Was Ferrari in diesem Jahr besser machen will

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Ferrari-Teamchef Mattia Binotto

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto

Der zweite WM-Rang entspricht nicht dem Selbstverständnis von Ferrari, erst recht nicht, wenn der Rückstand auf Weltmeister Mercedes 235 WM-Punkte beträgt. Doch die Scuderia hat aus 2019 ihre Lehren gezogen.

Nach der Saison 2019 musste sich die Ferrari-Teamführung eingestehen, das ehrgeizige Ziel des WM-Titelgewinns erneut verpasst zu haben. Die Verantwortlichen aus Maranello sprachen denn auch von einer Krise und einer kalten Dusche, wenn es um die nicht erfüllten Erwartungen ging, die wegen der starken Vorsaisontest-Performance aufgekommen waren.

Der erste Tiefschlag kam schon beim Saisonauftakt in Melbourne, dort konnten die Mercedes-Piloten die ersten beiden Plätze erobern, während Sebastian Vettel und Charles Leclerc mit den Rängen 4 und 5 Vorlieb nehmen mussten. «Es gab gute Gründe dafür, dass wir in Australien nicht die beste Performance hatten, denn wir haben einige schlechte Entscheidungen bei der Kühlung und dem Motor-Management getroffen», gestand Teamchef Mattia Binotto bei der Weihnachtsfeier der Roten.

Beim zweiten WM-Lauf in Bahrain kam man dem Sieg mit Charles Leclerc schon sehr nahe, doch ein Motorenproblem hielt den jungen Aufsteiger davon ab, seinen ersten GP-Sieg einzufahren. Ferrari sah sich angesichts des guten Tempos des Monegassen bestätigt, bei der Fahrzeug-Entwicklung den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

«Es dauerte eine Weile, bis wir realisierten, was los war», räumte Binotto denn auch ein. In der ersten Saisonhälfte versuchte man, die Schwächen des Autos auszumachen, doch das gelang nicht auf Anhieb. «Wir waren zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage, unsere Performance richtig einzuschätzen», gestand der Teamchef unumwunden. Das zeigte sich auch in den Zahlen: Mercedes konnte vor der Sommerpause bis auf zwei Siege alle WM-Läufe für sich entscheiden, die anderen beiden ersten Plätze gingen an Red Bull Racing.

Erst nach der Rückkehr aus dem Urlaub durften auch die Tifosi jubeln, denn in Maranello hatte man sich den Problemen mit der Bremsstabilität und dem Renntempo erfolgreich angenommen. «Vor der Sommerpause verloren wir in den Kurven durchschnittlich sechs Zehntelsekunden, diesen Verlust konnten wir auf zwei Zehntel reduzieren», rechnete Binotto stolz vor. Das brachte auch den erwünschten Erfolg: Leclerc siegte in Belgien und beim Heimspiel der Italiener in Monza, Sebastian Vettel setzte sich im anspruchsvollen Singapur-GP gegen den Rest des Feldes durch. Zum ersten Mal in der Hybrid-Ära hatte Ferrari und nicht Mercedes den stärksten Motor im Feld.

Doch danach hatte Mercedes wieder die Oberhand, und da die Regelhüter zu diesem Zeitpunkt der Saison mit technischen Direktiven zu den Antriebseinheiten einige Schlupflöcher im Reglement stopften, wurde der neuerliche Performance-Schwund der Roten mit den Präzisierungen der Rennleitung in Verbindung gebracht. Davon will Binotto nichts wissen. «Wir haben beim Einsatz der Motoren im letzten Teil Saison nichts geändert, und wäre etwas daran illegal gewesen, dann hätte sich das schon beim ersten Check gezeigt», verteidigt sich der Ingenieur.

Die Motorenentwicklung sorgte denn auch für einige Probleme auf der Piste, nicht nur in Bahrain, auch in Sotschi waren es technische Sorgen, die den Sieg des ältesten GP-Rennstalls der Welt verhinderten. Und die Standfestigkeit war nicht die einzige Schwäche, auch bei der Strategie vergriff man sich zu oft, wie etwa in Monte Carlo.

«Auch die Boxenstopps waren nicht gut genug, einige Male dauerten sie mehr als sechs Sekunden, das ist inakzeptabel für ein Team wie Ferrari», übte sich Binotto in Selbstkritik. Schliesslich weiss der Italiener: «Wenn du siegen willst, dann müssen auch die Mechaniker und die Boxenstopps perfekt ablaufen.» Deshalb versuche man, die Schwächen durch viel Training aus der Welt zu schaffen. «Wir analysieren auch alles genau und es zeigt sich, dass wir uns rundum verbessern müssen. Das ist die Herausforderung, die wir in diesem Jahr meistern müssen», betonte der 50-Jährige.

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