Charles Leclerc über Geister-GP: «Besser als nichts»

Von Agnes Carlier
Charles Leclerc

Charles Leclerc

​Wenn die Formel 1 wieder rollt, dann werden die Tribünen leer bleiben – die Königsklasse fährt Geisterrennen. Ferrari-Fahrer Charles Leclerc sagt: «Das wird sehr seltsam sein, aber es ist besser als nichts.»

Das WM-Finale von Abu Dhabi fand am 1. Dezember 2019 statt. Nun haben wir seit 145 Tagen keinen GP-Start erlebt. In einer normalen Welt hätten wir schon vier WM-Läufe hinter uns – Australien, Bahrain, Vietnam und China. Aber in der Coronakrise ist nichts normal. Ferrari-Fahrer Charles Leclerc sagt: «Wenn der Tag kommt, an welchem wir wieder fahren können, dann wird sich das sehr seltsam anfühlen. Ich glaube, keiner von uns Fahrern hat eine solch lange Zeit ohne Rennen erlebt.»

«Es wird eigenartig sein, wieder ein GP-Wochenende zu beginnen. Einfach wird das nicht. Ich freue mich wahnsinnig auf diesen Moment, aber ich glaube auch, dass einige Fahrer vielleicht etwas länger brauchen werden, um sich wieder an alles zu gewöhnen.»

Eines ist glasklar: Wenn die Formel-1-Führung im Sommer in Europa Grands Prix durchführen will, dann wird das ohne Publikum passieren, die Königsklasse wird Geisterrennen durchführen. Charles Leclerc: «Das wird ganz merkwürdig, denn als Fahrer spürst die das Publikum sehr intensiv. Du siehst sie, du bist in Kontakt mit den Fans, du hörst sie, sogar im Rennwagen.»

«Die Unterstützung tut einem Piloten gut, besonders in Phasen, in welchen es vielleicht nicht so gut läuft. Es ist ein schönes Gefühl, glückliche Fans zu sehen. Wenn das alles wegfällt, dann wird das etwas ganz Anderes sein.»

Aber Charles Leclerc ist da ganz Pragmatiker: «Besser Geisterrennen als nichts. Wenn wir es schaffen, wieder Rennen auf die Beine zu stellen, dann ist das grundsätzlich gut, denn wir können den ganzen Fans zuhause etwas Gutes tun. Und natürlich ist es auch für uns selber gut, weil wir Piloten das Fahren so sehr vermissen. Aber im Zentrum einer Rückkehr muss die Sicherheit stehen.»

Die Rede ist davon, auf gewissen Strecken gleich zwei Läufe auszutragen. Charles Leclerc sagt im Rahmen einer von Ferrari organisierten Videokonferenz: «Man kann natürlich argumentieren, das sei nicht fair. Aber letztlich geht es darum, das Beste aus der misslichen Situation zu machen. Und wenn das bedeutet, dass wir auf der gleichen Bahn zwei Rennen austragen, dann ist es eben so. Es ist wichtig, dass wir noch so viele Grands Prix wie möglich austragen.»

«Ich habe auch vom Vorschlag gelesen, auf gewissen Strecken gegen die übliche Fahrtrichtung zu fahren. Das fände ich cool. Auf diese Weise würden wir eine Rennstrecke völlig neu entdecken. Als Idee finde ich das interessant.»

In der Praxis wird das wohl nicht passieren: Auslaufzonen und Schutzvorkehrungen an Formel-1-Strecken sind wohldurchdacht platziert – würde in Gegenrichtung gefahren, wäre dieser Schutz nicht mehr überall gegeben.

Leclerc spinnt den Faden dennoch weiter: «Wir müssten eine Piste neu lernen. Ich habe das auf gewissen Kartstrecken gemacht. Und da kann ich sagen – in Gegenrichtung zu fahren, da fühlt sich eine Strecke wie eine neue an. Das wäre auch eine gute Chance für jüngere Piloten, weil die Erfahrung der Älteren wegfällt.»

Formel-1-CEO Chase Carey hat klargemacht, dass wir uns bei einem verringerten WM-Programm auf einen völlig neuen Ablauf einrichten müssen. Charles Leclerc weiter: «Wir haben zwei gestrichene Rennen und viele Läufe sind verschoben worden. Ich gehe davon aus, dass weitere hinzukommen. Alles wird auf den Kopf gestellt, aber in solchen Zeiten muss man eben an eine Alternative denken. Offiziell ist noch nichts, auch ich weiss nicht, wie ein neuer Ablauf aussehen könnte. Ich lese nur, was im Internet zu finden ist.»

Auch von Rennen in dichter Folge ist die Rede. Leclerc findet: «Das wird kein Problem sein. Wir sind alle so lange zuhause und so fleissig am Trainineren – wir werden bereit sein, wann immer es losgehen kann.»

Der gegenwärtige Formel-1-Kalender 2020

05. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
02. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
06. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

Ohne neuen Termin
Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F

Abgesagt
Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC

Das ursprüngliche WM-Programm

15. März: Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
22. März: Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
5. April: Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
19. April: Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
3. Mai: Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
10. Mai: Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
24. Mai: Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC
7. Juni Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
5. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
2. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
6. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

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