auch in dieser Phase eine Motorsport-Hochburg. In dieser Woche finden in Faenza (Region Emilia Romagna) innerhalb von acht Tagen drei Motocross-GP statt. Gleichzeitig wird am kommenden Wochenende in Misano (auch in der Emilia Romagna) der erste von zwei MotoGP-Events (13. und 20. September) abgewickelt, und in der Toskana ist das Autodromo del Mugello erstmals Schauplatz eines Formel-1-GP, sieben Tage nach Monza.

In der Motocross-WM wurde der Kalender von WM-Promoter Infront Moto Racing mehrmals geändert und adaptiert. Beim ersten Faenza-MX-Meeting am Wochenende drangen beunruhigende Neuigkeiten an die Öffentlichkeit. Es sollen im Paddock von Faenza zwischen 20 und 50 positive Covid-19-Fälle aufgetreten sein, und zwar in allen Bereichen, von den Catering Services bis zu den Fahrern.

Bei Infront werden diese Neuigkeiten nicht an die große Glocke gehängt, denn sie könnten die Fortsetzung der WM gefährden.

Jedenfalls durfte Brian Bogers aus dem Marchetti-Team den ersten MXGP-Lauf nach einem positiven Test nicht bestreiten. Nach einem weiteren Test bekam er für Lauf 2 grünes Licht. Er verkündete dann auf Instagram, er sei am Ende nicht positiv gewesen.

Denn es stellte sich heraus, dass wie überall auf der Welt auch im MX-Paddock falsch positive Testergebnisse zustande kamen.

Den Schnelltests wird bisher ohnedies eine nicht ausreichende Zuverlässigkeit nachgesagt. Bei PCR-Tests dauern die Ergebnisse aber meist 48 Stunden.

Auf dem Frankfurter Flughafen kostet ein PCR-Test 59 Euro, wenn man das Ergebnis in 12 Stunden haben will. Es wird aber manchmal schon nach 7 Stunden geliefert. Für einen Express-Test (Ergebnis in 3 Stunden) müssen 150 Euro bezahlt werden.

Infront Moto Racing muss 2020 wegen der vielen Geisterrennen und beschränkten Zusschauerzahlen mit erheblichen Umsatzeinbußen rechnen. Deshalb können sich die Motocross-Promoter keine eigene Medical App wie MotoGP-Veranstalter Dorna Sports S.L. leisten.

In der MotoGP wurden 1400 Teammitglieder selektioniert, die Zugang zum Paddock bekommen. Es sind keine Teamgäste und keine Journalisten dabei, nur wenige TV-Mitarbeiter und zehn Fotografen.

Alle 1400 Personen müssen jeweils vor der Abreise zu einem Grand Prix am Montag einen PCR-Test absolvieren, nach spätestens zwei Tagen schicken sie das negative Ergebnis per Mail an die Dorna, es wird auf die App hochgeladen und der Zugang zum Fahrerlager auf Grün freigeschaltet. Dazu gibt es täglich Temperaturmessungen am Fahrerlager-Eingang.

Faenza: Viele Ungereimtheiten

In der Cross-WM wird das System locker gehandhabt. So interessierte sich in Faenza am Fahrerlagereingang offenbar niemand für das Vorzeigen des PCR-Tests. Die Verantwortlichen gehen anscheinend davon aus, dass Personen mit einem positiven Test gleich von vornherein daheim bleiben.

Dieser lockere Umgang und die nicht gerade strikte Einhaltung des Gesundheitsprotokolls verunsichert viele Teammitglieder der Motocross-Szene, auch die Manager der Werksteams, die sich berechtigte Sorgen um die Weiterführung der WM machen.

Denn etliche der positiv getesteten MXGP-Paddock-Insassen wurden isoliert, mit Contact Tracing wurde das Umfeld und die Familie informiert und oft überflüssig verunsichert, doch in den meisten Fällen lag bei den nachher selbst bezahlten PCR-Express-Tests ein negatives Ergebnis vor.

Selbst mehr als sechs Monate nach Ausbruch der Coronakrise in Europa existieren noch viel Ungereimtheiten. In Zusammenhang mit den Richtlinien oder Handlungsanweisungen zur SARS-CoV-2-Diagnostik lesen wir immer wieder von Dual-Target-PCR und Ct-Wert. In der Dual-Target-Strategie werden gleichzeitig in einem Untersuchungsgang mindestens zwei unabhängige Genregionen nachgewiesen. Das erhöht die Sensitivität und Spezifität des SARS-CoV-2-Nachweises.

