SPEEDWEEK.com kennt brisante Details zum misslungenen Ventil-Schwindel von Yamaha. Die verwendeten Ventile waren beim Härtegrad und bei der Geometrie nicht identisch.
Das bietet Stoff für stundenlange Diskussionen unter GP-Fans: Welcher Formel-1-Rennstall geht 2026 mit der stärksten Fahrerpaarung an den Start? Die Antwort ist ziemlich knifflig.
Weiterlesen
Werbung
SPEEDWEEK.com hat amvergangenen Donnerstagnachmittag frühzeitig die Verfehlungen von Yamaha im Zusammenhang mit den illegalen Ventilen in den 1000-ccm-Motoren von Viñales, Rossi, Quartararo und Morbidelli beim ersten Jerez-GP (17. bis 19. Juli) aufgedeckt.
Werbung
Werbung
Drei Stunden später wurden bereits die Sanktionen öffentlich: Der Yamaha Motor Company wurden 50 Punkte in der Konstrukteurs-WM gestrichen; die doppelte Anzahl der in Jerez errungenen Marken-WM-Punkte. Yamaha fiel dadurch in dieser prestigeträchtigen Wertung von Platz 1 auf Platz 3 zurück! Monster Energy Yamaha verlor die 20 Punkte in der Team-WM, die Viñales beim GP von Spanien heimgebracht hatte. Petronas-Yamaha wurden die Punkte für die Plätze 1 und 5 von Quartararo und Morbidelli gestrichen. Tags darauf warf Yamaha mit einem hanebüchenen Statement ein paar Nebelgranaten, und wenn man die nichtssagenden Passagen weglässt, bleiben nur Lügen und Halbwahrheiten übrig.
Yamaha behauptet seither, es habe sich bei der Missachtung des Protokolls (oder Reglements) um einen internen Flüchtigkeitsfehler oder ein Versehen gehandelt. Es wird immerhin eingeräumt, man habe es tatsächlich unterlassen, die Zustimmung der anderen MSMA-Mitglieder einzuholen, damit die Ventile von zwei unterschiedlichen Lieferanten verwendet werden können.
Werbung
Werbung
Yamaha dementiert, in böser Absicht gehandelt zu haben, als diese unterschiedlichen Ventile eingebaut wurden, von denen eine Version nicht homologiert war und deshalb als illegal eingestuft wurde.
Das bietet Stoff für stundenlange Diskussionen unter GP-Fans: Welcher Formel-1-Rennstall geht 2026 mit der stärksten Fahrerpaarung an den Start? Die Antwort ist ziemlich knifflig.
Weiterlesen
Ein reines Gewissen haben die Yamaha-Verantwortlichen jedenfalls nicht. Sonst hätten sie die Strafen nicht ohne Widerrede hingenommen und nicht auf einen Protest gegen das Urteil des MotoGP Steward Panels verzichtet.
Schadhafte Ventile: Ein Märchen Blicken wir kurz zur Vorgeschichte des ganzen widersprüchlichen Lügengebäudes.
Werbung
Werbung
Bei den zwei Jerez-GP gingen bei Vinãles (FP3 bei Jerez-1), bei Rossi (Rennen Jerez-1) und Morbidelli (Rennen Jerez-2-) drei Motoren kaputt. Beim Spielberg-GP ging Yamaha mit der Neuigkeit an die Öffentlichkeit, ein Lieferant habe eine schadhafte Ladung von Ventilen geliefert, deshalb brauche man die Erlaubnis der anderen fünf Hersteller zur Öffnung der versiegelten, aber noch nicht hopps gegangenen Triebwerke. Man müsse die Ventile "aus Sichergeitsgründen" tauschen, lautete die Botschaft. Die anderen in der "Motorcycle Sports Manufacturers Association" (MSMA) vertretenen Werke (Honda, Suzuki, Ducati, KTM und Aprilia) forderten Beweise und ein schriftliches Schuldeingeständnis des Ventil-Lieferanten. Yamaha war nicht in der Lage, diesen Nachweis zu erbringen und zog den Antrag zurück. Yamaha-Renndirektor Lin Jarvis erklärte dann, man könne das Problem durch eine Änderung des Settings entschärfen. In Brünn und Spielberg dürfte Yamaha auch mit 500/min weniger Drehzahl gefahren sein, deshalb ließen die Ergebnisse arg zu wünschen übrig. So konnte es nicht weitergehen.
