Schelm Hans Heyer: Startverbot, trotzdem GP-Start

Von Mathias Brunner
Formel 1

​16. März 2020, der frühere Tourenwagen-Star Hans Heyer ist 77 Jahre jung geworden. Im GP-Sport hat der Mönchengladbacher mit einem Kabinettstückchen Geschichte geschrieben, das heute unmöglich wäre.

Alles Gute zum Geburtstag, guter Hans Heyer! Der Mönchengladbacher wird an diesem 16. März 77 Jahre jung. Im Rennsport ist der Mann mit dem Hut durch grandiose Tourenwagen-Darbietungen unvergessen: Drei Mal Champion der Deutschen Rennsportmeisterschaft (heute DTM), drei Mal Sieger beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps. Zudem ist er und nicht etwa Michael Schumacher oder Sebastian Vettel der erfolgreichste Kart-Fahrer Deutschlands – zwei Mal WM-Zweiter, vier Mal EM-Sieger, vier Mal deutscher Meister, zwei Mal niederländischer Meister, Respekt.

Wer so viel Erfolg hat, muss auch eine gewisse Schlitzohrigkeit mitbringen, und das kam dem Mönchengladbacher beim einzigen Formel-1-Einsatz zu Gute. Denn Heyer hat 1977 in Hockenheim einen Akt ein Kabinettstückchen gezeigt, das sogar in der kunterbunten Grand-Prix-Historie einmalig und bemerkenswert ist, und das kam so …

Heyer hatte sich für den Grossen Preis von Deutschland nicht qualifizieren können. 30 Fahrer standen damals im Training, 24 waren zum Start berechtigt, aber Heyer landete im ATS-Penske nur auf Quali-Platz 27, auf den 24. (den Mexikaner Héctor Rebaque) fehlten vier Zehntelsekunden. Immerhin war der Mann mit dem Jägerhut im Training schneller als ein gewisser Emerson Fittipaldi. Nicht übel, wenn wir daran denken, dass Heyer nur eine Stunde Zeit hatte, sich ans Fahrverhalten des Formel-1-Renners zu gewöhnen.

Das hielt den ausgefuchsten Hans nicht von einem gewagten Plan ab: «Ich habe mein Auto an einer strategisch günstigen Stelle platziert und gewartet. Die Grid-Girls waren damals Gokart-Fahrerinnen, und ich kannte die meisten von ihnen gut. Ich sagte: ‚Mädels, wenn ihr von der Startaufstellung zurückkommt, dann stellt euch um mein Auto herum und gebt mir Sichtschutz.’»

Gesagt, getan: Das Feld ging auf die Reise, kurz darauf bog – zum Gejohle der Fans – nach Hans Stuck im Brabham-Alfa und Jochen Mass im McLaren-Ford ein dritter deutscher Fahrer auf die Bahn ein!

Im heutigen Hochsicherheits-Trakt Formel 1 wäre das ein Ding der Unmöglichkeit …

ZDF-Reporter Harry Valerien war völlig von den Socken: «Wo kommt dieser Kerl denn her?»

Die Rennleitung war so baff, dass es eine Weile dauerte, bis ihnen dämmerte: Da fahren zwei ATS-Renner herum, nicht nur einer. Noch bevor die schwarze Flagge hervorgekramt werden konnte, rollte der Penske aus – Getriebedefekt. Da hatte sich der Wegberger bereits auf Rang 19 vorgekämpft.

Ex-Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein, zu jenem Zeitpunkt Chef des deutschen Rennsportverbands, zitierte Heyer wie einen Schulbuben zu sich und machte ihm klar, dass man an ihm ein Exempel statuieren müsse. Heyer grinste: «Sperrt mich doch für fünf Rennen.»

Das hat den Schelm herzlich wenig gestört, denn weitere Formel-1-Starts waren ohnehin nie geplant.

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