Christian Horner über Strafen: «Keiner blickt durch»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Christian Horner

Christian Horner

​Als der Italien-GP in Monza losging, waren neun Piloten strafenbelastet, mit insgesamt 150 Rängen zurück. Red Bull Racing-Teamchef spricht den Fans aus dem Herzen: «Da blickt doch keiner mehr durch.»

Die Formel-1-Fans lassen sich nicht für dumm verkaufen. Vor dem Hintergrund der Strafversetzungswelle von Monza (neun Fahrer betroffen, 150 Strafplätze Strafen insgesamt) twitterte einer: «Wir haben also einen Piloten, der ist strafversetzt. Aber weil andere noch mehr Strafen erhalten haben als er, darf er weiter vorne starten als im Qualifying herausgefahren. Da hört doch alles auf.»

Der Grand-Prix-Anhänger ist nicht der Einzige, der kein Verständnis mehr hat. Wir hatten nun das zwölfte GP-Wochenende des Jahres, und fast die Hälfte des Feldes musste versetzt werden. Die korrekte Startaufstellung wird zur Doktorarbeit.

Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner: «Wir müssen uns nun wirklich ernsthaft überlegen, ob es nicht einen besseren Weg gibt, die Verwendung frischer Motorenteile zu ahnden. Das Ganze wird ja von Rennen zu Rennen schlimmer. Am Ende wird noch die WM davon entschieden.»

Wir wissen: Vier Motoren pro Fahrer und Saison, mehr gibt es nicht. Sollten fünfte, sechste und so fort Elemente des Verbrennungsmotors, Turboladers, der beiden elektrischen Generatoren, der Batterie sowie der elektronischen Steuereinheit benutzt werden müssen, setzt es Strafen. Bei der britischen Sky gibt Horner zu bedenken: «Ab 2018 wird das dann verringert auf drei Motoren pro Fahrer und Saison. Gleichzeitig werden wir 21 Rennwochenenden haben.»

«Ich habe im Rahmen der Sitzungen der Strategiegruppe versucht, die Regel von drei Aggregaten pro Saison zu kippen. Aber ich hatte nicht genügend Unterstützung. Vielleicht haben andere Teamchefs mehr Einsicht, wenn auch sie von Strafen betroffen sind. Bei der Einschränkung der Teile geht es ja ums Sparen. Aber wenn die Teams ohnehin fünf Elemente brauchen, sparen wir doch nichts.»

Zum Strafversetzungs-Wirrwarr namens Startaufstellung meint Horner: «Wir selber tun uns da auch schwer. Als wir die Wagen auf die Startaufstellung schoben, wussten unsere Jungs nicht, ob sie den Renner nun auf den zwölften oder dreizehnten Platz stellen sollten. Denn zuletzt hatte noch Pérez eine Strafe erhalten. Da blickt doch keiner mehr durch.»

Konfusion herrschte auch bei der FIA: Eiligst wurden einigen Boxentafel-Damen die Nummernschilder aus der Hand genommen, um sie auszutauschen.

FIA-Präsident Jean Todt bleibt ganz Politiker. Auf die Frage vor dem Start, wie man dieses Durcheinander lösen könnte, meinte der Franzose: «Wir werden uns das bei den kommenden Sitzungen ansehen, aber eine Lösung ist nicht einfach zu finden.»

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