GP geplatzt: Formel 1 pausiert aus skurrilen Gründen

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Der WM-Auftakt von Australien ist geplatzt, auch die geplanten Rennen von Bahrain, Vietnam und China werden nicht stattfinden. Die Formel 1 pausierte in 70 Jahren Historie aus den skurrilsten Gründen.

Dass einzelne Formel-1-Rennen nicht stattfinden können, das ist in der 70jährigen Geschichte der Königsklasse nicht neu. Dass hingegen gleich der ganze erste Teil einer Saison abgesagt, pardon, verschoben werden muss, weil sich die Welt im Würgegriff eines Virus befindet, das hat es noch nie gegeben.

Niemand wagt derzeit vorherzusagen, wann die Formel-1-WM losgehen kann. Serien-CEO Chase Carey auf die Frage in Melbourne, wie die Fans und der Formel-1-Zirkus derzeit ihr Reiseprogramm handhaben sollen, sagt der US-Amerikaner: «Sie können mich nicht zu einer Antwort zwingen, die ich nicht kenne. Wir müssen uns der Situation anpassen, so wie sie sich entwickelt.»

Die jüngste Entwicklung: Nachdem die Formel 1 unverrichteter Dinge aus Australien abreisen muss, wird sie in Bahrain und Vietnam gar nicht erst auftauchen. Es spricht nicht eben für kluge Kommunikation in Krisenzeiten, wenn die Formel 1 in ihrem Statement vom «WM-Start Ende Mai» spricht (adieu Zandvoort, Barcelona und Monte Carlo), während die FIA zum gleichen Thema den 1. Mai angibt, was die Rennen der Niederlande, von Spanien und Monaco einschliessen würde.

Wieso mussten in früheren Jahren Rennen verschoben werden? 1995 wurde der auf 16. April angesetzte Pazifik-GP (in Aida/Japan) nach einem Erdbeben in den Oktober versetzt.

1985 löste sich der neue Belag auf der Traditionsrennstrecke von Spa-Francorchamps auf. Der auf 2. Juni angesetzte WM-Lauf wurde Mitte September nachgeholt.

Meist sind es finanzielle Sachzwänge, welche zur Absage eines Rennens führen: 2015 suchten die südkoreanischen Organisatoren einen Weg aus dem Vertrag mit dem damaligen Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone. Ihr Rennen war ein einziges Fiasko, und so handelten sie nach dem Motto – lieber ein Ende mit Schrecken (Konventionalstrafe aufgrund des Vertragsbruchs) als ein Schrecken ohne Ende.

Der WM-Lauf von Bahrain 2013 konnte aufgrund von Unruhen im Land nicht stattfinden, das auf 13. März angesetzte Rennen wurde zunächst auf Oktober verschoben und später abgesagt.

1997 wurde der Grossen Preis von Portugal auf 21. September geplant. Aber die Pistenbetreiber weigerten sich aber, ihre Strecke zu modernisieren. Sie erhielten zunächst eine weitere Frist, bis 26. Oktober, dann platzte das Rennen. Stattdessen kam es zu einem Europa-GP in Jerez – und dem dramatischen WM-Finale zwischen Michael Schumacher und Jacques Villeneuve.

1987 führt ein Sponsoren-Streit zwischen den beiden Brauerein Molson und Labbatt dazu, dass der Kanada-GP abgesagt wurde.

Der 1979 geplante WM-Lauf in Schweden wurde nach dem Tod der einheimischen Fahrer Ronnie Peterson und Gunnar Nilsson gestrichen: Das Interesse schwedischer Fans und Sponsoren war erloschen.

Der für 1976 geplante Grosse Preis von Argentinien konnte nicht durchgeführt werden, weil es wirtschaftliche Probleme und daher schwere Unruhen im Land gab.

1969 musste der Belgien-GP gestrichen werden, weil die von den Piloten geforderden Umbauten für mehr Sicherheit nicht durchgeführt wurden. Die englischen und italienischen Rennställe machten klar: Dann fahren wir nicht.

1956 und 1957 wurden einige WM-Rennen wegen der Suez-Krise und der gestiegenen Ölpreise abgesagt (Niederlande, Spanien, Belgien).

1955 wurden nach der Le-Mans-Tragödie (84 Tote) die Rennen von Reims (Frankreich), Nürburgring (Deutschland), Bremgarten (Schweiz) und Pedralbes (Spanien) alle abgesagt.

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