Genialer McLaren-Trick: Müssen Gegner kopieren?

Von Mathias Brunner
​Daniel Ricciardo und Lando Norris machen einen starken Eindruck im neuen McLaren MCL35M. Das liegt nicht nur am Mercedes-Motor, sondern auch an einem genialen Trick bei der Gestaltung des Unterbodens.

2021 werden in der Königsklasse aus Spargründen die gleichen Chassis wie 2020 verwendet. Aber weil die Autos immer mehr Abtrieb aufbauten, mussten die Techniker des Autosport-Weltverbands FIA handeln. Mercedes-Cheftechniker James Allison sagte auf dem YouTube-Kanal der Dauer-Weltmeister: «Das hat uns in Sachen Abtrieb um zwei Jahre zurückgeworfen, auf Stand 2019.»

Allison erklärt: «Es gibt im Grunde vier Änderungen, die nach wenig aussehen. Aber in der Summe ergibt das eine ganze Menge. Nach einer solchen Reglementänderung besteht die Aufgabe des Aerodynamikers darin, den verlorenen Abtrieb zurückzugewinnen. Das hat zu einigen sehr interessanten Ansätzen bei der Arbeit mit Flussdynamikberechnung und im Windkanal geführt.»

Diese vier Änderungen sind: Dreiecksförmiger Ausschnitt am Boden vor den Hinterrädern; Bremsbelüftungen, die nicht mehr mit Luftleit-Elementen bestückt werden dürfen; gekürzte Finnen im Diffusor; Verbot von Schlitzen im vorderen Bereich des Bodens.

James Allison weiter: «Allein der Verlust der Fläche vor den Hinterrädern kostet aufgrund der anfälligen Strömung pro Runde ungefähr eine Sekunde. Beim so genannten Diffusor, dem aufsteigenden Ende des Bodens, sind Strömungsweiser verkleinert worden, sie dürfen nicht mehr so nahe an den Boden führen. Das bedeutet, dass der Wagen eine weniger nachhaltige Saugnapfwirkung erzeugt.»

Und genau um die technische Auslegung dieser Strömungsweiser im Diffusor geht es. In Bahrain ist aufgefallen, wie flott der neue McLaren MCL35M unterwegs ist, und das liegt nicht nur am bärenstarken Mercedes-Motor. McLaren-Technikchef James Key hat das Reglement im Bereich Unterboden vielmehr überaus clever interpretiert. Wir könnten auch sagen: Der Engländer hat ein Schlupfloch im Reglement gefunden, mit einem genialen Kniff, der aber wohl hundertprozentig reglementkonform ist.

Und darum geht es: McLaren-Technikchef James Key und seine Mitarbeiter haben zusätzliche Finnen in einen Bereich gesetzt, in dem das Reglement dies nicht verbietet. Die Aerodynamiker erzeugen auf diese Weise einen zusätzlichen kleinen Kanal, welcher die Wirkungsweise des Diffusors unterstützt – der Luftstrom wird dort beschleunigt, ein Saugnapfeffekt entsteht.

Daniel Ricciardo liess am dritten Testtag um 15.25 Uhr mit der zweitschnellsten Rundenzeit hinter Max Verstappen (Red Bull Racing-Honda) aufhorchen.

Die McLaren-Gegner haben sich mit der technischen Abteilung der FIA kurzgeschlossen, um in Erfahrung zu bringen: Ist das okay? Antwort der Regelhüter: aus ihrer Sicht ja. Dennoch wäre es rein theoretisch möglich, dass ein Gegner am GP-Wochenende gegen diese Lösung protestieren wird und die Rennkommissare sich das im Detail angucken müssen.

Müssen die Gegner jetzt kopieren? Und falls ja: Wie schnell geht das?

Bei McLaren ist diese Lösung Teil des Heck-Konzepts. Wie immer in der Formel 1 lassen sich kluge Ideen der Gegner nicht einfach ans eigene Auto schrauben, und alles ist in Butter. Aerodynamische Lösungen müssen in Einklang mit dem Rennwagenkonzept sein. Ein Weg ist für die Gegner grundsätzlich verbaut – um im Heck mehr Raum für solch einen so ausgefuchsten Trick zu gewinnen, müssten die Gegner das Getriebe schlanker gestalten. Der Bau eines neuen Getriebes ist aber vom Reglement nicht gestattet. Jene Gegner, die genug Raum haben, um die McLaren-Lösung zu imitieren, bräuchten dazu der Erfahrung nach für Design und Produktion mindestens sechs Wochen.

