Spanien-Test: Vettel-Dreher, Corona-Angst, Kubica 1.

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Ein seltsamer Testtag auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya. Das dominierende Thema ist nicht die Konkurrenzfähigkeit der zehn GP-Teams, sondern die Furcht vor der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus.

Die Formel-1-Rennställe bereiten sich an Tag 4 auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya auf die Saison vor, als würde keine dunkle Wolke über der Königsklasse schweben. In Wahrheit weiss heute noch keiner, wie die ersten Rennen der Saison 2020 aussehen werden. Der China-GP, eigentlich auf 19. April angesetzt, ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden wir in diesem Jahr überhaupt nicht nach Shanghai reisen.

Wenn der Inselstaat Bahrain weiterhin Flüge aus dem Drehkreuz Dubai untersagt, wird das nichts mit einem Formel-1-Rennen. Wenn Vietnam Menschen die Einreise verweigern will, in welchen es bestätigte Coronavirus-Erkrankungen gibt, dann wird es kein Rennen geben – denn wir haben solche Fälle in Italien, in Grossbritannien, in der Schweiz.

«Formula One Management» beobachtet die Situation mit höchster Aufmerksamkeit, hier in Spanien wird es eine Sitzung zwischen den Team-Managern und der FOM-Führung geben, mit Serien-CEO Chase Carey und Sportdirektor Ross Brawn. Der Aufbau des Strassenkurses im Albert-Park von Melbourne läuft derzeit nach Plan.

Dr. Brett Sutton, Gesundheits-Chef im Staat Victoria: «Wir halten uns alle Optionen offen. Ich halte eine Streichung unseres Rennens für unwahrscheinlich. Wir hatten eine solche Situation 2009 bei einer Grippe-Pandemie. Wir beoabachten die Lage genau, aber nur wenn in den kommenden Tagen ein aussergewöhnlicher Anstieg von Coronavirus-Fällen entstehen würde, käme eine Absage des Australien-GP in Frage.»

Rennpromoter Andrew Westacott: «Unser Rennen gibt es nun seit 24 Jahren. Und jedes Mal hatten wir Pläne für medizinische Notfälle bereit. So ist das auch dieses Mal. Wir arbeiten eng mit den Behörden in Victoria zusammen. Die Vorbereitungen auf die australische Football-Saison, den Welt-Cup in Cricket und den Grand Prix gehen wie gehabt vorwärts.»

Ein internationales Badminton-Turnier, das eine Woche vor dem ersten Grand Prix von Vietnam stattfinden sollte, ist sicherheitshalber in den Juni verschoben worden. Kein gutes Zeichen. Die GP-Organisatoren verschicken lieber eine Medienmitteilung mit der freudigen Nachricht, dass die Rennstrecke fertiggestellt sei. Das Problem Corona-Virus wird mit keiner Silber erwähnt.

Was gibt es von der Rennstrecke?

Die erste rote Flagge am Mittwochmorgen wurde von einem roten Auto ausgelöst: Sebastian Vettel war in Kurve 7 ein wenig zu schnell unterwegs und wurde vom Heck seines eigenen Autos überholt. Weil der Ferrari dabei tüchtig Kies auf die Bahn schaufelte, musste der Testbetrieb unterbrochen werden. Am Ferrari ist die stehende Finne auf der Motorhaube grösser geworden. Dazu probieren die Italiener in Katalonien verschiedene Heckflügel-Hauptblätter aus.

Ein Beobachter im Fahrerlager höhnte nach zwei Stunden: «Zwei Mercedes vorne.» Denn Weltmeister Lewis Hamilton ist im 2020er Silberpfeil der schnellste Mann, der Kanadier Lance Stroll in der Mercedes-Fotokopie namens Racing Point RP20 ist Zweitschnellster.

Alfa Romeo-Sauber arbeitet mit einem neuen Frontflügel und vervielfachten Luftleit-Elementen auf dem Chassis, unmittelbar vor dem Cockpit. Edelreservist Robert Kubica bretterte 40 Minuten vor Schluss des Testmorgens mit weichen Pirelli-Reifen zur Bestzeit, der kurze Einsatz drängt den Verdacht auf – mit wenig Sprit an Bord.

Williams hat ebenfalls einen neuen Frontflügel mitgebracht. Nach knapp drei Stunden blieb der Kanadier Nicholas Latifi stehen – rote Flagge. Offenbar gab es in Problem mit der Ölversorgung des Mercedes-Motors.

