Aston Martin: Stroll steigt mit 216 Millionen € ein!

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Der kanadische Unternehmer Lawrence Stroll, Mitbesitzer des Racing-Point-Rennstalls, übernimmt mit Geschäftskollegen für 216 Millionen Euro 16,7 Prozent am Sportwagenhersteller Aston Martin.

Lawrence Stroll übernimmt zusammen mit anderen Investoren 16,7 Prozent am englischen Sportwagenhersteller Aston Martin. Wie aus einem Antrag an die Londoner Börse hervorgeht, lassen sich das der kanadische Unternehmer und seine Wegbegleiter 182 Millionen Pfund (216,5 Millionen Euro) kosten. Zudem umschliesst der Einstieg des Racing-Point-Rennstallmitbesitzers ein, dass eine Kapitalerhöhung um 318 Millionen Pfund (378 Millionen Euro) durch Bezugsrechtsemission stttfindet.

Englische News-Portale gehen davon aus, dass der Vater des Formel-1-Piloten Lance Stroll den Racing-Point-Rennstall (vormals Force India) ab der Saison 2021 unter der Bezeichnung Aston Martin an den Start bringen will.

Stroll ist beim Kauf obiger 16,7 Prozent an «Aston Martin Lagonda» nicht alleine. Er führt ein Konsortium an, dem Baumaschinen-Hersteller Anthony Banford, Geschäftsmann André Desmarais aus Ottawa sowie Mode-Investor Silas Chou aus Hongkong angehören.

Aston Martin kämpft mit mässigen Verkaufszahlen, in den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 wurde ein Verlust von 74,6 Millionen Euro erzielt, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren die Briten noch mit 14,2 Millionen Euro in der Gewinnzone gewesen. Grund: Rückläufige Absätze in Europa und Asien. Der Umsatz ging um vier Prozent auf 481,8 Millionen Euro zurück.

Stroll und seine Mit-Investoren haben zugestimmt, sofort 65 Millionen Euro einzuschiessen, um Liquiditäts-Schwierigkeiten vorzubeugen. Gemäss eines Berichts der Financial Times haben Stroll und seine Kollegen Aston Martin mehr überzeugen können als der chinesische Autohersteller Geely, der ebenfalls bei der englischen Traditionsfirma einsteigen wollte. Geely ist Teilhaber von Lotus, Proton und Volvo.

Schon im vergangenen November war davon die Rede gewesen, dass Stroll (Vermögen gemäss Forbes: 2,7 Milliarden Dollar) bei Aston Martin einsteigen wolle. Der Markt reagierte damals mit einem Ansteigen der Aston-Martin-Aktien um 13 Prozent.

Wer ist Lawrence Stroll?

Lawrence Stroll müsste nie wieder in seinem Leben einen Finger rühren. Der Kanadier stand auf der 2018er Forbes-Liste der Milliardäre auf Rang 887 mit einem Vermögen von 2,7 Milliarden Dollar. Stroll – am 11. Juli 1959 als Lawrence Sheldon Strulovitch geboren – ist seinem Vater in die Bekleidungsindustrie gefolgt. Der jüdische Auswanderer Leo Strulovitch hatte in der neuen Heimat Kanada seinem Sprössling vorgelebt, wie man Selfmade-Millionär wird, indem er einige der bekanntesten Modemarken der Welt nach Kanada brachte.

1990 ging Lawrence Stroll mit Silas Chou aus Hong-Kong ein Bündnis ein, was zur Gründung der Firma «Sportswear Holdings» führte. Die beiden investierten ihr Geld in eine damals wenig bekannte Firma namens Tommy Hilfiger – heute eines der renommiertesten Mode-Labels der Welt, Partner von Mercedes-Benz und Lewis Hamilton. Auch Chou ist ein Schwergewichtler: Seiner Familie gehört eines der grössten Textilfabrikations-Netzwerke von ganz Asien.

Stroll und Chou inhalierten den Schmuckhersteller Asprey, sie mieteten sich in New York im Trump Tower ein. Der Börsengang der Marke Michael Kors katapultierte Stroll unter die 1000 reichsten Menschen der Welt. Stroll ist bekennender Rennfan, seine Sport- und Rennwagensammlung besteht aus zahlreichen Ferrari, er ist Ferrari-Händler in Québec und besitzt darüber hinaus die Rennstrecke von Mont-Tremblant bei Montreal.

Rennfan Stroll senior erlebte durch seinen Sohn Lance, was ihm selber verwehrt geblieben ist, eine Rennkarriere hoch bis in die Königsklasse. Aber dann wurde aus dem Förderer Stroll auf einmal ein Rennstallbesitzer. Lawrence Stroll hat im vergangenen Sommer Force India aus dem Gläubigerschutz geholt, zusammen mit einer Gruppe von Investoren, darunter der kanadische Geschäftsmann Andre Desmarais, Jonathan Dudman (Monaco Sports und Management), Unternehmer John McCaw, der Finanzexperte Michael de Picciotto, der Modeunternehmer John Idol und Strolls Geschäftspartner Silas Chou. Es ist bis heute nicht bekannt, wie der Besitz des Rennstalls aufgeteilt worden ist.

Stroll ist nicht zum Milliardär geworden, indem er kleine Brötchen herstellte. «Ich will dieses Team zu einem der erfolgreichsten Rennställe machen. Auf kurze Sicht allerdings wollen wir ungefähr dort bleiben, wo wir sind.» Das war 2016 und 2017 jeweils der vierte Rang hinter den drei Top-Teams, eine famose Leistung. 2018 gab es einen Rückschlag, weil durch den Besitzwechsel die zuvor errungenen Punkte gestrichen wurden. Hätte Force India sie behalten könen, wäre der Rennstall aus Silverstone WM-Fünfter geworden, ganz knapp hinter Renault. 2019 hat das Team den siebten Schlussrang eingefahren.

Lawrence Stroll: «Mittelfristig wollen wir ein Wörtchen um den dritten Platz unter den Konstrukteuren mitreden. Und langfristig, wenn wir ab 2021 eine ganz neue Formel 1 haben, will ich mit diesem Team Grosses erreichen.»

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