Ein positives Ergebnis für mindestens zwei Gene weist mit sehr hoher Sicherheit auf eine CoV-2 Infektion hin, sagen die Virologen.

Jedoch zeigen viele Verläufe von SARS-CoV-2-Infizierten nicht immer ein so klares Befundergebnis bezogen auf die PCR-Parameter: So sinkt mit der Ausheilung die nachweisbare Virusmenge bzw. Virusnukleinsäure. Oft wird nur noch eines der Gene nachgewiesen. In einigen Fällen zeigten Kontrolluntersuchungen über mehrere Wochen abwechselnd ein positives und dann wieder ein negatives Ergebnis für ein Gen oder für unterschiedliche Gene.

Erste Studien fanden zwar heraus, dass in diesen Fällen kein vermehrungsfähiges Virus mehr vorliegt, aber vollständig ausschließen können das die Epidemiologen bis heute nicht.

Ct steht für «cycle threshold» und ist eine theoretische Größe in der PCR-Analytik. Der Ct-Wert zeigt, ab welchem Zeitpunkt im Laufe des zyklischen Zellvorgangs ein verlässliches Messsignal vorliegt: je niedriger der Ct-Wert, umso höher die Menge des Zielgens (entsprechende Nukleinsäure) und damit an Viruspartikeln. Und umgekehrt zeigt ein hoher Ct-Wert eine niedrige Nukleinsäuremenge an.

Der Ct-Wert sagt nichts über die Infektiosität aus, also über die Ansteckungsgefahr. Studien brachten einen hohen Ct-Wert (mehr als 30) mit einer geringen Anzuchtrate des Virus in Zusammenhang. Zusätzlich wird der Ct-Wert aber auch maßgeblich von der Präanalytik wie Abstrichort, Qualität des Abstrichs und Transportzeit beeinflusst.

Je höher der Ct-Wert, desto niedriger ist die Viruskonzentration in der untersuchten Probe. Bei der SARS-CoV-2-PCR weisen Ct-Werte von mehr als 30 auf eine niedrige, Ct-Werte mehr als 35 auf eine sehr niedrige Viruskonzentration in der Probe hin.

Ursachen für Ergebnisse mit hohem Ct-Wert bzw. niedriger Viruskonzentration: Abklingende Infektionen, nicht optimale Probenentnahme (Kontrollabstrich empfohlen!), schwerkranke Patienten, bei denen das Virus bereits vom Rachenbereich in die Lunge gewandert ist, oder Infektion mit nur geringer Virusmenge.

Manche namhafte Firmen haben in den Betriebsstätten eigene Testzentren installiert, die zum Beispiel alle Urlaubsheimkehrer gewissenhaft testen und ihnen bis zum Vorliegen des Ergebnisses den Zugang zum Firmengelände verweigern.

Bisher führen die unterschiedlichen Test oft zu verwirrenden Diagnosen, Falschinformationen, irreführenden Ergebnissen und schlaflosen Nächten bei Verdachtspersonen und deren Umfeld.

Diese Ungewissheit machte auch den Teams in Faenza sichtlich zu schaffen.

Der aktuelle MXGP-Kalender 2020

01.03.2020 - Großbritannien, Matterley Basin, EMX125, WMX
08.03.2020 - Niederlande, Valkenswaard, EMX250, WMX
09.08.2020 - Lettland, Kegums, EMX250, EMXOpen
12.08.2020 - Lettland, Kegums, EMX250, EMXOpen
16.08.2020 - Lettland, Kegums, EMX250, EMXOpen
06.09.2020 - Italien, Faenza, EMX125, EMX2t
09.09.2020 - Italien, Faenza, EMX125, EMX2t
13.09.2020 - Italien, Faenza, EMX125, EMX2t
27.09.2020 - Italien, Mantova, EMX250, WMX
30.09.2020 - Italien, Mantova, EMX250, WMX
04.10.2020 - Italien, Mantova, EMX250, WMX
11.10.2020 - Spanien, Xanadu, EMX125, EMX250
18.10.2020 - Belgien, Lommel, EMX125, EMX250
21.10.2020 - Belgien, Lommel, EMX125, EMX250
25.10.2020 - Belgien, Lommel, EMX125, YZbLU cRU
01.11.2020 - Italien, Pietramurata, EMX OPEN, WMX
04.11.2020 - Italien, Pietramurata, EMX OPEN, EMX2t
08.11.2020 - Italien, Pietramurata, EMX OPEN, EMX2t
TBC - Argentinien, Neuquen

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