Spielberg-GP: Was passiert bei positivem Virustest?

Von Günther Wiesinger
Formel 1
Am 5. Juli soll auf dem Red Bull Ring die Formel-1-WM 2020 beginnen

Am 5. Juli soll auf dem Red Bull Ring die Formel-1-WM 2020 beginnen

​Auf dem Weg zum Formel-1-WM-Beginn Anfang Juli auf dem Red Bull Ring von Spielberg stehen noch viele Hürden: Was geschieht, wenn ein Mitglied eines Formel-1-Rennstalls positiv getestet wird?

Die österreichische Bundesregierung hat angekündigt, für die Veranstalter des Formel-1-GP in Spielberg sowie Serien-Promoter Liberty Media, die FOM (Formula One Management) und den Autosport-Weltverband FIA bis Ende Mai einen Maßnahmenkatalog auszuarbeiten, der die Richtlinien für die Austragung des Events in der Steiermark ermöglichen soll. Die GP-Teams sind der Ansicht, sie würden die meisten zu erwartenden Vorschriften bereits erahnen und vorweg entsprechend planen.

Man plant also konstante Covid-19-Bluttests, die bei der Einreise maximal vier Tage alt sein dürfen, man will die Abstandsregeln und Hygienevorschriften einhalten und notfalls die Gesichtsmasken tragen, wenn man sich im Paddock zu nahe kommt, dem Versammlungsverbot soll durch eine Reduktion auf 2000 Menschen im Paddock entsprochen werden. So will die Formel 1 am 5. und 12. Juli in Österreich zwei Wettbewerbe austragen. Die Dorna möchte dann am 26. Juli und 2. August mit der MotoGP-WM in drei Klassen nachziehen.

Aber gestern wurde die Sportindustrie in Österreich vom Gesundheitsministerium mit einer Hiobsbotschaft konfrontiert. Die Fußballclubs der österreichischen «tipico Bundesliga» dürfen nicht vor 15. Mai ins volle Mannschaftstraining zurückkehren, wie die Liga am Donnerstag nach einem Gesprächstermin mit Vertretern der Ministerien für Gesundheit und Sport bekanntgab. Ligavorstand Christian Ebenbauer bedauerte, eine Fortsetzung der seit Mitte März wegen der Coronaviruskrise gestoppten Saison bis Ende Juni sei damit unmöglich. Es soll jetzt bis Ende Juli gekickt werden.

«Mit den Ergebnissen des Termins ist eine sportliche Beendigung der Saison 2019/20 schwieriger geworden», meinte Ebenbauer gegenüber orf.at.

Die Clubs haben ein Konzept für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ohne Zuschauer vorgelegt, das jetzt jedoch von den Behörden nicht akzeptiert wurde und jetzt binnen weniger Tage in einigen Punkten überarbeitet werden muss.

Strengere Quarantäne-Richtlinie

Die österreichische Bundesliga muss für jeden Spieler am jeweiligen Spieltag bis 10 Uhr einen negativen PCR-Tests präsentieren. Falls ein Athlet positiv auf das Coronavirus getestet wird, wollte die Bundesliga nur den betroffenen Akteur vom Rest der Mannschaft isolieren.

Das Gesundheitsministerium verlangt aber jetzt rigoros, dass auch dessen Kontaktpersonen verpflichtend in Quarantäne gestellt werden müssen. Also im schlimmsten Fall die komplette Mannschaft samt allen Betreuern.

Falls so ein Konzept im Juli auch noch in der Formel 1 und in der MotoGP vorgeschrieben wird, müsste der jeweilige vom positiven Test betroffene Rennstall sofort in strenge Quarantäne gesteckt werden. Für 14 Tage. Er wäre vom Wettbewerb ausgeschlossen – und vom nächsten Event womöglich auch. Gut vorstellbar, dass diese Maßnahmen in der gesamten EU gelten werden, bis es einen Impfstoff gibt.

Ein ähnlich rigoroses Vorgehen hat der Radsportweltverband UCI im Februar bereits bei der achttägigen Profi-Radrundfahrt in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) angewendet. Nach zwei positiven Tests von italienischen Teambetreuern wurde die Rundfahrt vorzeitig abgebrochen; alle Teilnehmer und Teams mussten sofort in den Hotels in strengen Hausarrest gehen.

Zur Erinnerung: Als die Formel 1 im März in Melbourne gastierte, wurde ein Mitglied des McLaren-Teams positiv getestet, McLaren-CEO Zak Brown und Teamchef Andreas Seidl zogen daraufhin den Traditionsrennstall von der Veranstaltung zurück. Es war der erste Dominostein, welcher schließlich zum Abbruch des Australien-GP-Wochenendes führte.

Bei Mercedes-Benz, Ferrari oder Red Bull Racing wäre ein Rpckzug von einem Rennen wegen eines positiven Corona-Tests unvorstellbar, weil ihr Fehlen die WM verfälschen würde, aus höherer Gewalt, das Team wäre daran unschuldig. Zudem hat F1-Sportchef Ross Brawn Anfang März zu diesem Thema festgehalten: «Einen Grand Prix gibt es nur mit allen Teams.»

Es gilt auch zu bedenken: Die Formel-1-Teams sollen mit Charter-Maschinen nach Österreich reisen, Personal von AlphaTauri und Ferrari gemeinsam aus Italien, die Fachkräfte von sieben britischen Rennställen aus Grossbritannien. Wird ein Mitarbeiter positiv getestet, dann würde dies nicht nur das eigene Team treffen, sondern alle Kontaktpersonen.

Das «test pooling» (gemeinsames Auswerten mehrerer Testpersonen, nur bei einem positiven Test einzelne Kontrolle) darf im österreichischen Fußball für die Teststrategie berücksichtigt werden, wurde gestern erläutert; maximal fünf Personen dürfen in einer Gruppe zusammengefasst werden. Das senkt die Kosten für die Tests. Die Formel-1-Teams können bisher nicht exakt abschätzen, welche Kosten durch die Tests auf sie zukommen.

In Österreich ist den zwölf Fußball-Bundesligisten sowie ÖFB-Cup-Finalist Austria Lustenau seit 20. April ein Training in Kleingruppen von maximal sechs Spielern und ohne Körperkontakt erlaubt.

Diese neuen Vorschriften bedeuten: In der Formel 1- und in der MotoGP-WM müssen sich die Serien-Veranstalter mit den Teams einigen, dass die Meisterschaft auch gefahren wird, wenn ein oder mehrere Teams wegen eines positiven SARS-CoV-2-Tests in Quarantäne gehen muss.

Ein möglicher Ausweg: Alle Fahrerlager-Insassen müssten sich verpflichtend eine landesübergreifend wirksame «contact tracing»-App auf das Smartphone laden.

Der gegenwärtige Formel-1-Kalender 2020

05. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
02. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
06. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

Ohne neuen Termin
Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN

Abgesagt
Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC
Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F

Das ursprüngliche WM-Programm

15. März: Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
22. März: Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
5. April: Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
19. April: Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
3. Mai: Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
10. Mai: Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
24. Mai: Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC
7. Juni Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
5. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
2. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
6. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

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