Lewis Hamilton: Ist er jetzt der grösste Rennfahrer?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sir Stirling Moss und Lewis Hamilton 2013

Sir Stirling Moss und Lewis Hamilton 2013

​Sieben WM-Titel, mehr GP-Siege als jeder andere Formel-1-Pilot – ist Lewis Hamilton jetzt der grösste Rennfahrer aller Zeiten? Wir gehen der heiss diskutierten Frage anhand einiger Statistiken nach.

Jetzt wird unter den Fans wieder heiss und kontrovers diskutiert: Wer ist der grösste Rennfahrer? Michael Schumacher oder Lewis Hamilton? Wo ordnen wir da Ayrton Senna ein, den wir viel zu früh verloren haben? Wo Jim Clark, der seine Gegner demütigte? Wo Juan Manuel Fangio, der mit vier verschiedenen Rennwagenherstellern Weltmeister wurde? Wo Stirling Moss, der Beste seiner Epoche, der aber nie Champion geworden ist? Und wir beginnen gar nicht erst, Vorkriegshelden wie Bernd Rosemeyer, Rudi Caracciola und Tazio Nuvolari in unsere Überlegungen mit einzubeziehen oder Fahrer aus anderen Kategorien, aus dem Rallyeport oder aus Amerika.

Wir sehen: Eine höchst knifflige Sache, das mit dem besten Rennfahrer. Also halten wir uns an einige Zahlen, die angeblich nicht lügen.

Lewis Hamilton und Michael Schumacher sind mit je 7 WM-Titeln unerreicht, es folgen Juan Manuel Fangio (5 Titel), Alain Prost und Sebastian Vettel (je 4) sowie Jack Brabham, Jackie Stewart, Niki Lauda, Nelson Piquet und Ayrton Senna (je 3).

Hamilton hat seit 2014 in sieben Jahren sechs Titel geholt. 2020 ist sein vierter Titel in Folge, besser machte das nur Schumi bei Ferrari mit fünf Titeln hintereinander von 2000 bis 2004.

Ein anderes Bild zeigt das Verhältnis Rennen zu GP-Siegen. Hier kommt unter den grossen Fahrern Fangio auf eine Erfolgsquote von rund 47 Prozent – unerreicht. Dahinter schon Hamilton (36), dann Clark (35), Schumacher (30), Jackie Stewart (27), Alain Prost und Ayrton Senna (26), Stirling Moss (24) und Sebastian Vettel (21).

Hamilton hat am meisten Pole-Positions erzielt (97) und am häufigsten gewonnen (94 GP-Siege), dazu die meisten Start/Ziel-Siege eingefahren (22); ohne Zweifel überragend, aber dabei profitiert er auch davon, dass in der Moderne 20 Rennen und mehr gefahren werden. Zu Zeiten von Fangio und Clark waren es sieben bis zehn.

Hamilton hat durchaus noch nicht alle Rekorde an sich gerissen. Michael Schumacher hat mehr beste Rennrunden erzielt als der Brite (77:53), und mehr Hattricks (22:18) – wenn ein Fahrer also am gleichen GP-Wochenende Pole, Sieg und schnellste Rennrunde erkämpft.

Der Ritterschlag punkto Dominanz ist der so genannte Grand Slam: Pole-Position, Start/Ziel-Sieg, beste Rennrunde. Dies hat Jim Clark in seiner Karriere 8 Mal geschafft, Hamilton 6 Mal, Schumacher und Alberto Ascari je 5 Mal.

