Ricardo Divila tot: Weggefährte der Fittipaldi-Brüder

Von Adam Cooper
Formel 1
​Im Frankreich ist der Brasilianer Ricardo Divila verstorben. In den 70er und 80er Jahren war der Rennwagendesigner Wegbegleiter des grossen Emerson Fittipaldi. Ricardo Divila wurde 74 Jahre alt.

Ricardo Divila ist tot. Der Rennwagendesigner aus São Paulo erlag im Alter von 74 Jahren einer kurzen, schweren Krankheit, in seiner Wahlheimat Frankreich. Im Rennsport ist er den meisten Fans aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit mit seinem Landmann Emerson Fittipaldi bekannt. Aber wenn wir uns die Karriere von Divila betrachten, merken wir schnell, wie vielfältig das Wirken des Südamerikaners war.

Meist engagierte sich Divila freiberuflich, im Rahmen seiner eigenen Firma, die für verschiedene Rennställe beratend tätig war. Das bedeutet, dass er jeweils zahlreiche Bälle in der Luft halten musste, in ganz unterschiedlichen Rennserien. Sein guter Ruf bedeteutete, dass es ihm nie auf Aufträgen mangelte.

Ricardo Ramsey «Richard» Divila wurde am 30. Mai 1945 in São Paulo geboren. Auf väterlicher Seite reichten seine Wurzeln nach Tschechien. Der gelernte Mechanik-Ingenieur kam mit dem Rennsport in Kontakt, als er Wilson und Emerson Fittipaldi kennenlernte. Sein erster Rennwagen war ein Formel V, dann ein Sportwagen, und als die Brüder Fittipaldi 1969 ihr Glück in Europa suchten, reiste Divila mit.

Nach seinen beiden WM-Titeln mit Lotus und McLaren gründete Emerson Fittipaldi ein Formel-1-Team, Fittipaldi Automotive. Als Knicks vor dem Hauptsponsor wurde der zunächst silberne Renner Copersucar genannt. Am Lenkrad sass Wilson Fittipaldi. Divila entwarf die ersten Renner der Typen FD01 (für Fittipaldi und Divila), FD02 und FD03 von 1975 und 1976. Aber Wilson Fittipaldi kam im ersten Jahr über einen zehnten Platz (in den USA) nicht hinaus, dann hörte der Mann mit den berühmten Tropfen auf dem Helm auf.

Emerson Fittipaldi verliess McLaren und fuhr ab 1976 fürs eigene Team. Der neue FD04 war weniger revolutionär. Ein fünfter Startplatz beim Heim-GP in Interlagos war vielversprechend, aber letztlich konnte Fittipaldi nur zwei Punkte zusammenkratzen, als Sechster in Long Beach, Monte Carlo und Brands Hatch.

1977 holte Emerson Fittipaldi Dave Baldwin als Designer, das Modell zeigte mit dem Namen F5, dass Divilas Einfluss geschwunden war. In den folgenden Jahren gaben sich talentierte junge Designer die Klinke in die Hand bei Fittipaldi – Ralph Bellamy, Harvey Postlethwaite, Adrian Newey.

Trotz der Degradierung blieb Divila seinem Landsmann treu, als leitender Renningenieur. Für das letzte Modell von Fittipaldi, den F9 des Jahres 1981, war er sogar wieder leitender Designer.

Dann jedoch begann sich Ricardo Divila ganz auf seiner Beraterfirma zu konzentrieren, zunächst mit den Kunden March, Ralt und ADA, für die er ein Gruppe-C2-Auto baute. Im IndyCar-Sport arbeitete er mit den Rennställen von Pat Patrick, Helemgarn und Provimi Veal zusammen, dazu mit Eddie Jordan in der Formel 3 und in der Formel 3000, der damaligen Sprungbrettklasse zur Formel 1, was der heutigen Formel 2 entspricht.

Divila zeichnete den F3000-Renner von FIRST und entwarf für die Italiener auch einen GP-Renner. Aber es mangelte an Finanzen, und als das Chassis als Life L190 endlich auf die Rennbahn kam, hatte er damit nichts mehr zu schaffen.

1989 heuerte Divila als Chefingenieur bei Ligier an, von dort wechselte er zu Fondmetal (zuvor Osella), von da zu Minardi, wo er mit dem späteren Ferrari- und Mercedes-Konstrukteur Aldo Costa arbeitet und – der Kreis schliesst sich – mit Christian Fittipaldi als Fahrer, dem Sohn von Wilson Fittipaldi.

Divila kehrte in die Formel 3000 zurück, zu Apomatox, dann zu DAMS. Er begann eine lange Kooperation mit Courage im Sportwagensport, er wurde Technikdirektor bei Nissan, für Programme im Tourenwagensport und auf den Rallyepisten. Seine Tätigkeit bei Nissan umschloss auch die Arbeit bei NISMO, vorwiegend in der japanischen GT-Serie.

1997/1998 war Divila im Tourenwagen-Team von Formel-1-Champion Keke Rosberg zu finden, ab 2000 verstärkte er das GP-Team von Alain Prost. Ende 2001 aber musste der vierfache Weltmeister zusperren. Divila zog weiter und verstärkte seine Arbeit für Nissan, die mit ihm einige Titel in der Super GT gewannen und in der Super Formula.

Ricardo Divila arbeitete an der Seite von Henri Pescarolo bei dessen Sportwagen-Team und er war leitender Techniker beim aufregenden Deltawing von Nissan. Zudem war der Tausendsassa Divila von 2011 bis 2016 Renningenieur von Greaves Motorsport in verschiedenen Rennserien.

2016 kehrte er an die Seite seines alten Freundes Wilson Fittipaldi zurück und kümmerte sich um die Nachwuchsformel V in Brasilien, später um die brasilianische Formel 4. Er blieb dem GT-Sport verbunden, und als ob das alles noch nicht genug wäre, fand er Zeit für Vorträge und Journalismus.

Eine der schönsten Arbeiten im Herbst seiner Karriere: Er restaurierte die Copersucar-Renner, die er einst entworfen hatte.

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