Die Sorgenkinder des Morgens: Pierre Gasly im AlphaTauri und Alex Albon im Auto von Red Bull Racing, die nach Aufwärmrunden stundenlang im Dunkel ihren Boxen verschwanden. Klar drängte sich der Verdacht auf, dass mit dem gemeinsam verwendeten Honda-Motor etwas nicht stimmt. Aber Entwarnung, die entgangenen Testrunden haben nichts mit dem Motorpartner zu tun. Am Wagen von Red Bull Racing gab es ein Problem mit der Aufhängung, im Auto von AlphaTauri war eine Leitung undicht. Albon fuhr sich mit der drittbesten Tageszeit den Frust aus dem Leib, Gasly verbesserte sich in der gleichen Stimmung kurz vor der Mittagspause auf den zweiten Platz, allerdings mit weicheren Reifen als der Thai-Brite.

Barcelona-Test, Tag 4, Stand nach vier Stunden

1. Robert Kubica (PL), Alfa Romeo-Sauber C39-Ferrari, 1:16,942 (53 Runden) C5
2. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT01-Honda, 1:17,540 (25) C4
3. Alex Albon (T), Red Bull Racing RB16-Honda, 1:17,550 (29) C2
4. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W11, 1:17,562 (89) C2
5. Lance Stroll (CDN), Racing Point RP20-Mercedes, 1:17,787 (43) C3
6. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF1000, 1:18,113 (84) C3
7. Daniel Ricciardo (AUS), Renault RS20, 1:18,214 (53) C2
8. Carlos Sainz (E), McLaren MCL35-Renault, 1:18,221 (46) C3
9. Nicholas Latifi (CDN), Williams FW43-Mercedes, 1:18,300 (48) C4
10. Romain Grosjean (F), Haas VF-20-Ferrari, 1:18,804 (42) C3

Pirelli-Reifen von C1 (hart) bis C5 (extraweich)

Am Nachmittag im Einsatz
Mercedes-Benz: Valtteri Bottas (FIN)
Ferrari: Charles Leclerc (MC)
Red Bull Racing-Honda: Max Verstappen (NL)
McLaren: Lando Norris (GB)
Renault: Esteban Ocon (F)
AlphaTauri-Honda: Daniil Kvyat (RU)
Racing Point: Sergio Pérez (MEX)
Alfa Romeo-Sauber: Kimi Räikkönen (FIN)
Haas: Romain Grosjean (F)
Williams: George Russell (GB)

Wintertest 1 in Barcelona (19.–21. Februar 2020)

1. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W11, 1:15,732 FR C5
2. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W11, 1:16,516 FR C5
3. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo-Sauber C39-Ferrari, 1:17,091 DO C5
4. Esteban Ocon (F), Renault RS20, 1:17,102 FR C4
5. Lance Stroll (CDN), Racing Point RP20-Mercedes, 1:17,338 FR C4
6. Sergio Pérez (MEX), Racing Point RP20-Mercedes, 1:17,347 DO C3
7. Daniil Kvyat (RU), AlphaTauri AT01-Honda, 1:17,427 FR C4
8. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo-Sauber C39-Ferrari, 1:17,469 FR C5
9. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB16-Honda, 1:17,516 MI C3
10. Daniel Ricciardo (AUS), Renault RS20, 1:17,574 FR C4
11. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT01-Honda, 1:17,783 FR C4
12. Carlos Sainz (E), McLaren MCL35-Renault, 1:17,842 MI C3
13. Alexander Albon (T), Red Bull Racing RB16-Honda, 1:17,912 DO C2
14. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF1000, 1:18,154 DO C4
15. George Russell (GB), Williams FW43-Mercedes, 1:18,168 DO C3
16. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF1000, 1:18,289 MI C3
17. Romain Grosjean (F), Haas VF-20-Ferrari, 1:18,380 FR C3
18. Nicholas Latifi (CDN), Williams FW43-Mercedes, 1:18,382 MI C3
19. Robert Kubica (PL), Alfa Romeo-Sauber C39-Ferrari, 1:18,386 MI C3
20. Lando Norris (GB), McLaren MCL35-Renault, 1:18,454 FR C3
21. Kevin Magnussen (DK), Haas VF-20-Ferrari, 1:18,466 MI C3

MI = Mittwoch 19.2., DO = Donnerstag 20.2., FR = Freitag 21.2.
Pirelli-Reifen von C1 (hart) bis C5 (extraweich)

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