Racing Point zieht zurück: Kein FIA-Berufungsgericht

Von Mathias Brunner
Formel 1
Der Fall Racing Point geht nichts vors FIA-Berufungsgericht

Der Fall Racing Point geht nichts vors FIA-Berufungsgericht

​Der Rennstall Racing Point hat die Berufung gegen die Strafe des Autosport-Weltverbands FIA zurückgezogen. Das Gleiche wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch Ferrari machen. Damit ist der Fall erledigt.

SPEEDWEEK.com-Leser erinnern sich: Der Gang einer Renault-Delegation zur Rennleitung erinnerte an den Film «Und ewig grüsst das Murmeltier»: Gleich drei Mal wurden die Franzosen bei den Regelhütern des Autosport-Weltverbands FIA vorstellig, um gegen die Bremsbelüftung des Autos von Racing Point zu protestieren – im Anschluss an die Grossen Preise der Steiermark, von Ungarn und Grossbritannien.

Renault behauptete, dass die Bremsbelüftung des 2020er Racing Point der Lösung am 2019er Mercedes entspreche. Eine solche Kopie wäre verboten. Denn im Reglement ist verankert, dass diese Belüftung vom Rennstall selber entworfen und gebaut werden muss.

Anfang August folgte Einschätzung der Rennkommissare Gerd Ennser (Deutschland), Dennis Dean (USA), Walter Jobs (Österreich) und Richard Norbury (England): Sie geben Renault Recht und büssen Racing Point mit 400.000 Euro und einem Abzug von 15 WM-Punkten (für das Team, die Fahrer behalten ihre Punkte), dies für die Verwendung einer unerlaubt kopierten Bremsbelüftung beim zweiten Rennen auf dem Red Bull Ring. Für die Verwendung auf dem Hungaroring und beim ersten Silverstone-GP gibt es fürs gleiche Vergehen eine Verwarnung. Dies ist das destillierte Ergebnis einer 14seitigen Erklärung.

Der Knackpunkt für die Regelhüter: Racing Point hat 2019 beschlossen, Bremsbelüftungen nach dem Design des 2019er Mercedes W10 zu verwenden, um sie im 2020er Auto zu verbauen. Dabei wurden CAD-Modelle von Mercedes genutzt (computer aided design). Dies ist gemäss 2020er Reglement verboten. Die FIA teilt mit: «Hätte Racing Point sich zum betreffenden Zeitpunkt, also im September oder Oktober 2019 darüber erkundigt, ob sie so vorgehen dürfen, hätten die FIA gesagt – nein.»

Daraufhin deponierten fünf Rennställe die Absicht auf Berufung: Racing Point war mit der Strafe nicht einverstanden, weil sie fanden, sie hätten nichts falsch gemacht; Ferrari, McLaren, Renault und Williams forderten eine noch härtere Bestrafung, weil sie der Ansicht waren, die Pink-Panther würden zwar bestraft, könnten aber mit der technischen gleichen Lösung weitermachen. Diese Teams wollten auch erzwingen, dass die FIA das Reglement geschickter formuliert.

Nach wenigen Tagen brachen die ersten Einwände weg – McLaren, Williams und Renault waren mit der Art und Weise zufrieden, wie sich die FIA um das Schliessen eines reglementarischen Schlupflochs kümmerte.

Kurz vor dem Monza-GP hat nun auch Racing Point zurückgezogen. Das Team teilt mit: «Wir freuen uns über die neue Klarheit, was die Verwendung eigener und übernommener Bauteile angeht. Wir haben die Regeln nie willentlich gebrochen, sondern es bestand ein Mangel an Deutlichkeit im Reglement. Da diese Lücken nun gefüllt sind, haben wir im Interesse des Sports beschlossen, unsere Berufung zurückzuziehen. Die ganze Affäre war eine Ablenkung für uns und andere Rennställe, und wir freuen uns, dass wir uns ab jetzt wieder voll und ganz auf den Motorsport konzentrieren können.»

Damit stand Ferrari als einziges Team da, das noch in Berufung gehen wollte. Noch am 4. September hielt Ferrari-Teamchef Mattia Binotto dazu fest: «Wir sind deshalb in Berufung gegangen, weil wir davon überzeugt sind – was Racing Point getan hat, ist nicht in Ordnung. Es war gegen die Prinzipien unseres Sports.»

Aber Binotto liess sich da schon jene Hintertür offen, die nun genutzt wird: «Wenn die Vorschriften hier klarer werden, etwa in Form einer technischen Direktive für 2021, so sind wir dazu bereit, die Berufung zurückzuziehen.»

Damit landet die ganze Affäre nun also doch nicht vor dem Berufungsgericht der FIA.

Qualifying, Italien

1. Lewis Hamilton (GB), Mercedes, 1:18,887 min  
2. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes, +0,069 sec
3. Carlos Sainz (E), McLaren, +0,808
4. Sergio Pérez (MEX), Racing Point, +0,833
5. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, +0,908
6. Lando Norris (GB), McLaren, +0,933
7. Daniel Ricciardo (AUS), Renault, +0,977
8. Lance Stroll (CDN), Racing Point, +1,162
9. Alex Albon (T), Red Bull Racing, +1,203
10. Pierre Gasly (F), AlphaTauri, +1,290
11. Daniil Kvyat (RUS), AlphaTauri, +1,282
12. Esteban Ocon (F), Renault, +1,347
13. Charles Leclerc (MC), Ferrari, +1,386
14. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo, +2,039
15. Kevin Magnussen (DK), Haas, +2,686
16. Romain Grosjean (F), Haas, +2,252
17. Sebastian Vettel (D), Ferrari, +2,264
18. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo, +2,319
19. George Russell (GB), Williams, +2,700
20. Nicholas Latifi (CDN), Williams, +2,830

WM-Stand Fahrer nach 7 von 17 Rennen

1. Hamilton 157 Punkte
2. Verstappen 110
3. Bottas 107
4. Albon 48
5. Leclerc 45
6. Norris 45
7. Stroll 42
8. Ricciardo 33
9. Pérez 33
10. Ocon 26
11. Sainz 23
12. Gasly 18
13. Vettel 16
14. Nico Hülkenberg (D) 6
15. Giovinazzi 2
16. Kvyat 2
17. Magnussen 1
18. Räikkönen 0
19. Latifi 0
20. Russell 0
21. Grosjean 0

Marken
1. Mercedes 264
2. Red Bull Racing 158
3. McLaren 68
4. Racing Point 66 (81)*
5. Ferrari 61
6. Renault 59
7. AlphaTauri 20
8. Alfa Romeo 2
9. Haas 1
10. Williams 0

* 15 Punkte Abzug wegen Einsatzes illegal kopierter Bremsbelüfung


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