Covid-19: Studie in Österreich und Formel-1-Hoffnung

Von Johannes Orasche
Formel 1
Der Red Bull Ring in der Steiermark

Der Red Bull Ring in der Steiermark

​Österreich hat am 10. April als erstes Land in Kontinental-Europa eine Studie mit 1500 Personen zum Covid-19-Virus präsentiert. Die Zahlen zeigen: Nur das Prinzip «Abstand halten» führt langsam zur Normalität.

Der Motorsport harrt im Moment wegen der Corona-Pandemie weltweit der Dinge. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärte unlängst, dass in Österreich vor Ende Juni keine Veranstaltungen durchgeführt werden. Wann es tatsächlich wieder Rennen geben kann, ist somit reine Spekulation. 

Auf dem Red Bull Ring in Spielberg in der Steiermark könnten sich die Verantwortlichen dennoch bereits für Anfang Juli ein Formel-1-Event mit zwei so genannten Geister-Rennen ohne Zuschauer vorstellen, auch wenn der finanzielle Verluste somit erheblich wäre. Drei Wochen wären gemäss Red Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko nötig, um die Anlage für die Formel 1 hochzufahren. Dem stehen jedoch Reiseverbote gegenüber, denn davon sind auch die GP-Teams betroffen.

Österreich gilt generell als Vorreiter, was die Bekämpfung des tückischen Coronavirus betrifft, verzeichnet bereits seit Tagen rückläufige Infektionszahlen. Die Zahl der Geheilten stand zuletzt über jener der Neuinfizierten. Die Bürger halten sich zudem großteils gewissenhaft an die Beschränkungen. Die weniger dichte Besiedelung spielt bei den Ansteckungszahlen ebenfalls eine Rolle. Auch die deutsche Regierung hat das punkto Einwohner um den Faktor 10 kleinere Nachbarland mehrfach lobend erwähnt. 

Am Freitag wurde in Wien vom Meinungsforschungsinstitut SORA eine bisher einzigartige Prävalenz-Studie präsentiert. 1544 Personen wurde landesweit via Stichproben beliebig ausgewählt und einem Corona-Test unterzogen. Getestet wurden Personen zwischen 0 und 94 Jahren. Somit wollte man Aufschlüsse über etwaige Dunkelziffern erhalten und auch jene Personen hochrechnen, die infiziert sind, jedoch keine Symptome haben.

Das Ergebnis: Das Spektrum an infizierten Menschen liegt in der Alpenrepublik mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 10.200 und 67.400 Personen. Der wahrscheinlichste Wert liege bei etwa 28.500 Personen. Offiziell steht Österreich bei 13.271 infizierten und registrierten Personen (Stand: 10. April, 8.00 Uhr). 309 Todesfälle sind verzeichnet – die Schweiz liegt bei 948. 

Prozentual gesehen beträgt die Anzahl der infizierten Personen in Österreich somit hochgerechnet etwa 0,33 Prozent. Diese Zahlen korrellieren mit einer punktuell durchgeführten Studie eines Ortsteils aus dem deutschen Heinsberg.

Die effektive Reproduktionszahl liegt zwischen 25. März und 6. April bei 0,87, das bedeutet, dass eine infizierte Person weniger als eine weitere Person ansteckt. Im selben Zeitraum ging die Zahl der neu Infizierten um täglich 10,7 Prozent zurück.

Die Werte der Studie würden auf einen niedrigen Immunisierungsstatus hinweisen, damit sei man potentiell schnell wieder bei einem exponentiellen Wachstum, erklärte der Wissenschaftsminister Heinz Fassmann (ÖVP). Der Berg sei höher als gedacht.

Die Strategie einer Corona-Bekämpfung im Zuge einer gewollten Durchseuchung der Bevölkerung ist also keine Option, da der Prozentsatz an Infizierten auch inklusive der Dunkelziffern viel zu gering ist. Österreich will weiter auf «Abstand halten» setzen und so schrittweise langsam zur Normalität zurückkehren. 

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