Marc Surer: «Wir können froh sein, 11 GP zu haben»

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Formel-1-CEO Chase Carey spricht von einem WM-Programm aus 15 bis 18 Rennen. Der frühere Grand-Prix-Fahrer Marc Surer meint: «Wir können froh sein, wenn wir eine Saison aus 11 Rennen erhalten.»

Die Formel-1-Saison 2020 sollte eigentlich die längste in 70 Jahren Königsklasse werden, mit einem strammen Programm von 22 Läufen, angefangen am 15. März in Australien und mit dem Schlusspunkt in Abu Dhabi am 29. November.

Die Corona-Pandemie könnte hingegen dazu führen, dass wir ganz im Gegenteil die kürzeste Saison seit rund 40 Jahren erleben werden. Formel-1-CEO Chase Carey spricht kühn von einem «WM-Programm aus 15 bis 18 Rennen.»

Aber das hält einer vernünftigen Betrachtung kaum stand. Könnten wir im Juli wieder Rennen fahren, hätten wir bis Ende November 22 Sonntage. Und da will Chase Carey 18 Rennen auf vier Kontinenten unterbringen? Fällt der Juli für den Rennbetrieb aus und die Saison würde um zwei Wochen verlängert, wären das immer noch 15 bis 18 Rennen in 20 Wochen. Das ist eine Illusion.

Der frühere Formel-1-Fahrer und heutige GP-Experte Marc Surer meint: «Geplant waren also 22 Rennen. Wenn wir Ende 2020 elf haben sollten, so dürfen wir uns glücklich schätzen. Dann würde die Saison auch offiziell als WM gelten, denn dazu müssen wir gemäss Reglement mindestens acht Läufe haben.»

«Nur Monaco ist abgesagt, alles anderen Rennen sind ja offiziell nur verschoben. Aber das ist rein theoretisch. Jedem muss klar sein, dass wir nicht alle verschobenen Grands Prix nachholen werden. Elementar wird dabei die Frage sein, bei welchen Rennen ein Nachholen sinnvoll ist.»

«Ich habe auch vom Plan gehört, dass auf verschiedenen Strecken zwei Mal gefahren werden sollte. Aber diese Rechnung geht nicht auf. Gewiss, für die Teams wäre das einfacher, aber kein Veranstalter wird zwei Mal eine Antrittsgebühr zahlen. Sinn machen vielmehr Kombination, wie etwa die WM-Läufe von Bahrain und Abu Dhabi zu verbinden.»

«Die Formel-1-Führung wird sorgfältig abschätzen müssen, welche GP aus finanzieller Sicht zwingend sind, sprich: welcher Veranstalter gemessen am Schnitt höhere Antrittsgebühren entrichtet.»

«Das nächste Problem besteht darin, die nachzuholenden Rennen in einen bestehenden Plan einzufügen. Da muss auch die Logistik stimmen. Wenn ich an all das denke, dann ist es mir schleierhaft, wie Carey 15 bis 18 Rennen durchführen will.»

Jeder kämpft in der Coronakrise mit seinen ganz eigenen Schwierigkeiten. Der frühere Formel-1-Fahrer Marc Surer sagt: «Mein grösstes Problem besteht darin, dass meine Ehefrau in Argentinien festsitzt und ich in Spanien bin. Das zweitgrösste Problem ist die Ungewissheit, denn keiner weiss, wie es weitergeht. Ich bin ein sehr aktiver Mensch, ich gehe gerne reiten, ich gehe kartfahren, ich gehe radfahren, das ist derzeit alles kaum möglich. Gleichzeitig ist mir sehr bewusst, was gerade in Spanien alles passiert, also wäre es unangemessen, sich über so etwas zu beklagen.»

«Für Menschen, die zuhause bleiben müssen, bietet sich auch die Gelegenheit, sich um Arbeiten zu kümmern, die vielleicht vor Corona ein wenig liegengeblieben waren. Ich habe überdies einen Hund, der ist gerade in diesen Zeiten der sprichwörtlich beste Freund des Menschen.»

Auch der Formel-2-Europameister von 1979 fragt sich natürlich, was noch alles auf uns zukommt. «Wenn wir die Entwicklung von China als Beispiel heranziehen, dann wird die Lage in Spanien und auch in anderen Ländern noch schlimmer, bevor die Kurve abflachen wird. Italien steckt schlimm in der Krise, hat aber auch heftig reagiert. Also müssten sich dort die ganzen Massnahmen irgendwann bemerkbar machen. Ich erwarte in den USA noch stark steigende Zahlen, weil dort viel zu lasch gehandelt worden ist. Südamerika ist schwer einzuschätzen. Aber die grossen Distanzen in Ländern wie Argentinien oder Brasilien werden helfen, Grossstädte jetzt mal ausgenommen. In Europa leben Millionen von Menschen dicht gedrängt. In Argentinien musst du teilweise eine halbe Stunde fahren, um eine Ortschaft zu finden.»

«Meine grosse Hoffnung besteht darin, dass wir ein Medikament finden, das wenigstens bei den schlimmsten Erkrankungen eingesetzt werden kann. Ich weiss von einem japanischen Grippemittel, mit dem in China gute Ergebnisse erzielt worden sind. Ob die Japaner in erheblich grösseren Mengen produzieren können, ist wieder eine andere Frage. Und es soll ein Medikament gegen Ebola aus Deutschland geben, das ebenfalls bei Covid-19-Erkrankungen eingesetzt werden kann. Ich hoffe zudem, dass es eines Tages einen Impfstoff geben wird, um zu verhindern, dass SARS-CoV-2 zurückkehrt, so wie die saisonale Grippe zurückkehrt.»

«Generell bin ich der Meinung, wir Europäer müssen ein neues Hygiene-Verständnis erzeugen. Vielleicht sollte uns da Asien ein Vorbild sein.»

Der gegenwärtige Formel-1-Kalender 2020

14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
05. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
02. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
06. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

Ohne neuen Termin
Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ

Abgesagt
Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC

Das ursprüngliche WM-Programm

15. März: Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
22. März: Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
5. April: Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
19. April: Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
3. Mai: Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
10. Mai: Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
24. Mai: Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC
7. Juni Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
5. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
2. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
6. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

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