Bahrain-Wintertest, Tag 3: Stand nach 6 Stunden

1. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing RB16B-Honda,1:30,187 min (49 Runden) Reifenmischung C4
2. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF21, 1:30,486 (80) C3
3. Daniel Ricciardo (AUS), McLaren MCL35M-Mercedes, 1:30,587 (23) C4
4. Lando Norris (GB), McLaren MCL35M-Mercedes, 1:30,661 (56) C3
5. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT02-Honda, 1:30,828 (76) C4
6. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo C41-Ferrari, 1:30,990 (123) C3
7. Fernando Alonso (E), Alpine A521-Renault, 1:31,212 (34) C3
8. Esteban Ocon (F), Alpine A521-Renault, 1:31,310 (61) C3
9. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB16B-Honda, 1:31,426 (32) C2
10. Nikita Mazepin (RUS), Haas VF-21-Ferrari, 1:31,531 (25) C4
11. Mick Schumacher (D), Haas VF-21-Ferrari, 1:32,053 (78) C3
12. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W12, 1:32,406 (86) C2
13. George Russell (GB), Williams FW43B-Mercedes, 1:32,731 (119) C2
14. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W12, 1:32,886 (21) C3
15. Carlos Sainz (E), Ferrari SF21, 1:35,050 (49) C2
16. Sebastian Vettel (D), Aston Martin AMR21-Mercedes, 1:35,176 (52) C2
17. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri AT02-Honda, 1:35,200 (59) C2
18. Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR21-Mercedes, 1:36,100 (80) C3

Bahrain-Test, Tag 2

1. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W12, 1:30,289 (58 Runden) Reifenmischung C5
2. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT02-Honda, 1:30,413 (87) C5
3. Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR21-Mercedes, 1:30,693 (71) C5
4. Lando Norris (GB), McLaren MCL35M-Mercedes, 1:30,586 (52) C4
5. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo C41-Ferrari, 1:30,760 (125) C5
6. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF21, 1:30,903 (73) C5
7. Nicholas Latifi (CDN), Williams FW43B-Mercedes, 1:32,672 (132) C4
8. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing RB16B-Honda, 1:31,682 (117) C2
9. Daniel Ricciardo (AUS), McLaren MCL35M-Mercedes, 1:32,215 (52) C3
10. Fernando Alonso (E), Alpine A521-Renault, 1:32,339 (128) C2
11. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri AT02-Honda, 1:32,684 (57) C4
12. Mick Schumacher (D), Haas VF-21-Ferrari, 1:32,883 (88) C3
13. Carlos Sainz (E), Ferrari SF21, 1:33,072 (56) C3
14. Nikita Mazepin (RUS), Haas VF-21-Ferrari, 1:33,101 (76) C4
15. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W12, 1:33,399 (58) C2
16. Sebastian Vettel (D), Aston Martin AMR21-Mercedes, 1:38,849 (10) Prototyp

Bahrain-Test, Tag 1

1. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB16B-Honda, 1:30,674 (139 Runden) Reifenmischung C3
2. Lando Norris (GB), McLaren MCL35M-Mercedes, 1:30,889 (46) C3
3. Esteban Ocon (F), Alpine A521-Renault, 1:31,146 (129) C4
4. Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR21-Mercedes, 1:31,782 (46) Prototyp
5. Carlos Sainz (E), Ferrari SF21, 1:31,919 (57) C3
6. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo C41-Ferrari, 1:31,945 (68) C3
7. Daniel Ricciardo (AUS), McLaren MCL35M-Mercedes, 1:32,203 (45) C2
8. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT02-Honda, 1:32,231 (74) C3
9. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri AT02-Honda, 1:32,727 (37) C2
10. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W12, 1:32,912 (42) C2
11. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF21, 1:33,242 (59) C3
12. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo C41-Ferrari, 1:33,320 (63) C3
13. Sebastian Vettel (D), Aston Martin AMR21-Mercedes, 1:33,742 (51) Prototyp
14. Roy Nissany (IL), Williams FW43B-Mercedes, 1:34,789 (83) C2
15. Nikita Mazepin (RUS), Haas VF-21-Ferrari, 1:34,798 (70) C3
16. Mick Schumacher (D), Haas VF-21-Ferrari, 1:36,127 (15) C2
17. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W12, 1:36,850 (6) C2


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