Mexiko-GP: Mehr Betonung auf den Tag der Toten

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Kurz nach dem Grossen Preis von Mexiko (29. Oktober) begehen die Mexikaner den Tag der Toten. Die Organisatoren des Rennens mitten in Mexiko-Stadt wollen diesen Brauch mehr in den Mittelpunkt rücken.

Día de Muertos (oder Día de los Muertos), der Tag der Toten – einer der wichtigsten mexikanischen Feiertage, der vielen Menschen erst durch einen James-Bond-Film bekannter geworden ist: Als der Agent im Geheimdienst ihrer Majestät im Kinoknüller «Spectre» durch eine Parade in Mexiko-Stadt eilt. Diese Paraden haben es in sich, wie ich 2015 und 2016 in der pulsierenden Stadt erleben durfte – keine Trauerveranstaltung, sondern ein farbenfrohes Volksfest mit Kind und Kegel auf allen Strassen, viele davon so geschminkt wie Daniel Ricciardo und Max Verstappen im Oktober 2016.

Der Australier Ricciardo grinste: «Jetzt weiss ich, wie sich eine Frau fühlt, wenn sie volles Make-Up auflegt. Es dauerte eine Stunde, die Totenmaske aufzumalen. Und wohl eine weitere, sie wieder zu entfernen.»

In Mexiko glauben viele Menschen, am Tag der Toten kommen die Seelen der Verstorbenen zu ihren Familien zurück, um sie zu besuchen. In der ganzen Stadt sind dann Totenschäden omnipräsent. Der Brauch ist 2003 von der UNESCO zum «Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit» erklärt worden. Die Feierlichkeiten finden 2017 vom 31. Oktober bis 2. November statt, und damit sind wir bei Rodrigo Sanchez, dem Marketing-Direktor des Autódromo Hermanos Rodríguez.

Sanchez schwebt vor, die Thematik des Volksfestes «Tag der Toten» enger mit dem Autorennen zu verknüpfen. Damit liegt er auf Kurs mit Formel-1-Grossaktionär Liberty Media, welche unter anderem das Ziel verfolgen, das Lokalkolorit der einzelnen WM-Rennen zu betonen.

Der Plan von Sanchez ist nicht ganz unproblematisch, wie er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters zugibt: «Wir haben seit der Rückkehr des Rennens 2015 an so etwas gedacht. Aber wir wussten nicht, wie das auf internationaler Ebene ankommt. Denn jeder kennt die Risiken dieses Sports.»

Ganz besonders die Mexikaner: Die beiden Rennbrüder Ricardo und Pedro Rodríguez bezahlten bei Unfällen den höchsten Preis, der erst 20jährige Ricardo 1962 bei einem Sturz in der Peraltada (der früheren, überhöhten Kurve vor Start und Ziel in Mexiko), Pedro bei einem Rennen auf dem Norisring 1971.

Sanchez fürchtete, dass ausserhalb von Mittelamerika die Verbindung zwischen einem Fest der Toten und einem potenziell lebensgefährlichen Autorennen als geschmacklos empfunden werden könnte. Nach zwei Ausgaben des Rennens sind Sanchez und sein Team aber zum Schluss gekommen, dass die Menschen den Brauch verstehen und richtig einordnen werden.

«Wir wollen etwas machen, um die Rodríguez-Brüder zu ehren. Wir wollen eine Brücke finden zwischen der Formel 1, unserem Rennsporterbe und dem Tag der Toten.»

Sanchez weiss: Jeder dritte Mexiko-GP-Besucher stammt aus dem Ausland. In diesem Jahr werden übers ganze Wochenende 350.000 Menschen erwartet, kein Formel-1-Lauf zieht mehr Fans an. Das Rennen wird staatlich gefördert und soll als Turbo für den Tourismus in Mexiko wirken.

Auch vor dem Hintergrund der politischen Spannungen zwischen Mexiko und den USA ist Sanchez das Image seiner Heimat im Ausland wichtig. «Wir wollen zeigen, dass wir im Land zusammenrücken, dass wir eine stolze Nation sind und dass wir uns nicht einschüchtern lassen.» Dazu passt der Slogan «Baut Brücken, keiner Mauern» im Hinblick auf die Pläne des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, zwischen Mexiko und den USA eine Mauer zu bauen.

Die Formel 1 ist in Mexiko nach 23 Jahren Pause mit offenen Armen empfangen worden. Die Rückkehr der Formel 1 2015 nach Mexiko-Stadt hat alle Mitglieder des Grand-Prix-Zirkus aus den Socken gehauen. Die Stimmung im Baseball-Stadion, im engen Teil kurz vor Start uns Ziel, raubte allen den Atem.

Es war eine triumphale Rückkehr, denn die Formel 1 war auf dieser tollen Rennstrecke schon in den 60er Jahren unterwegs. Vor noch mehr Menschen. Die Brüder Ricardo und Pedro Rodríguez haben dem heutigen Autódromo den Namen gegeben. Aber die mexikanische Piste wurde erst nach dem Tod von Pedro in den 70er Jahren umbenannt. Zuvor hiess sie nach dem dortigen Park Magdalena Mixhuca, und das wiederum geht zurück auf die Kirche Santa María Magdalena Mixhuca, die der heiligen Maria Magdalena gewidmet ist. Der Name Mixhuca bedeutete bei den Ureinwohnern so viel wie Geburtsort. Auch eine U-Bahnstation im heutigen Mexiko-Stadt heisst heute noch so.

2015 wurden auf dem Schwarzmarkt für den ersten Grand Prix in Mexiko seit 1992 Preise bis zu 10.000 Euro geboten! Die Mexikaner sind wirklich rennverrückt. Was ihnen zum Delirium fehlt: Ein Einheimischer auf dem Siegerpodest. Beim Heimrennen ist das selbst der Rennlegende Pedro Rodríguez nicht gelungen: Er wurde 1968 Vierter. Sergio Pérez wurde 2015 Achter und 2016 Zehnter.

 

 

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