Werbung
Werbung
Offenbar griffen die Yamaha-Techniker deshalb zu einer kreativen Lösung. Man darf diese Vorgehensweise getrost als Betrug oder Schwindel bezeichnen. Denn inzwischen wissen die gegnerischen MSMA-Mitglieder: Es wurden zwei unterschiedliche Ventil-Sorten verwendet. 1. Es besteht der verdacht, Yamaha habe einen Motor wieder zurückgebaut, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen. 2. Plötzlich waren laut Yamaha in der "sample engine", die vom MotoGP Technical Director Danny Aldridge verwahrt wird, doch die alten Ventile drin, nicht wie zuerst behauptet wurde, schon die neuen.
Werbung
Werbung
3. Auf mehrfaches Nachbohren der Gegner, ob es sich bei den unterschiedlichen Lieferungen wirklich um identische Ventile handle, entgegnete Yamaha mehrmals: "Ja, ja, es ist nur ein anderer Hersteller." 4. Nach der Überprüfung der Ventile stellte sich jetzt heraus: Design und Material der beiden unterschiedlichen Ventil-Sorten weisen gegenüber der homologierten Version bei der "sample engine" deutliche Unterschiede auf. 5. Auf Wunsch von Yamaha wurde vom Technical Director Danny Aldridge die Universität Padua als unabhängige Prüfanstalt mit der Überprüfung der beiden unterschiedlichen Ventil-Konfigurationen beauftragt. Bei dieser Untersuchung kam zum Vorschein: Bei der Härteprüfung der in Jerez-1 verwendeten Ventile wurde ein Wert ermittelt, der um 50 Prozent unter jenem der homologierten Ventile lag. Experten wissen: Härtefehler sind im Maschinenbau kein seltenes Problem. Yamaha muss sich dieses Problems bewusst gewesen sein. 6. Yamaha brachte also beim Saisonstart in Jerez eine neue Ventil-Generation ins Spiel, die in den "sample engines" nicht zu finden war und die außerdem wegen des unterschiedlichen Härtegrades dafür sorgte, dass den Fahrern die Motoren um die Ohren flogen.
Werbung
Werbung
7. Ohne diese Motorschäden hätte die Menschheit nie von diesen neuen illegalen Ventilen erfahren, die Yamaha dann bei den schon versiegelten Motoren dringend tauschen wollte, um mit den fünf erlaubten Motoren durch die Saison zu kommen. Dazu war aber das Einverständnis der gegnerischen Werke notwendig. Dieses wurde nicht erteilt, weil Yamaha die gewnschen Nachweise nicht erbringen konnte. 8. Yamaha wurde nachgewiesen, dass in Jerez illegale Ventile eingebaut waren, deshalb wurden die Strafen verhängt. Yamaha brauchte für 2020 dringend mehr Motorleistung und mehr Drehzahl. Beim Valencia-GP sagte Lin Jarvis in die TV-Mikrofone, es habe sich um identische Ventile gehandelt, nur von zwei unterschiedlichen Lieferanten. Das Design sei identisch gewesen, wurde schriftlich betont.
Werbung
Werbung
Das entspricht allerdings nicht der Wahrheit. Es wäre wohl sinnvoller gewesen, einfach zu schweigen. Yamaha hat sich einen Verstoß gegen das Reglement geleistet, sonst wären keine Strafen ausgesprochen worden. Hätten die Stewards auch noch die Fahrer-WM-Punkte von Jerez einkassiert, 25 bei Quartararo, 20 bei Viñales und 11 bei Morbidelli, hätte Joan Mir gestern schon den Weltmeistertitel feiern können.
Team-WM nach 12 von 14 Rennen 1. Team Suzuki Ecstar, 287 Punkte. 2. Petronas Yamaha SRT 205. 3. Ducati Team 194. 4. Red Bull KTM Factory Racing 182. 5. Monster Energy Yamaha MotoGP 159. 6. Pramac Racing 138. 7. LCR Honda 131. 8. Red Bull KTM Tech3, 117. 9. Repsol Honda Team 83. 10. Esponsorama Racing 81. 11. Aprilia Racing Team Gresini 39.
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach
Die aktuellsten News rund um die Uhr, von Experten analysiert und kommentiert und exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Hier schreiben Fans für Fans.