Nico Rosberg ist mit Mercedes gegen die zwei erfolgreichsten GP-Piloten gefahren: zuerst gegen Michael Schumacher, dann gegen Lewis Hamilton. Der Wiesbadener bringt alles vielleicht am besten ins Lot, wenn er dieses Fazit zieht: «Ich werde jetzt nicht damit beginnen, Lewis und Michael miteinander zu vergleichen. Was ihre Leistungen angeht, so liegen sie auf Augenhöhe. Aber wenn wir Schumacher erwähnen, dann müssen wir von Senna sprechen, und wenn wir den nennen, dann auch Fangio. Für mich ragen letztlich diese vier Fahrer heraus: Hamilton, Schumacher, Senna und Fangio. Wer der Beste von allen war? Das ist unmöglich zu sagen, denn jeder hat ganz unterschiedlichen Epochen seinen Stempel aufgedrückt.»

Türkei-GP, Istanbul

1. Lewis Hamilton (GB), Mercedes, 1:42:19,313 h
2. Sergio Pérez (MEX), Racing Point, +31,633 sec
3. Sebastian Vettel (D), Ferrari, +31,960
4. Charles Leclerc (MC), Ferrari, +33,858
5. Carlos Sainz (E), McLaren, +34,363
6. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, +44,873
7. Alex Albon (T), Red Bull Racing, +46,484
8. Lando Norris (GB), McLaren, +1:01,259 min
9. Lance Stroll (CDN), Racing Point, +1:12,353
10. Daniel Ricciardo (AUS), Renault, +1:35,460
11. Esteban Ocon (F), Renault, +1 Runde
12. Daniil Kvyat (RUS), AlphaTauri, +1 Runde
14. Pierre Gasly (F), AlphaTauri, +1 Runde
13. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes, +1 Runde
15. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo, +1 Runde
16. George Russell (GB), Williams, +1 Runde
Out
Kevin Magnussen (DK), Haas, Aufgabe
Romain Grosjean (F), Haas, Schäden nach Kollision mit Latifi
Nicholas Latifi (CDN), Williams, Schäden nach Kollision mit Grosjean
Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo, Getriebedefekt

WM-Stand nach 14 von 17 Rennen

Fahrer
1. Hamilton 307 Punkte
2. Bottas 197
3. Verstappen 170
4. Pérez 100
5. Leclerc 97
6. Ricciardo 96
7. Sainz 75
8. Norris 74
9. Albon 70
10. Gasly 63
11. Stroll 59
12. Ocon 40
13. Vettel 33
14. Kvyat 26
15. Nico Hülkenberg (D) 10
16. Räikkönen 4
17. Giovinazzi 4
18. Grosjean 2
19. Magnussen 1
20. Latifi 0
21. Russell 0

Marken
1. Mercedes 504
2. Red Bull Racing 240
3. Racing Point 154
4. McLaren 149
5. Renault 136
6. Ferrari 130
7. AlphaTauri 89
8. Alfa Romeo 8
9. Haas 3
10. Williams 0

Mehr über...

Siehe auch

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Lewis Hamilton: Hunger auf mehr als Formel 1

Mathias Brunner
​Lewis Hamilton ist nach 2008, 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister. Doch sein Erbe besteht nicht aus Bestmarken, die er reihenweise niederreisst. Sein Erbe reicht erheblich weiter.
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Do. 26.11., 10:30, Eurosport 2
    Rallye: FIA-Europameisterschaft
  • Do. 26.11., 10:40, Motorvision TV
    Top Speed Classic
  • Do. 26.11., 11:00, Eurosport 2
    Rallye: FIA-Europameisterschaft
  • Do. 26.11., 11:30, Eurosport 2
    Rallye: FIA-Europameisterschaft
  • Do. 26.11., 12:00, SPORT1+
    Motorsport - Porsche GT Magazin
  • Do. 26.11., 12:10, SPORT1+
    Motorsport - FIA World Rallycross Championship
  • Do. 26.11., 15:10, Motorvision TV
    Formula Drift Championship
  • Do. 26.11., 15:35, Motorvision TV
    Monster Jam FS1 Championship Series 2016
  • Do. 26.11., 17:00, Eurosport
    Rallye: FIA-Europameisterschaft
  • Do. 26.11., 17:55, Spiegel TV Wissen
    Rosberg über Rosberg
» zum TV-Programm
7DE