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Flavio Briatore: Der Tag, als Fernando Alonso weinte

​Am 12. April wird der frühere Formel-1-Teamchef Flavio Briatore 70 Jahre alt. Der erfolgreiche Unternehmer macht sich Gedanken über die Königsklasse und sagt, was sich seiner Meinung nach dringend ändern sollte.

Formel 1

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Die Erfolgsbilanz von Flavio Briatore in der Formel 1 darf sich sehen lassen: Unter seiner Führung wurde Michael Schumacher 1994 und 1995 Weltmeister, Benetton eroberte überdies den Konstrukteurs-Pokal 1995. 2005 und 2006 war dann die Reihe an Fernando Alonso, mit Briatore am Ruder beim Werkseinsatz von Renault, dieses Mal wurde auch der Markentitel zwei Mal in Folge gewonnen. "Die Formel 1 ist heute ganz weit weg", sagt Briatore den Kollegen des Corriere della Sera. "Als Sport vermisse ich sie nicht, was mir hingegen fehlt, das ist es ein Team zu führen, Entscheidungen zu treffen, sich immer neuen Herausforderungen stellen, jeden Tag."

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"Vor kurzem habe ich mich mit Fernando Alonso über ein Rennen in Brasilien unterhalten. Es hatte angefangen zu regnen, unsere Techniker waren der Ansicht, dass man mit Trockenreifen starten sollte. ‘Wenn ich das Fernando eröffne, dann verweigert er den Start’, habe ich zu meinen Jungs gesagt. Er sass bereits im Rennwagen und hat bei meinen Worten die Augen aufgerissen. ‘Aber macht das sonst noch jemand?’ – ’Ja, dein Stallgefährte.’ Fernando war Letzter, aber er hat es dank unserer Taktik aufs Siegerpodest geschafft."

"Ich musste mich gegen alle Widrigkeiten kämpfen. Ich bin mit Benetton in die Formel 1 gekommen, die nur als Kleiderhersteller wahrgenommen wurden, nicht als ernstzunehmender Gegner. Aber dann haben wir mit drei Rennställen gewonnen, mit Benetton, Ligier und Renault, sieben Titel in 18 Jahren. Aber statt uns zu diesen Leistungen zu beglückwünschen gab es immer Leute, die mich nicht leiden konnten, wie Max Mosley, der frühere Präsident der FIA. Bernie Ecclestone hingegen hat mir geholfen, und wir haben zusammen mit Luca Montezemolo von Ferrari Gutes geschafft im Rahmen der Arbeit für die FOTA, also für die Team-Vereinigung der Formel 1. Wir haben uns Mosley entgegengestellt."

Viele Tifosi glauben bis heute: Mit einem Flavio Briatore am Ruder hätte Ferrari mehr Titel geholt. Der Erfolgsmanager findet: "Es gab lose Gespräche, aber nie etwas Ernsthaftes. Von Ferrari träumen alle, und ich bin nicht der Ansicht, dass diese ein schwierig zu führender Rennstall ist. Als Fernando für Ferrari gefahren ist, gab es Zwiespalt mit dem damaligen Rennchef Marco Mattiacci. Die Schuld lag immer bei Alonso. Ich verstehe bis heute nicht, wieso Ferrari seit 2007 nicht mehr Weltmeister geworden ist. Die finanziellen Mittel sind vorhanden, sie haben eine tolle Belegschaft, sie wissen, wie man Rennen gewinnt, dann diese immense Historie – vielleicht fehlt einfach einer, der alle Teile ideal zusammenführt."

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Spürt Briatore Bitterkeit, dass Fernando Alonso nicht mehr Formel-1-Titel gewonnen hat? "Der einzige Bockmist war die Entscheidung, zu McLaren zu gehen. Klar tut es mir weh, wenn ich weiss, dass Fernando für Ferrari zwei zusätzliche Titel verloren hat, nicht aus eigener Schuld. Die WM 2010 hatte er so gut wie in der Tasche, dann hat der Kommandostand versagt. Das war ein echter Tiefschlag, ich hatte nie zuvor Fernando weinen sehen. Wäre er dort Champion geworden, hätte die Geschichte einen anderen Verlauf genommen. Ich bin überzeugt, 2011 hätte er gleich nachgelegt, und Teamchef Stefano Domenicali und Präsident Montezemolo wären geblieben."

Wenn Briatore auf die heutige Formel 1 blickt, wer sind dann die Besten? "Hamilton, dann Verstappen und Leclerc. Die letzten beiden würde ich gerne mal im gleichen Team erleben."

Und aus seiner Epoche? "Senna und Schumacher, die wir leider nie echt gegeneinander erlebt haben, dann Fernando. Alonso ist wie ein Rottweiler, ich würde ihn auf der Stelle verpflichten. Er ist physisch noch immer in Top-Form, und er macht so gut wie keine Fehler."

Zur aktuellen Diskussion um die Budgetobergrenze findet Flavio Briatore: "Ich habe immer gesagt – was der Fan nicht sieht, können wir vereinheitlichen. Je ähnlicher die Rennwagen sind, desto eher setzen sich die überragenden Piloten durch, desto eher könnten sich auch die Rennställe aus dem Mittelfeld in Szene setzen. Den Deckel würde ich nicht als Finanzgrenze definieren, sondern anders – indem die Anzahl aerodynamischer Bauteile eingeschränkt würde oder die Stunden im Windkanal. Und ich würde die Grands Prix ändern: Sie sollten kürzer sein. Am besten wären zwei Rennen zu je 40 Minuten."

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